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Der Orient · 1848-10-14 · Heft 42 (14.10.1848) · p. Seite 336

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 42 (14.10.1848)
Date
1848-10-14
Page
Seite 336 (sequence 15)
Language
German
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- 336 - AerzLlich betrachtet find die starken Pflanzenstoffe, welche die Israeliten in Egypten aßen und aus Langer Gewohnheit, noch in der Wüste darnach Merten, ein sehr gutes Mittel gegen die egyptische Pest und andere dort herrschende Krankheiten. Haben ja die Aerzte zur Zeit als die Cholera in Rußland und Polen hauste, in öffentlichen Blättern bekannt: diese pestartige Krankheit haste'besonders an Nichtjuden, die Juden selbst aber blieben größtentheils davon verschont und läge die Ursache darin, weil sie häufig Zwiebeln, Knoblauch u. dergl. genössen. Soweit das Antiquarische. Wenn aber der stinkende Verfasser den Knoblauch vor 4000 Jahren auch auf die jetzigen Juden überträgt, so ist er zwar kein 4000jähriger aber doch ein neuer Esel. Fast möchten wir sagen, er und sein Buch stinken beide nach faulem Harzkäse — und mäg er mit seinen ekelhaften Skripturen, um sich von solchem famösen Gerüche zu befreien, durch fleißiges Waschen mit sogenanntem Osterwasser, das aber in.der Osternacht präcis 12 Uhr-stillschweigend geschöpft worden ist, reinigen. Uebrigens behaupten wir, wie jeder Unbefangene, daß er als Eisenmenger des Harzes*) keine Logik studirt, denn wenn wirklich die unwahr bezüchtigten drei Makel anwendbar wären, was könnten diese bei der Emancipation der Juden hindern? Hat doch der Kaiser Joseph 11. bie Zigeuner, und die Franzosen haben die Algierer in jeder Hinsicht mit den übrigen Landeseinwohnern gleichgestellt! (Beschluß folgt.) Oesterreichische Nebenländer. Pesth, 24. Sptbr. Die hiesigen orthodoxen Juden gaben uns dieser Tage ein schönes Beispiel ihrcc Vaterlandsliebe und bewiesen, daß man, wenn auch orthodox, bei Gefahr des Vaterlandes demselben mit der That wacker beistehm kann. Unsere Stadt, die auf einen Einfall Jelachichs gefaßt sein muß, wurde allenthalben' von Schanzen umgeben, an deren Errichtung Hunderte von Juden Theil nahmen, und selbst am Samstag ihre Arbeit nicht unterbrachen. — Es wäre hierdurch nur wieder ein neuer Beweis gegeben, wie ungegründet der oft aufgestellte Satz sei: ,,Der Jude hätte kein Vaterland." So oft sich Gelegenheit darbot hat der Jude die Anhänglichkeit an sein Vaterland genügend bewiesen, und hauptsächlich in Ungarn, wo Hunderte von Juden muthig inö Feld zogen, um den Feind des Vaterlandes zu bekämpfen. Und wofür thun sie *) Mit welcher Bosheit man alles öffentliche Unglück den Juden beimaß, kann folgende Beschuldigung, daß sie bei König Karl IV. von Frankreich, Wahnsinn bewirkt haben sollten, weshalb Alle, die nicht Christen werden das Land verlassen mußten, zur Seite gefetzt werden. S. Villaret u. Meuschel Gesch. v. Frankreich bei dem Jahre 1393. Vertag von C. L. Fr i tz s ch e. es? — Wofür verläßt der Sohn den Vater, der Mann fein Weib, ja selbst der Rabbiner seine Gemeinde, um freiwillig, dem Feind entgegen zu ziehen? etwa für die erlangte bürgerliche und politische Gleichstellung? oder für seine Zulassung zu Aemtern oder Ehrenstellen? Wahrlich die Juden beschämen die Ungarn, und wenn man sie Mt nicht für reif zur Emancipation findet, wenn die hochherzigen, großmüthigen Ungarn jetzt noch lange zögern und einer Nation eilt Recht vorenthalten werden, das diese Nation in den meisten Ländern schon erlangt hat, so bliebe Ungarn trotz seines Sieges, trotz des dort herrschenden Freihcitssinns noch weit zurück. -— Doch harren wir der Dinge , die da kommen werden und hoffen wir das Beste. — Vielleicht wird in der Finsterniß der neuen ungarischen Schöpsiing bald Licht; vielleicht wird Kossuth'ö Geist das Volk beseelen, sein Edelsinn dasselbe zu lenken wissen und vielleicht werden die Ungarn bei erlangter Freiheit den Juden zurufen: ,,Jhr, die ihr'uns im Kampfe tapfer beigestanden habt, empfanget auch euren Theil an unsrem Siege und seid von nun an gleich uns: frei." — — l. Polen und Rußland. Kremitschuk (bei Cherson amDnjepr), imAug. Leider Haber: wir von keiner guten Botschaft zu berichten. Kaum daß wir uns von der verheerenden Cholera, die in unserer Gegend furchtbar auftrat, erholen konnten, brach plötzlich Feuer in unserer Mitte ans und hat viele Familien zu Grunde gerichtet. Unsere Synagoge und mehre andere schöne Gebäude sind ein Raub der Flammen geworden. Doch vertrauen wir aus Gott und hoffen daß Er unser Schicksal durch Seine Gnade wieder bald bessern wird. — Petersburg, im Sptbr. Der Kaiser hat äuge ordnet: 1) Für alle, vom Ausland ins Reich eingeführte Bücher soll an den Zollämtern ein Zoll von 5 Kop. Silb. für jeden einzelnen Band erhoben werden; für rohe Drucksachen dagegen ist ein Zell von 5 Kop. S. per Pfd. zu erheben. Für Romane und Novellen wird überdies ein Zusatz von noch 5 Kop. S. gezahlt. 2) Vom Zolle sind befreit: a) Bücher, die den in Rußland befindlichen ausländischen diplomatischen Personen zugeschickt werden, ü) Bücher, welche die kaiserl» Akademien, Universitäten und aridere gelehrte und Unterrichtsanstaltcn verschreiben, die das Recht haben, ihre Bücher censurfrei zu erhalten, c) Bücher, Zeitungen und Journale, die mit der Post eingesandt werden; d) Bücher, welche Passagiere und Reisende mit sich bringen und die in Rußland herausgegebeuen, ins Ausland geführten und wieder zurückgcbrachten Bücher; e) die in russ. Polen gedruckten; f) die hebräischen Bücher, für welche es ein eigenes Reglement giebt. Für letztere wird nämlich erhoben: für die im Inlands gedruckten l-^ Kop. per Bogen und für die vom Auslände eingeführtcn Kop. per Bogen. — Druck von I. H. Nagel.

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