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Der Orient · 1848-10-14 · Heft 42 (14.10.1848) · p. Seite 330

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 42 (14.10.1848)
Date
1848-10-14
Page
Seite 330 (sequence 3)
Language
German
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- 330 - weckt, dieKenntniß desselben verbreitet werden soll, muß die Schönheit der Form der Wahrheit des Gedankens entsprechen, ohne daß jedoch die heilige Idee blos äußerlichem Prunke aufgeopfert würde. Die Verfassung der Gemeinde kann nur den Grundsätzen einer Vertretung ihr Dasein verdanken, die aus einer möglichst direkten Wahl hervorgegangen ist: alle (beitragende) Gemeinde-Mitglieder, sind wahlfähig und wählbar. Demzufolge dürften dann keine sogenannten' Vermögens- oder eingebildete Geburts-Unterschiede mehr berücksichtigt, sondern nur in der ehrenhaften Persönlichkeit, in der begeisterten Thcilnahme am Ganzen wie am Einzelnen und in wirklicher Fähigkeit die Maßstäbe für die Vertreter und die Verwalter der Gemeinde gefunden werden. Das Comite spricht dies au§, um jedem Zweifel über das, was es zum Heile der jüdischen Gemeinde ins Leben zu rufen gedenkt, zu begegnet!. Es baut auf das Interesse der jüdischen Genreinde an der Erhaltung heiliger und segensvoller Institute, der ehrwürdigen Erbstücke der Vorfahren, — auf die Begeisterung für den Gedanken des Judenthums, der seit Jahrtausenden so viele Unwälzungen erlebte; es baut auf die Anhänglichkeit an dem alten, durch Blut und Thränen geheiligten Glaubensgute. Es hat sich an die Spitze gestellt, mehr noch dem Rufe der Notwendigkeit als dem der Versammlung folgend und indem es danach strebt die Genreinde wiederherzustellen, einig in sich, kräftig in ihren Lcbensänßerungen, rechnet es auf die Unterstützung derer, welche mit dem Blick in die Zukunft ein Herz für die Vergangenheit bewahrt haben, erwartet es Vertrauen von Allen, für die schon längst der Anblick der trümmervotlen Gemeittdcstätte ein trüber und schmerzlicher gewesen. Diese Hoffnungen allein halten dasselbe aufrecht auf der schwierigen Bahn, zu deren Ziel nur gemeinsame Liebe sicher hinführen kann. Berlin, den 18. September 1846. Zunz, L. Mann, A. Asher, L. Steinthal- Selig C.a s se l, S a l o m o n M e y e r, B. Rathen au, H. Jacob, Dr. M. Sachs. * 4- * So richtig und wahr, eindringlich und pathetisch dieses Programm über die zukünftige Gestaltung der Gemeinde im Allgemeinen sich ausspricht, so ist es doch notwendig, den Hauptzweck, den man erreichen und die Hanptmittcl, die man anwenden will, näher zu beleuchten und ich thue es hier um so lieber, und zwar im Namen Vieler, als das Comite selbst es gewiß empfindet, daß die Zeit vorüber ist, wo man mit einigen vornehmen und hochstelzigen Phrasen eine Gemeinde leitet und regiert. Muß doch der Staat seine Negiernngsformen ins - Populäre übersetzen und muß er sich doch das Mitregic- TCit jedes Staatsgliedes gefallen lassen, muß . doch die Jurisprudenz ihre exklusiven Formeln aufgeben und zur Jury herabsteigen, um wie vielmehr ist dies bei einem Gemeinde-Regiment der Fall, das nur die freie Bestimmung der Glieder bestehen läßt oder gründet. Die erste Frage, welche das Konnte zu beantworten hat, ist: Was soll eine jüdische Gemeinde vertreten und welche Institute hat sie zu wahren? Die phantastisch-romantischen Ausdrücke von dem geschichtlichen Boden des Judenthnms, die Redensarten von heiligen und segensvollen Instituten, sind leere Worte, sobald sie nicht klar und verständlich in schlichte Ausdrücke gegossen werden. Was war in dem Gemeindewesen unser geschichtlicher Boden? Es war die Autonomie, es war der Staat im Staate. Da man uns ausgeschlossen, mußten wir uns auf eigene Faust einrichten; wir wurden gleichsam der Mikrokosmus des Staates. Da unsere Armen von der Kommune nichts bekamen, so mußten wir eigene Armenanstalten, da unsere Kranken in den staatlichen Heilanstalten nicht ausgenommen wurden, so mußten wir eigene Krankenhäuser anlegen. Unsere Waisen waren schutzlos, wir mußten für eigene Waisenhäuser sorgen, tmr mußten für unsere Greise sorgen, weil die allgeineine Liebe eine christliche war. Die Schulen standen unmittelbar unter dem christlichen Staat, und die christliche Religion wurde gelehrt und wir mußten natürlich eigene Schulen haben. Das war der vormärzliche Zustand, der uns isolirte; die Gemeinde war an sich ein Ghetto, wenn sie. auch gerade keine Jndengaffe hatte. Jetzt ist es anders. Wir sind Bürger, obgleich Juden; die Armenkasse hat sich auch für jüdische Armen zu öffnen, die Armenhäuser fragen nicht nach dem Glaubensbekenntnisse, unfern Kranken sind die Krankenhäuser offen, die Schulen sind vom christlichen Staate emancipirt, und wenn jetzt der Jude in allen diesen Dingen sich abzuschließen fortfährt, wenn er, der gebietenden Freiheit ins Gesicht schlagend, ein lebendes Ghetto, ein ewiger Jude umherwandelt, blos weil die Knechtschaft, die Jsolirung, das Ghetto sein bisheriger geschichtlicher Boden war, so ist er eine ewige Rückschritts-Kreatur und jeder Freiheit unwerth. Ein geborener Sklave hat in der Sklaverei seinen geschichtlichen Boden und er ist doch ein Elender, wenn er die dargebotene Freiheit aus purer Zärtlichkeit für die Geschichte verschmäht.- In der That hat der große Theil unserer intelligenten Gemeindeglieder es richtig ausgefaßt, und sie befähigt, in die bürgerliche Gesellschaft einzuziehen. Ein jüdisches Armenhaus, ein jüdisches Krankenhaus, ein jüdisches Waisenhaus, ein jüdischer Holzuuterstützungsverein, ein jüdischer Bekleidungsverein, eine jüdische Waschanstalt erscheinen ihnen ebenso lächerlich als eine jüdische Stadt- Vogtci, ein jüdisches Kriminalgericht, eine jüdische Garde, eine jüdische Naturgeschichte, ein jüdischer Kinderfreund. Resumirm wir aus dieser Betrachtung das Resultat, so

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