Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1848)
- Date
- 1848-09-02
- Page
- Seite 285 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 285 - am 9. Ab in der Synagoge zu erscheinen. Er nwb ein ,,Posche Jisrocl", ein ,,Mmnar lehachis" genannt, oder durch einen andern Ehrentitel ausgezeichnet. Natürlich könnten die Rabbiucn dieser widerlichen und schmutzigen Feier des 9. Ab Einhalt thun; sie könnten für Ordnung, Anstand und Sitte sorgen: allein diese Herren befinden sich so behaglich im alten Schlendrian, daß sie das ,,Zerreißet Eure . Herzen und nicht Eure Kleider" ganz vergessen und wie ihre Ahnen sich im Staube wälzen. Mögen sie immerhin mit Argusaugen darüber wachen, daß alle Kinnot, wenn sie auch den unbekanntesten und unbedeutendsten Chasan zum Verfasser haben, von den sonderbarsten Stimmen abgesimgen werden; wir gebenunsere Ohren Preis, nur das Auge möge verschont bleiben von jenen tragi-kemischen Kostümen, jener mittelalterlichen Unordnung, jener zionswächterlichen Zionstrauer. Wien, 19. Aug. Heute sind dem Reichstage mehre Petitionen für die Emaneipation der Juden .zugekommen. Man hofft, daß in allen gebildeten Stadien ähnliche Schritte geschehen werden. — Leopold Kompert, der verdienstvolle Verfasser des Buches: ,,AuS dem Ghetto", ist jetzt mit einer Fortsetzung seiner meisterhaften Schilderungen beschäftigt. Er wird die verschiedenen Nuancen des altjüdischen Lebens mit der ihm eigenen Virtuosität darstetten. Hr. Kompert ist übrigens, wie jeder gehaltvolle Originalschriftstcller, bescheiden und anspruchslos. — S. Deutsch, denLesern dieses Blattes hinlänglich bekannt, ist Präsident des demokratischen Vereines und einer der bekanntesten Bolksmänner in Wien. Wovlin, '22. Aug. Unsere Reformgemeinde ist in Auflösung begriffen; der politische Drang, der alle andere Interessen, verschlingt und der hier verwaltende anarchische Zustand scheinen so scher alle Kräfte zu absorbiren, daß für die Besonderheit einer jüdischen Reform kein Interesse mehr übrig bleibt. Das Vethems der Reformgcmeinde ist leer, H o 1 d h e i m hört seine Predigten säst ganz allein, R e b e n st e i n. trägt nur noch sür sich vor und das ganze Institut wäre vielleicht längst eiugegangtn, wenn nicht gewisse Geldbedingungen, die theils geleistet, theits noch zu leisten sind, die Figuren ein wenig zusammenhietten. Schon vor zwei Monaten hat diese Gemeinde ein Cirkular erlassen, worin sie ihre gänzliche LeSlösung von der alten Gemeinde 'und die Nichtbezahlung der Steuern und Beiträge dorthin cmSspricht; allein wenn si.e auch faktisch kein Hinderniß gefunden noch findet, was sie in dieser Loötrennung verhindert, wenn sie weder von Seiten der alten Gernemde noch von Seiten des Staats irgend wie in ihrem Unternehmen ein Hemmniß findet, so kommt doch diese Trennung ihr nicht zu Gute. Die Beiträge,, welche man der alten Gemeinde entzieht, giebt man noch nicht der Genossenschaft, der uralte Verband, den man zerreißt, wird nicht in einen reformgcuossischen Verband umgcwechselt und das Einzige was nicm erreicht, aber -keineswegs erreichen wollte, ist die Sprengung einer religiösen Gemeinschaft, die in vielen schweren Zeiten sehr heilsam gewirkt. — Ist aber der Zustand unserer Reformgemcinde trostlos, so ist es nicht minder der unserer großen alten orthodoxen Gemeinde? DieUcbcrtassung des Entrichtens von Beiträgen dem freien Willen, der Willkür, der Umstand, daß die Rescrmgenossen ihre Beiträge entschieden nicht mehr einzahlen, daß .durch die neuen Ereignisse viele reiche Familien die Hauptstadt der Anarchie wegen verlassen, daß Viele durch die Handelsstockung ganz verarmt, hat eine Zerrüttung der Finanzverhältnisse der Gemeinde amt eine gewisse Rathtosigkeit in der Wiederherstellung derselben herbeigeführt. Die Folge ist, daß das Bestehen vieler Institute dadurch fraglich geworden. Oesterreichische Nebenländer. Terrnopol, Aug. Die Cholera hat sich auch leider bei uns eingefunden und es zeigt sich bereits ihre verheerende Gewalt. In dieser Tragik der Vorsehung zeigt sich aber der Edelmuth unserer hiesigen Juden. Sechzig rüstige Juden unserer Stadt bilden eine Art Hilföausschuß, der Allen ohne Unterschied des Standes und der Religion seine thatsachliche Hilfe zukommen läßt. Man wirst den Juden ihren Partikularismus vor; allein dieser Vorwurf spukt blos in dem Hirn der Judenfeinde, die selbst das Absperrungssystem lieben. Der Jude räth, Hilst, steht bei, wo Gefahr und Noth ist, und fragt nicht erst: was glaubst du und wer bist du, wie es bis jetzt das Prinzip des christlichen Staates gewesen. Ueberhaupt sind unsere Galizier den Juden sehr geneigt, und die galizischen Dcputirten in Wien werden alle für die Emancipation der Juden stimmen, trotz der Machinationen der konservativen Partei. Pesth, 10. Aug. Ich erlaube nur, Ihnen das Protokoll einer gerade vor vier'Wochen abgehaltenen General-Versammlung mitzutheilen, weil ich die Ueberzeugung hege, daß dergleichen Aktenstücke mehr als gewöhnliche Mittheilungen ein treues Bild der jüdischen Zustände abgeben. Hier folgt es: „Protokoll der Generalversammlung der Repräsentanten sä m m t l i ch e r Israeliten Ungarns und N e b e n l ä n d e r a m 5.6. 7.9. und 10. 2 u t i 1848. Auf Einladung des unterm 4. Juni erwählten provisorischen Komitees sind erschienen: Vom Komi täte Abanj Herr Selig Glück. - Arad - Jacob Steinitz, Jg. Deutsch. - BL cs 's Dan. Popper, Beruh. Basch. - Baranya- Mor. Steiner, Laz. Borovitz. - BLkes - Simon Basch. - Bereg - Phil. Fried, Jos. Kroo. - Bi har - Dr. Fried. Groß, Wolf Weiß. - Borsod - Leopold Rosen selb.