Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 38 (16.9.1848)
- Date
- 1848-09-16
- Page
- Spalte 605-606 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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605 Kritiken. Schriften über Mairnuni. Besprochen von Dukes. 608 Wir gehen jetzt zu Josef Casp:über, dem Verfasser des vorliegenden Buches. Josef Casp: ist auch unter dem Namen VDU2 '2OD von seinem Namensgenossen Na tan el. Caspi in seinem Kommentar zu Kusari' erwähnt; derselbe führt sein non iDD.tion ihm an. welches der Verfasser in seinem Maskiot Kesef (S. 113) selbst nennt und sich darauf beziehet.. Sein Geburtsort ist Argentier in der Provence (wie Hr. Carmoly irgendwo richtig bemerkt hat, und womit auch Munk vollkommen einverstanden ist und welches uns selbst als gewiß erscheint) ] das '»DDD ist also nur die hebräische Ucbersetznng -dieses französischen Wortes (Argent, Silber), es erinnert dieses an die Mode der deutschen Gelehrten des 15--16. Jahrhunderts, ihre Namen, zu gräeisiren und zu latinisiren. Sein proveucalisch-christlicher Name war Bon so s, eine Sitte, welche auch die maurisch-spanischen-Juden hatten, außer ihrem hebräischen Namen auch noch einen arabischen anzunehmen. Daß von uns angeführte darf wohl »TPBlJhfrn heißen, und entweder ein Schreibfehler des Kopisten sein, oder vielleicht, daß man diese Stadt in dem proveuoalischen Dialekt so nannte, da eine.Verwechselung des r Ln l, in vielen (auch deutschen) Dialekten vorkommt. Seine Werke sind zahlreich, er selbst hatte sie aufgezählt in seinem jüngst erschienenen Büchlein F)DI3 naop und Hr. K i r ch h e i m hat -sie ebenfalls mit einigen lehrreichen Notizen bereichert/ dem Leser dargeboten.. Sie umfassen das ganze Gebiet des damalige»: Wissens, besonders in Bezug auf Philosophie/Moral und Exegese. Derselbe hat in der Lexikographie bedeutendes geleistet, und tu der Exegese besonders in seinem Kommentar zu 'httt'ß, woraus der Herausgeber (S. VIII.) einige Proben mitgetheilt hat, wobei-zu bedauern ist, daß die hebr. Worte des Verfassers fehlen. Er war ein großer Verehrer, des Maimllni (und wir bemerken hier gelegentlich, daß die Worte nbyü wi rnn^n o nyDU (deutsche Einleitung S. III) selbst aus .Maimun i's Brief entnommen ist, die wir in unfern: M o s e s ben Esra (S.. 107 Nr. 5) bereits mitgetheilt haben). Eine vollständige Charakteristik der sämmtlichen Schriften dieses Gelehrten konnte nur dann gegeben werden, wenn man alle seine Werke dnrchgclesen hätte, und schon deshalb, müssen lvtt batauf i>erjid>tcn. Aber selbst, wenn wir dieselben alle gesehen hätten, wäre dies jetzt nicht am rechten Orte, da dieses die Grenze einer kurzen Anzeige überschreite!» würde. - . - Der Verfasser war ein eingefleischter Aristoteliker, der auf jedes Wort desselben geschworen hätte, und hierin theitte er seine Ansichtmit vielen seiner jüdischen und christlichen Zeitgenossen. Eine solche Einseitigkeit darf uns übrigens nicht befremden, da man zu jeder Zeit, und auch -in der neuern,Mese' -Anhänglichkeit an ein Schulsystem gesehen hat. Derselbe hat sich oft beklagt über seine talmudischen Zeitgenossen, welche die talmusche Dialektik gefangen hielt, und welche die Philosophie und alles andere Wissen theils verachteten theils -als gefährlich für den Glauben hielten. Solche Klagen kornmen oft vor, auch von andern Schriftstellern. Uebrigens stehet dies nicht vereinzelt bei den Rabbiner: dar, auch die Doktoren der Sorbonne, verachteten bei dem Wideraufleben der Wissenschaften ebenfalls jedes andere Wissen, welches nicht Dialektik zum Inhalte hat. In Heerens Geschichte der klassischen Studien seit dem Wideraufleben der Wissenschaften findet der Leser Beispiele dieser Art, sowie auch in verschiedenen andern Werken vor: Meiners. Der Verfasser liebte, wie viele seiner Zeitgenossen, eine gewisse Geheimnißkrämcrel, die uns jetzt nicht mehr mundet. Damals gab cs viele Geheimnisse, jetzt giebt es nur ein Geheimniß— die Erkenntnis des Wesens der Dinge. Physik und Chemie — die damals auf einer sehr niederu Stufe standen — sind setzt bemühet, die Geheimnisse der physischen Natur zu lüften und NVpV müssen w ir jetzt aus ihnen schöpfen. Für die moralischen Geheimnisse der menschlichen Natur, die in der Geschichte der Menschheit sich offenbaren, ist trotz Hegels Philosophie der Geschichte, der Schlüssel nicht gefunden., Was Hegel von der Geschichte sagt: alles was man daraus lernt, ist, daß mein nichts daraus lernt, kann man auf seine Philosophie der Geschichte selbst anwenden. Ca spi theilt mit vielen arabischen und jüdischen Gelehrten die Ansicht, daß die Griechen und Araber viele Wissenschaften von den Juden entnommen haben. Auch Schein Tob Palquera in seinem 1DD glaubt dieses. Selbst aber wenn diese Ansicht gegründetergewesen wäre, als sie es wirklich ist, so hätte man C a spi dennoch von Uebertreibungen nicht frei sprechen können. So z. B. wenn er bei Gelegenheit, wo AlbateLmiusL (vn^UZ)— vergl. das folgende— von HiDDnn nb)D (Leiter der Wissenschaften) spricht, dies ebenfalls vorbringt, dieses ist ja nur eine rhetorische Figur. Der Ausdruck wurde von jüdischen Gelehrten oft gebraucht. So von Abraham ben E sra „■'iriNn nftDD D^IDD" in religiösen Gedichten, welches wir aus einer algierischen Gebetsammlung im LB. des Orients (1848 S. 389) mitgetheilt haben. Viele lehrreiche Nachweisungen über diesen Ausdruck, findet der Leser in Steinschneiders Noten zum Wn des Maimmn S. 12 Note 12. (Beschluß folgt.)'