Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 42 (14.10.1848)
- Date
- 1848-10-14
- Page
- Spalte 657-658 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8555529-9897534-9897579--5635-3534527- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
MeraLKrblaLt des Orients» Berichte, Studie« und Kri für Mische Geschichte und Literatur. 42» Leipzig, dm 14. Oktober 184A» Inhalt. Literatur-Berichte. Riga. Wunderbar über mosaische und talmudische Medicin. — Studien. Anhang zur Necensron des ^Amude Kesef von Josef Kaspi. Von Leopold Dukes. — Literarische Analekten. Ergänzung der Biographie Chiskija's de Silva. Von Nabb. Zipfer. — Literarische Miscellen. Der Name Kora. — Die Beschneiduug Gerschom's. Von Rabb. Schott. — Kritiken. Kurze Anzeigen. Fürstenthal. Schriften in Rußland. — Ankündigungen. Literatur - Berichte. Riga, 15. Aug. Nach ziemlich geraumer Zeit, während welcher hier die furchtbar milchende Cholera alle literarische Thätigkeit lahmte, gehe ich endlich nun wieder an mein gewohntes Lagewerk und übermache Ihnen hierbei einen Bericht über die neuesten, mir zu Gesicht gekommenen Literatur- Erscheinungen. Aber nicht bloß von dem, was ich gesehen, sondern auch was ich nach Kräften gearbeitet habe, erlaube ich mir diesmal den Lesern des geschätzten LV. des Orient in aller Bescheidenheit zu referiren, und würde es mich sehr freuen, wenn auch Letzteres nicht ganz unberücksichtigt bliebe und das Publikum mir zu demselben seine gütige Lheilnahme nicht versagen wollte. 1) Programm als Einladung zur Subskription auf riodn, Biblischtalmudische Medicin, oder Pragmatische Darstellung derArzneik unde der alren Israeliten, sowohl in theoretischer als praktischer Hinsicht. Von Abraham bis zum Abschlüsse des babylonischen Talmuds, d. i. von2000 v. Chr. bis 500 n. Ehr. Mit Einschluß derS taats-Arzneikunde und mit besonderer Berücksichtigung der Theologie, nach den Quellen bearbeitet, von R. J. Wunderbar 1848. — - Zur nähern^ Beleuchtung des vorstehenden Programms mögen hier über den Plan und die Tendenz der in Rede stehenden Monographie einige einleitende Worte folgen. Vorbezeichnetes, von mir in Bälde in Lieferungen herauszugebendes Werk, in welchem die Gesaimnt-Medicin der Israeliten, die biblische, sowie vorzüglich die talmudische, nach allen ihren Richtungen darzustellen versucht worden ist, hat weder die Tendenz irgend ein neues oder auch nur unbekanntes medicinischcs System aufzustellen, noch ein bereits bekanntes zu verfechten, noch weniger aber als praktisches Lehrbuch der Medicin vor das Publikum zu treten, sondern lediglich ein treues Bild von den medicinisch-m Grundsätzen eines Volkes zu geben, das sich vermöge seiner erlebten wunderbaren Schicksale eine so bedeutende Stellung in der Weltgeschichte erworben har, und das sich schon früh in der Kultur des Geistes vor allen andern damals lebenden Nationen auszeichnete, mithin auch auf dem Felde der Medicin nicht nur nicht zurückblieb, sondern schon den frühesten Keim derselben in seinem Schooße bergen konnte. Mit einem Worte, es sollen hier die Grunds züge von dem, was das israelitische Volk seit seiner frühesten Kindheit in der Medicin gedacht, wie es letztere im Laufe der Zeit fortgebildet und endlich spater dieselbe auch schon als Wissenschaft betrieben habe, so weit dieses mittelst verschiedener authentischer Quellen aus rins gekommen ist, klar und umfassend, in gedrängtester Kürze und doch möglichst vollständig vorgeführt werden. — Daß aber diese Darstellung nicht nur als Beitrag zur Kulturgeschichte der Israeliten im Allgemeinen, sondern vorzüglich auch zur Förderung der medicinischm Wissenschaft insbesondere von einigem Nutzen sein dürfte, ist einleuchtend, wenn wir erwägen , daß jede Wissenschaft in der Vergangenheit wurzelt und aus ihr ihre vorzüglichste Nahrung, die Erfahrung nämlich, durch welche dieselbe nach und nach sich zur eigentlichen Wissenschaft heranbildet, zieht. Ist dieses aber schon bei jeder andern Wissen- > schaft der Fall, um wie viel nuh-r noch bei der Medicin, die ihre Begründung größtcntheils der höhern Empirie zu verdanken hat, weil deren Prinzipien nothwendig auf verschiedene Physiologische und psychologische Beobachtungen basiren, bei denen schon ihrer Natur nach die Empirie vorherrschend ist. — Die Volks-Medicin ist und bleibt entschieden die Mutter der wissenschaftlichen Medicin; dieses hat nicht nur der würdige Hippokrat, jener Allvater der Medicin schon im 42