Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1848)
- Date
- 1848-09-23
- Page
- Seite 305 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berichte, Studien und Kritiken Neunter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen aus ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. Heraußgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. ^39 1848, Leipzig, den 23. September Inhalt. Deutschland's vereinigte Staaten Frankfurt a. M.. Die Gleichstellung Kirche und Staat. Synode. Prag. Das Leben der Juden. Wien. Charakteristik Goldmarks. Frankfurt, a. M. Eine deutsche Nationalkirche. Reden von Auerbach und C r eie n a ch. A n k la m. Zwei Aktenstücke in Betreff der Taufe. Aus-Mahren. Religiöse Zustande. Fasse!. — Die Emancipatian der mährischen Juden. Gedicht von S. Wolf in Prerau. — LB. d. Or. Deutschland's vereinigte Staaten. tt. M., 26. Aug. Der heutige Tag muß in der Geschichte Israels als ein Freudentag cingeschriebell werden; denn heute ging endlich Die Sonne der Freiheit für uns auf und der §. 13 der Grundrechte des deutschen Volkes verschaffte uns das so lauge vorenthattene Recht. Noch einmal ließ sich, wie eine Stimme aus dein Grabe, aus dem Munde des Abgeordneten M or i tz M o hl, das letzte Stöhnen des Judenhasses vernehmen, aber das beredte Wort N i e ß e r s— der als erster und würdigster Kämpfer für unsere Emancipation den wohlverdienten Lohn erhielt, auch das letzte entscheidende Wort hier zu reden -— zerriß das trngtiche Gewebe des Vvrurtheils und der Lüge, und der Satz ,,D u r ch d a s r e l i g i ö s e B e k e n n t n i ß w i r d d < i Genuß d er b ü rg er t ich e u n n D staatsb ii rg c cl i ch e u Rechte weder bedingt noch beschränkt" wurde von der Mehrzahl angenommen. Aber auch das. innere konfessionelle Leben tritt wie das bürgerliche und politische durch den unter allgemeinem Jubel angenommenen §. 11 ,,Niemaud ist verp flicht et, seine religiöse U e b e r z e u g u n g zu offenbaren, od ci si ch irgend' ei u er r cligi ö sen Genossenschaft an zu sch ließen" irr ein neues Stadium. Eine Alle befriedigende Einigung wird dadurch erzielt, weil nunmehr jede Glaubeusausicht, jede individuelle Meinung sich geltend machen und mit Gleichgesinnten zu einer selbstständigen, unabhängigen Gemeinde konstitniren kann. Eine schömv Mannigfaltigkeit, wie in der Natur, wird nunmehr in KnltnS- und Glaubenssachen auf dem grünenden Boden der Freiheit erblühen, eine Mannigfaltigkeit , welche die Eintracht und Brnder'ichkeit nicht mehr stören wird. An die Stelle tyrannischer Bevormundung des Staates und zuweilen, auch der Gemeinde- Vorstände, die hier die Stabilen, dort die Reformer beherrschten und unterdrückten^ tritt der freie Wille des JndividuumS, diesem oder jenem oder auch gar keinem Kultus bcizutreten. Und fürwahr, die Zahl Derjenigen ist nicht klein, die eine höhere Gottesverehrnng erstrebt haben, als die, welche an Zeit und Ort gebunden ist; und auch die Wahrheit wird bald durchdringen, daß das Jndenthum nur Ingen Dle hrer, aber keine Geistlich c o d er R a b b i n e r, nicht einmal zu k i rch l i ch en Trauung,en bedarf. Wozu nun das Geld der Gemeinden und die Intelligenz einer Geistlichkeit zu einem unnützen Bau vergeuden? ,,Wer allgemeinen Glauben will ohne den Aberglauben, sagt ein Weiser, der verlangt kindisch ein Licht ohne Schatten"; wer aber einen reinen Glauben ohne Kultus will, der verlangt DaS Mögliche — ein Sonnenlicht ohne trübes Gewölk. Ein solches Licht wird aber uns aufgehen, wenn die Wellenschläge Der freien religiösen Entwickelung sich nicht zerschellen an den Quadersteinen der sogenannten Gotteshäuser, wenn -die Flammen fanatischer Glaubenskämpfe keine Nahrung mehr finden in dem Brennmaterial, da§ künstlich von 39