Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1848)
- Date
- 1848-11-26
- Page
- Seite 378 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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382 mit Eurem Nationalismus nicht durch; mit der Verheißung - der Propheten hat cs noch eine Weile Zeit; euer Sieg ist um für den Augenblick; und neu ist eure Sache auch nicht. Als sich die jüdische Natron am Ende des zweiten Tempels, dem Griechentum hingab, als eure Vorväter im Unglauben noch weiter als Ihr gingen und bei..den olympischen Spielen ganz als Nicht-Judm erscheinen wollten (nrb^ wno), da ging Tempel und Reich und Griechenthum verloren; aber das Gesetz der Vefchneidung blieb, und. wird länger als all die Neuerung bleiben. — Wie verlautet haben die Gegner auch eine Versammlung angestellt und Unterschriften gesammelt, deren Zahl sich durch Kollektionen an der Börse sich, auf 100 —150 beläuft, diese wollen dem hohen Senat eine Supplik überreichen, worin sic um Gewisserisfreiheit anhalten.* Aber zwei Dinge scheinen die Herren Gegner im Allgemeinen vergessen zu haben. Erstlich, daß durch die Nichtbeschneidung kein Schritt zur Cmancipation gcwonn.en, im Gegen th eit zehn Schritte verloren werden. Merken wir nur anf Preußen, alle Mitglieder der Stande wollen positive Religion haben , ob aus religiösem oder politischem Gefühl,, das ist Einerlei, genug sie wollen keinen Staat im Staate dulden, dessen Mitgliederweder Christen noch Juden sind, am wenigsten werden sie einen solchen Staat ganz in den ihrigen anfnehmen. Zweitens dieses Abwerfm des 'Haupt-Gesetzes zerreißt das heiligste Familienband, wirst die Fackel der grausamsten Zwietracht in die Zelte Juda's, so wie der Prophet verkündet, ,,der Sohn schmähet den Vater, die Tochter lehnt sich auf gegen die Mutter; die Schnur gegen die die Schwiegermutter; des Menschen Feinde sind seine eignen HauSleute!" — Und die Neologen hegen einen Fanatismus gegen die Frommen, den diese awch in frühern Zeiten nichtkannten. — N. N. Berlin, 18. Novbr. Soeben war ich tut Begriffe, HN’Dl nrro bpi?'. der letzten jüdischen Blätter zu besprechen, als mir Nr.. 47 Ihres Blattes znkommt, aus dem ich ersehe, daß die Mähren un§ überall in den Weg treten. Nicht genug,, daß sie ihre Emissäre nach Ungarn (Schwab, Lew), Böhmen (Wessely), Sachsen (Jellinek) und Preußen (Steinschneider) gesandt haben, wollen sie auch einem loyalen Preußen sein Privilegium misgöunen. Im stolzen Selbstbewußtsem meines Preußenthums rief ich aus: „In Preußen sind zwei Männer, witzig: eine hohe Person und ich"; da macht mir ein Mähre einen Strich durch die Rechnung, dem sich allerdings Nachweisen könnte, daß einige Witze nur gehören, wenn sich nicht befürchten mußte, er würde um den Nachweis seiner Duellen ebenso wenig in Verlegenheit sein, als der fürstliche Redakteur. Ich überlasse den *) In einem hiesigen Lokalblatt fordern die Gegner öffentlich zur Unterschrift der Supplik auf: — Mähren die Homiletik, die Philologie' und denTalmnd, aber der Witz, der Humor, die Satyre sind echt preußisch und darum werfe ich Ihrem mährischen Korrespondenten den Handschuh hin, wenn ich mir auch dadurch eine Blöße gebe. Nun zu memem Thema zurück, das sehr schwer zu behandeln ist. Doch erlauben Sie mir, bevor ich in das Schattenreich unserer Zustände cmziehe, einen religiösen Skrupel hier zu äußern. Ich la§ in einem Gutachten, daß unser Papier, weil aus wollenen und leinenen Lumpen bereitet, eigentlich ü'xbz sei. Die frommen Leser des „Orient" werden also «leinen Artikeln nichts an haben dürfen. Sie sehen, welche Schntzmauer die Gutachten gewähren — gegen Angriffe. Nun endlich zu meinem Thema. Einer Ihrer Korrespondenten nennt mich „Kollege". Seit der NV. ist dies ein ominöser Name, und obwohl ich kein Rabbi Meir und daher nicht nw ttnn bin, '.fo' scheint mir der Name Kollege eine Satyre zu sein. Giebt es jetzt zwei Kollegen unter jüdischen Gelehrten? Als Monotheisten erfennen die jüdischen Gelehrten nur Einen an: Jeder sich selbst; und wie eitijl in der talmndi scheu Epoche die Streitigkeitett en /vogue waren, so auch in unserer untalmudischen Zeit. Mit Sehnsucht sehe ich der messianischen Zeit entgegen, wo der Wolf neben dem Schafe, nicht im Schafe ruhen wird. — Ein zweiter Korrespondent findet die Vereinigung des Rabbiners und Chasans in Eine Person sehr lebenswerth. Natürlich. Dann hat Ersterer vor Letzterem nicht zu fürchten und hat wenigstens eine Stimme für sich. Bei unserer Genossenschaft ist ein anderes Verhältnis Da wünscht man den Prediger zum Chasan, und "den Chasan zum Prediger. — , Hr. Lau b e nennt die Juden einen „Sauerteig". Darum war ihnen der O st cr n so schädlich und darum sind so viele Juden..rjNjrä nott au dem Befreinngsfeste der jüdischen Literatur. — Ich lasse.jetzt Ihre Korrespoudeuteu ruhen und will in meinem Nächsten unfern preußischen Himmel mustern. Vielleicht entdecke ich einen neuen Stern, da die alten untergehen. * Berlin, 1. Nov. Ich erlaube mir Ihnen das neueste und beste Produkt der Reformgenoffen, nämlich den „Principien- Entwurf für die Genossenschaft für Reform im Iudenthum. Versuch von 2t. R e b e n st e i n ", der als Manuskript gedruckt so eben im Selbstverläge des Verfassers als Vorlage für die so eben stattsindende Reform-Synode verfaßt, zu übersenden, und ich glaube, daß Sie diesem Entwürfe der Reform-Genossen, der doch jedenfalls ein Entwickelungs-Moment im heutigen Judenthum ist, als einem historischen Aktenstücke, die Spalten des Orients öffnen werden. Hier folgt derselbe: . ' I- Die Genossenschaft spricht, als Prinzip ihrer Bestrebungen, die bereits im Aufruf vom 2ten April 1845 enthaltenen Sätze aus: