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Der Orient · 1848-10-28 · Heft 44 (28.10.1848) · p. Seite 352

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 44 (28.10.1848)
Date
1848-10-28
Page
Seite 352 (sequence 15)
Language
German
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352 zur Hebung -es jüdischen Schulwesens in Hinterpommern überhaupt gewiß -sehr viel beitragen würde> wenn die Gemeinden mehr Sinn dafür hätten. An der Stolper Schule wirken, außer dem Dr. Klein noch ein Lehrer (jetzt Hr. Lurje) und -er dortige Kantor (Hr. Friedländer) ,^der täglich zwei Stunden in den Anfangsgründen des Hebräischen unterrichtet und der, was hier beiläufig bemerkt sei, durch die Einführung des Choralgesanges zur Verherrlichung des Gottesdienstes sehr viel beigetragen. Aber auch an andern Orten ist schon Etwas geschehen. Da ist z. B. die Gemeinde zu Neu-Stettin, die, kaum 40 Familien Wählend, einen geordneten Gottesdienst mit Predigt (manche Gebetstücke, wie z. B. das für den König, werden in der deutschen Sprache sowie andere Lheile des Gottesdienstes, z. B. die Megill o t, in hebräischer jund deutscher Sprache vorgetragen) und eine vollständige Schule hat, an welcher außer dem Herrn Victor, der zugleich Rabbiner und Prediger der Gemeinde ist, noch der dortige Kantor, Herr Magnus, ein tüchtiger Lalmudist, Unterricht ertheill. Allerdings sind die Ausgaben für Synagoge und Schule nicht gering; aber wo es sich um so Wichtiges handelt, darf schon kein Opfer gescheut werden. Ferner merken wir hier Colberg, das erst im Jahre 1812 seine Thore den Juden öffnete, mit etwa 25 Familien; es hat ein sehr schönes, vor einigen Jahren erbautes Gotteshaus, einen geregelten Gottesdienst (wenn wir nicht irren, mit Predigt) und eine ziemlich gute Religionsschule. Belgard hat eine Religionsschule, an Herrn Jakobsohn einen recht guten Kontor und wird wahrscheinlich auch einen Lehrer und Prediger engagiren. (Cöslin brauchen wir hier nicht zu erwähnen. Wer kennt nicht die große Kehilla Cöslin mit ihrem modernen Resormgottesdienst). Auch Butow hat an Herrn L. Auerbach einen tüchtigen Kantor, nur mit dem Schulwesen will's da nicht sehr fort. Die Vutower haben Recht, sehr Recht, daß sie den Kantor von dem Lehrposten trennen; Beide lassen sich in einer solchen Gemeinde nicht gut vereinen, was die Erfahrung genugsam dargethan; aber für die Schule mußte mehr gethan, sie müßte Gemeindeinstitut werden. Dasselbe sollte auch in Polzin geschehen, das sonst eine ruhige Gemeinde, wo aber durch den leider so oft vorkommenden Lehrerwechsel nicht viel geleistet werden kann. Seit einem Jahre ungefähr haben die Polziner einen neuen Lehrer, dem wir Segen und Ausdauer wünschen. Doch genug für dieses Mal; mehr über diesen Gegenstand, sowie namentlich über die andern Regierungsbezirke Pommerns, ivill's Gott, späterhin. Heute nur noch den innigsten Wunsch, daß man an allen Orten zu der Einsicht gelangen möchte, daß von der Schule das Heil ausgehen muß, daß die Schule, das wichtigste Institut der Gemeinde, die ganze Aufmerksamkeit, die ganze Fürsorge der Gemeindevorsteher beansprucht, soll sie Etwas leisten, und daß der Lehrer, soll er sich ganz seinem Berufe, der Bildung der Jugend, weihen können, eine Verlag von C. L. Fritzsche. angemessene, sorgenfreie Stellung haben muß; nur dann werden die Schulen heilige Pflanzstätten sein, durchweht vom Geiste der Erkenntniß, vom Geiste der Weisheit, erfüllt vom Odem Gottes, und unsere Kinder werden heranblühen gleich Bäumchen, gepflanzt an Wasscrba'chen, die rechtzeitig herrliche Früchte bringen, und man wird mit dem Propheten sprechen können: Alle deine Söhne sind Jünger Gottes. Personalchronik und Miscellen. Aus Galizien. Briefen aus Brody zufolge soll die Cholera dort schrecklich gewüthet und zwar c. 2500 Seelen, worunter vier Fünftheile Juden weggerafft haben. Ministe- , rialrath Dr. Fischhof wurde ungeduldig von der dortigen Nationalgarde' erwartet, die ihm große Ehrenbezeugungen darbringen wollte; allein er reiste anstatt durch Brody perTarnopol nach Czernowitz, und hat auch so seine Rückreise angetreten. ■ V Aus Krakau. In Krakau soll der Rabb. M. in der Derascha am Sabbat Teschuba eifrig gegen die sich deutsch kleidenden Juden geeifert und im Verfolge seines Kauderwä'lsch sich auegedrückt haben, die Kinder solcher sich germanisirenden Juden werden sich gewiß schmaden! Schmach über solchen Obskurantismus und Fanatismus. Wien. Fischhof und Gold mark treten in der jetzigen kritischen Lage Wiens entschieden gegen die Reaktion auf, und letzterer wurde Mitglied des durch den Reichstag Eingesetzten permanenten Ausschusses der exekutiven Gewalt. 9 * * Wsi e n. Der bereits erschienene „Entwurf der Grundrechte" in Oesterreich übertrifft an Liberalität und Freimuth denjenigen, der in Frankfurt a» M» bereits durch die Versammlung angenommen ward, und in Beziehung auf das religiöse und politische Recht heißt es darin ausdrücklich, daß es keine Staatskirche und Staatsreligion in Oesterreich gibt, And daß das religiöse Bekenntniß keine Bedingung ist für Erlangung politischer Rechte. So das streng katholische Oesterreich! Posen. Hier ist bei den Juden fast jeder Aufschwung erlahmt, und die allgemeine Stimmung der Gemeinde ist für die Reaktion. Ein Zusammenstoß mit den Polen, der gewiß ru'cht ausbleiben wird, kann vielleicht zur Läuterung der poetischen Gesinnung dienen. Druck von I. H. Nagel.

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