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Der Orient · 1848-10-21 · Heft 43 (21.10.1848) · p. Seite 344

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 43 (21.10.1848)
Date
1848-10-21
Page
Seite 344 (sequence 15)
Language
German
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Didaktik weiß, ob er mit der heutzeitigen Methode vertraut ist, kommt-.gar nicht in Betracht. Was thut dies auch zur Sache? „Die Kinder werden die Thora noch l e rn e n," heißt es dann;17 jedenfalls spart doch die Gemeinde dabei, und dies ist in der Lhat sehr wichtig! Schon im Jahre 1843 hat Herr Dr.Klein in Stolp die Cösliner Negierung auf diesen Uebelstand aufmerksam gemacht. (Siehe Zeitung d. Judenth. 1844 Nr. 6). Er sagte unter Anderm: „Der jüdische Lehrer ist im hiesigen Regierungsbezirke zugleich Kantor und Schächter; wie verworren und verwirrend oft diese drei Fächer kollidiren, kann nur derjenige begreifen, der es mit anst'eht und nicht selten leidet die Schul-c dadurch..... Nirgends ist Stümperei gefährlicher als im Lehrfache, weil nicht nur der jetzige Schüler, sondern auch der 'ganze künftige Mensch darunter leidet; und gilt dies schon bei jedwedem Unterrichtsgegenstande, so noch weit starker im Religions-Unterrichte, weil das jugendliche Geinüth, einmal nach verkehrter Richtung geleitet, später fast immer in ein verderbliches Extrem einschlägt." Allein die Negierung ging auf die ihr gemachten Vorschläge nicht ein, well sie die Gesetzgebung darüber a b w a r t e n wollte, (!) und so blieb's nach ächt deutscher Art beim lieben Alten. Die Folgen dieser Misstände blieben nicht aus; denn wie Saat, so die Frucht. Allerdings haben die Gemeinden, der Nachfrage wegen!, Zimmer, worin die Kinder zu manchen Zeiten nicht unterrichtet, sondern ab gerichtet — worin ihnen ab- 17) Sie werden sie lernen, aber sie lernen sie mit Nichtenl Sie werden nicht geführt zum heiligen, ewig frisch sprudelnden Segensborn, um schöpfen zu lernen ans der lebendigen Quelle des Judenthumv; sie lernen n i ch t betrachten die Morgenröthe mit ihrem Perlenthau, die. Abendsonne mit ihren, Berg und Hain rothenden Strahlen, das Sternen-- geflimmer mit seinem sanften Gefunßel am nächtlichen Himmelsdome, um daraus die Allmacht und die Weisheit des Unsichtbaren zu erkennen; sie lernen Ihn nicht kennen., den Allliebenden, wie er liebet und wachet und waltet und Alles sieht und Alles weiß und dem Bösen seine Strafe, aber dem Frommen die nie verwelkende Krone des Lebens ertheilt; sie lernen sie nicht kennen, die Gottesmänner in Israel und wie sie gelebet und gewirket und gerungen nach Licht und Wahrheit und gleich blinkenden Sternen hervorleuchten aus erblichener Vorzeit; sie lernen sie nicht verstehen, die heiligen Toraworte und die begeisterten und begeisternden Andachtsklänge und Hymnen,, die den Lippen des frommen Sängers entflossen! Die Schule ist ihnen kein Tempel zur Veredlung und Erhebung der kindlichen Seele und zur Heiligung des beginnenden Lebens; und darum die große Unkenntniß in Religionssachen; d arlu m so wenig Ehrfurcht vor allem Heiligen und Göttlichen; darum so wenig Achtung vor Eltern und Lehrer; darum, sobald sie ins Leben treten, die große Gleichgültigkeit für Judenthum und jüdisches Interesse; d arum .... doch erlass' mir die Ausführung, lieber Leser! Aber das sei noch gesagt, daß die Er - oder besser die Verzkehung im elterlichen Hause sehr viel daran Schuld ist, wenn die Kinder auch in den bessern Schulen Nichts lernen! ~ Verlag von C. L. Fr i tz sch e. gerissene Stücke dieses oder jenes Gegenstandes e i NL e b l ä u e t18 werden; aber was läßt sich hiermit erstreben? — Nichts, gar Nichts, und daher ist es auch so weit gekommen, daß die Unwissenheit grenzenlos ist! — Jndeß bieten sich dem Wanderer auch dort neben vielen Steppen, deren Urbarmachung nach und nach noch viel zu thun gäbe, schon so manche Oasen dar; und ist's vor Allem die Gemeinde zu Stolp, die vielen, selbsi größern Gemeinden zum Vorbitde dienen könnte. Dort herrscht Frieden und.Eintracht, wie man sie in vielen andern Gemeinden vergebens sucht. Dort findet man einen sehr würdigen Gottesdienst, einige sehr wohlthätig wirkende Vereine und, was wir hier besonders hervorheben wollen, eine blühende Gemeindeschule. (Beschluß folgt.) 18) Und deshalb ist es bei vielen Kindern so weit gekommen, daß sie mahnende Worte gleichgiltig hinnehmen; denn sie sind gewöhnt an Scheltworte und an die Ruthe, die nach dem Uctheile einer erfahrnen Erzieherin (Tinette Homberg, Gedanken über Erziehung und Unterricht, Berl i n 1848) die Seele tiefer verwundet als den K ö r p e r, indem dadurch viel vom Heiligsten, Zartesten und Edelsten im Herzen der Kinder geknickt und getödtet werde! Personalchronik und Miscellen. Wien. In der letzten glorreichen Revolution sind drei Juden gefallen, die feierlich zu Grabe bestattet wurden. L. A. Frankel ist blos verwundet worden. Wien. Unter den wärmsten Fürsprechern für die Aufhebung der Judensteuer war auch der Abgeordnete B orro sch. Brauner, ein fanatischer Czeche, war dagegen! Pesth. Zwei' Tausend Juden bildeten ein eigenes Bataillon gegen die Kroaten. Hannover. Die Stände haben die Gleichstellung der Juden beschlossen. London. Dr. Benisch giebt eine englische Uebersetzung des Pentateuch heraus. Druck von I. H. Nagel.

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