Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1848)
- Date
- 1848-09-23
- Page
- Seite 312 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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312 kehrt? Warum durfte nicht auch der Christ oder wenigstens der noch mit allen Fasern seines Geistes und Herzens dem angestammten Väterglaubell anhangenden Ue b ergetretene Jude werden? Oder gehörte diese Inkonsequenz zu dem von dem unsterblichen E ich h o r u s o m e i st e r h a f t v e r. t h e i d i g t e n ch r i stlichen Staate? — Komisch kommt es Einem vor, wenn man z. B. in einem Erlaß der Ministern als Neseript vom 28. Dezember 1833 ließt: Se. Maj. haben befohlen, daß die Judenschaften angewiesen werden sollen keinen Christen in ihre Religionsgesellschaften aufzunehmen, bevor er nicht von der Vorgesetzten christlichen Behörde aus der Gemeinschaft der Christen entlassen fei" uub in einem andern vom 28. Febr. 1835 : „Die geistlichen Behörden werden von dem Minister der geistlichen Angelegenheiten inmittelst angewiesen worderr sein, die Ent lassung ans christlichem Verbände niemals zu ertheilen!" Warum heißt es nicht einfach: Kein Christ darf Jude werden? .... Uebrigens war das Judenthum me von der Anzahl seiner Bekenner bedingt! Das Judenthum weiß nichts von Bekehrungsversuchen, von Missionären! Wenn .Jemand zum Judenthume übertreten will, dann heißt es . (Jore D ea Kap. 268, 52 ff.) stelle man ihm die hohen Verpflichtungen vor, die das Judenthum seinen Bekennern auserlegt und suche sich zu überzeugen, daß nicht etwa irdischer Vortheil oder unlautere Motive ihn dazu veranlassen, nur daun darf er in die jüdische Gemeinschaft ausgenommen werden l Das Judenthum weiß nichts von einer alleinseligmachenden Kirche! Das Judenthum lehrt: Die Frommen aller Nationen können selig werden I Das Judcnthnm will aber keine Gei st e s k n e ch t sch a ft, keine G ew i sse n s b e sch r ä nkung; es will Glaubensfreiheit, Gedankenfr e i h eit! Das Judenthum will, es soll ke in e durch besondere Privilegien begünstigte, aber auch keine durch Steuern belastete Religion geben! „Ein Gesetz und Ein Recht sei für Alle" steht mit goldenen Buchstaben auf dem Banner des Judenthums, das Judas Söhne so muthvoll durch all die finstern Jahrhunderte getragen und diese Inschrift wird nunmehr im strahlenden Glanze auch von .dem Banner herablcuchten, das die Söhne Germaniens und die Söhne Judas vereint durch Bruderliebe und Treue fortan umschaaren werden! — den Ausdruck „fix bleichen" wohl kennen." (S. Ueber Judenbckehrung rc. in dem letzten Hefte der kirchlichen Vierteljahrsschrift 1844; im Auszüge abgedruckt in der Z. d. Judenth. 1844, Nr. 47). Uebrigenserreichen die Missionäre dennoch Nichts und sind, was die desfallsigen Berichte Nachweisen, die Resultate ihrer Bestrebungen sehr gering, so daß so ein getaufter Jude oft eine enorme Summe kostet. W. Verlag von C. L. Fritzsche. .Wir werden das Weitere in der. qu. Angelegenheit veranlassen und daö-Endresultat, seiner Zeit veröffentlichen. W-ll. Aus Mahren, 6. Sptbr. Die religiösen Zustände unserer Provinz sind sehr traurig. Der Aberglaube wuchert ganz üppig, aber auch der/Unglaube keimt empor. Dadurch daß jede Reform zurückgewiesen wird, ist die jüngere Generation entweder indifferent oder geradezu atheistisch. Zwar spricht man von einer allgemeinen Nabbincrverfalumlnng; allein die Rabbiner sind, ohnmächtig, wenn ihnen nicht die Laieu zur Seite stehen. — Von Fasset ist ein Buch über die Tugeud- und Nechtslehre des Talmuds erschienen. ES ist der einzige mährische Rabbiner, der literarisch thätig ist. Die Uebrigen beschäftigen sich mit mikroskopischen Untersuchungen der Lunge und des Magens, d. h. der Thiere. — - Die Emancipation der mährischen Juden. 1. Ach! Wie traurig liegt im Schleier Der Hoffnung goldener Schimmer Ach! Wie traurig ist die Feier Auf Israels bemooste Trümmer. 2. Und Mähren will über Österreichs Gauen Einen milden Frühlingshimmel schauen? Wenn auch für „Wirken" ein Raum das Leben, Für Juden leider umsonst das Weben. 3. Selbst des rauhen Orkus schreckliche Dämonen Beweinen, beklagen Jehova's Kinder. Himmlischer die Hölle als mit Israel wohnen, Unkengesang ihrer Lerchenlieder. „ 4. , Denn für Israel soll ein Bürger ringen Pawlo und Janko die Freiheit bringen. Und gönnte auch Dieser der Freiheit Licht Spräche Jener: „für Juden nicht". 5. So kann dich Israel nur Hoffnung beleben, Für Israel ist nur „Hoffen" gegeben Und wenn alle Welten sich entzweien. Das ganze AU Republik schreien, Der alte Vater der Israel erkoren Hörte „ewige Treue" von Israel geschworen. ' 6. Duldend tragen Herzenswunden, Lächelnd ziehen in die Abschiedsstunden, Israel! Es ist keine Zauberei; Ketten tragen von dem großen Meister Sklave sein des Geistes aller Geister Israel! Es ist erhabene Sklaverei. Prerau. Salomon Wolf. Druck von I. H. Nagel.