Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1848)
- Date
- 1848-11-11
- Page
- Seite 362 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 362 jener Ereignisse zeigen muffen. Dezeichnefl der Verfasser ferner denjenigen Theit der Zudem als Ausnahme, dessen Interessen die des Besitzes sind, so hat er gewissermaaßen die Gefammtheit und Regel zur Ausnahme gemacht; denn bei dem bisherigen Ausschluß der Juden von jeder andern Eärriere, mußten'-sie Wst sämMichvHH:det-huttd Gewcrbtreibende werden und ihre Existenz auf den faktischen Besitz basiren. Sollten die Juden endlich durch den tausendjährigen Druck gegen die bisherige Staatsform wirklich „erbittert" fein> fo müßtebiefe $161^ rung vollkommen dadurch schwinden, daß diese Staatsfcrm geschwunden und eine andere an ihre Stelle getreten ist. Man kann nicht gegen etwas erbittert sein, was nicht mehr existirt. Durchaus aber beflndet der Vers, sich darin im Jrrthume, daß er annimmt, jene „Erbitterung" richte sich gegen die Monarchie als solche in jeder Gestalt. Die Juden hatten nie eine ausnahmsweise. Veranlassung zur Erbitterung gerade gegen die Monarchie. Denn nicht die Monarchen etwa waren es besonders, die sie unterdrückten und knechteten, sondern der frühere unaufgeklärte Geist ganzer Massen der Be- * volkrrung, der Eigennutz und Krämergeist, der es verkannte , daß jede Art von größerer Konkurrenz geistig und äußerlich nur nützlich sein könne. Besonders aber waren es. schlechte, oder doch dieser Verhältnisse unkundige Räthe der Fürsten, die die Emanzipation so lange, zum Schaden des deutschen Vaterlandes, zurückhielten. Ja, gerade edle Fürsten waren es, bei welchen die Juden in früheren Zeiten oft Schutz gegen Verfolgung fanden. Wie treu aber namentlich die Juden Preußens bisher an dem Throne hingen, davon konnte man sich wohl damals überzeugen, als der Schlachtruf lautete: „mit Gott für König und Vaterland." Denn wurden ihnen auch in Preußen lange die wichtigsten Rechte entzogen, so würdigten sie doch die Vortheite einer allgemeinen, gerechten Staatsverwaltung und sie erkannten dankbar in den Königen Preußens die Träger dieser Gerechtigkeit. Nachdem nun aber endlich das Königthum in Preußen den Fortschritt zur konstitutionellen Monarchie gemacht hat, nachdem es weder ganz noch theilweise mehr über Sklaven herrschen, sondern stille ruhmbekränzte Fahne über freie Männer allein entfalten will, nachdem auch den Juden ihre Menschenrechte voll und gern bewilligt sind, was konnte sie wohl veranlassen, dieser konstitutionellen Monarchie in Zukunft minder treu zu sein, als jenen frühern Fürsten; was könnten sie wohl sehnlicher wünschen, als daß ein solcher gesetzlicher Zustand sich ordne und festige? Mag es auch unter den Juden Einige geben, die die Republik für eine gute Staatsverfassung halten; sie glauben dies micht cficit als Juden — denn das alte jüdische Reich war gleichfalls wesentlich eine patriarchalisch-konstitutionelle M 0 n a r chi e — sondern es ist eine Meinung, die sie, bisher jedenfalls, nur theoretisch und ohne den bekannten, gesetzwidrigen .Vorgängen BÄMnb* zuWisten 'einer überwiegend , größeren Anzahl Won Christen theilen. Aber die Masse der Juden ist eifrig gegen die Republick, weis eine Republik, die sich übrigens in keinem größer:: europäischen Staate.lange erhalten wird,-jedes wahre Molks- Wohl sind.'jede ^persönliche Freiheit in Frage stellt und meist gefährdet, wie dies in einem früheren Aufsatze aus- . geführt worden ist. Bei jeden: Kampfe zwischen Freiheit und Tyrannei werden die Juden entschieden auf Seiten der ersteren sein. Aber' sollte es je, wovor Gott das Vaterland bewahre, zu einem Kampfe gegen Gesetzlosigkeit kommen, dann kann Deutschland, dann kann das konstitutionell-monarchische Preußen sicher und fest auf die Hingebung und Begeisterung Jener rechnen, die im gemeins(mm: Vaterlande und in p 0 l i L i s ch e r Beziehung eben nicht Juden, sondern nur gute Deutsche und konstitutionelle Preußen sein wolle::. Saalschütz. München , 19. Okt. Sie erlauben mir einige Worte der Erwiderung auf Ihre Kritik des Programms des hiesigen israelitischen Fortschrittsvereins. Vor Allem muß. der Verein die ihm angemuthete, aber meines Wissens nirgends ausgesprochene Ansicht, „ als sey durch die Freiheitsbewegung Deutschlands die jüdische Religion bedroht", entschieden von sich ablehnen, indem gerade in seinem Programme der segensreiche Einfluß der allgemeinen Freiheit auf die Verhältnisse des Judenthums ausgesprochen ist, was Sie mißverstanden | zu haben scheinen. Der Verein spricht auch nicht von einer Veredlung und Verjüngung der Religion, sondern von der Reform ihrer äußern Gestalt, ihrer Ausübung. Wenn Sie das Programm einer genaue rn Durchtesung würdigen wollen, so klären sich diese Mißverständnisse von selbst auf. Ihre Ansicht über Synoden hat Vieles und Unwiderlegbares für sich und ich glaube, daß wir am Ende vielleicht von selbst auf die Reform im Einzelnen, d. h. Bezirkssynoden zurückkommen müssen. Aber wir hielten es doch des Versuches werth. Eine, Form für die Ausübung unserer Religion in ganz Deutschland zu finden und dies sei die Aufgabe der Synode. Schlägt dieser Versuch uns fehl, dann mögen die Gemeinde:: selbst für sich sorgen , dann werden Schisrna und Sekten nicht ausblelben und auch in diesem Falle wird derMünchner Fortschrittsverein seine Partei ergreifen. Jakob Oberdörfer. Nikolsburg , im Oktbr. Unser Rabbiner hat folgendes Rundschreiben erlassen: „An die ehrsamen L sr a e li ti sch en Gemeinden i n Mähren. Geliebte Brüder! Der erste Kettenring unserer jahrhuudertlangei: Schmach ist gebrochen. — Dank beut Vater im Himmel, der uns zu jeder Zeit geführt. Das in der Brust der Völker neuerwachte Rechts-