Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1848-08-20 · 34 (20.8.1848) · p. Spalte 541-542

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
34 (20.8.1848)
Date
1848-08-20
Page
Spalte 541-542 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/8555529-9897534-9897571--5569-3534389
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

541 Kritiken. Schriften von Holdheim. 542 für Religion, sondern das Gebet, die Andacht, die Erfüllung Nr Gesetze für die Hauptsache? Nun die Geschichte lehrt, Daß auch uns das Gebet, die Andacht nicht fremd geblieben, Die zahlreichen jüdisch - deutschen Schriften der vorigen Jahrhunderte beweisen, wie mannigfaltig und wie eindringlich wir Ln der Religion bclehet wurden; auch wir haben kein rpETift gegessen und gekocht, auch wir haben Sabbate und Feste gehalten und gefeiert, Fasttage streng beobachtet, die religiösen Observanzen bei Freud und Leid gewahrt, und wahrlich wir wissen nichts, was in religiöser Beziehung wir entbehrter,. Daß wir von manchen Satzungen befreit waren, liegt'natürlich in der Natur unserer gesellschaftlichen und häuslichen Stellung, was wahrscheilich auch Hr. Adler und Holdheim nicht ändern werden. Daß wir unseren eigenthümlichen Pflichten wegen von dem Studium der Theologie (“pobn iT^n), das den Männern über alles ging (Eft? ft) n\)rn Dto "WD mm “ilft^m , nWn) fern blieben, was beiläufig gesagt, die Rabbiner jetzt selbst thun, daß wir nicht Rabbiner, Ehasanim und Schochetim wurden, und überhaupt alles das unterließen, was unfern häuslichen Beruf stören köimte, wer würde, wer könnte das unnatürlich finden? Wir sollten meinen , daß selbst moderne, den natürlichen Verstand wenig nutzende Rabbiner und Prediger dies, zugeben müssen. — Doch Hr. Holdheim und Adler sind nun einmal der Meinung, daß die religiöse Stellung des israel. Weibes emancipirt werden solle, wir wollen ihnen diese Absonderlichkeit lassen; aber von dem ergötzlichen Kampfe zwischen diesen beiden sonst so brüderlichen Herren muß ich dem Leser hier doch berichten. Der Adler meint,, man könne das israel. Weib nach Bibel und Talmud emancipiren und mit diesen Alles leichter erreichen; denn wenn es auch gerade nicht ausdrücklich in diesen steht, so laßt es sich doch rabbinifch hineinlegen, und bei diesem Verfahren kann man das Volk leichter zur neuen Ansicht bringen. Darüber wird nun Holdheim wüthend, sprühtFcuer und Flamme und versucht einen p^n, worin er über Tausend herbe Rambam's beantwortet. Er meint, daß schon der Gedanke, daß unsere Bestrebungen mit Bibel und Talmud übereinstimme, ein Hochverrath sei; denn stünde es im Talmud, so dürfen wir es gerade nicht thun, denn mit diesem sei ewiger Krieg proklamirt, und nur weil es nicht im Talmud steht, oder weil es dort nicht stehen darf, schlagen wir es vor. Das ist konsequent! Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden Anzeigen aller Art, besonders in so weit sie jüdische und orientalische Geschichte md Literatur betreffen, gegen Sgr. für die gespaltene Petit- Zeile oder deren Raum ausgenommen. Bekanntmachung. Lehr- und Pkensions-Anstnlt für israelitische Knaben in Hamburg non Houis Simon. (Böhm kenstraße Nr. 9.) Die rege Theitnahme, der sich mein Institut hier erfreuet, verantaßte mich, die Pensions-Anstalt schon jetzt vollständig einzurichten, so daß zu jeder Zeit Pensionäre eintreten können. Den resp. Eltern, welche nur ihre Kinder anvertrauen, kann ich die Versicherung geben, daß dieselben bei mir, was liebevolle Pflege und sorgfältige Erziehung betrifft, das elterliche Haus nicht vermissen werden; für Altes, was den Zöglingen von Nutzen sein kann (gute Lehrer, geräumige Lokalitäten mit Garten n. s. w.) ist gehörig Sorge getragen, und Unterricht und Erziehunggehen- Hand in Hand. " Die ans 4 Klaffen bestehende Lehranstalt hat dm Zweck, die Schüler für das praktische Leben, namentlich für den Kanfmannsstand und die höheren Klassen des Gymnasiums vollständig vorzubereiten; Ausführliches darüber enthält der Prospektns, der auf Verlangen zngesandt wird. Neuere Sprachen werden auch außer den Schulstunden geübt und überhaupt Nichts vernachlässiget, was zu einer guten Erziehung erforderlich ist. Auch werden solche Zöglinge ausgenommen, die hier die .Handlung erlernen sollen und für deren Unterbringung und fernere Ausbildung Sorge getragen. Das jährliche Honorar beträgt 500 Mk. Cour. Wegen ausführlicher Mitteilungen wolle man sich schriftlich an mich wenden. Ankündigung einer neuen Auflage MACffl§OR’§ in neun Theilen mit deutscher Uebersetzung und mit erklärenden deutschen Anmerkungen, beide mit deutschen Lettern - übersetzt, erklärt und hcrauSgegeben von M. I. Lauda«. Innerhalb eines Zeitraumes von fünfzehn Jahren hat das in meinem Verlage mit meiner deutschen Uebersetzung- und meinem hebräischen Kommentare erschienene Machsor in 9 Theilen, durch die gewonnene beifällige Aufnahme drei starke Auflagen erlebt. Als ich, der unmittelbare Nachfolger des verewigten Wolf H e i d e n h e i m, des ersten Uebersetzers und Kommentators in geregelter Form, die erste Ausgabe vorbereitete, war Fleiß und Aufmerksamkeit in sprachlicher Beziehung, dem hebräischen Kommentare mehr, als der mit jüdischen (den' sogenannten weiberdeutschen) Lettern' g'edvuckken deutschen Uebersetzung zugewendet. Gegenwärtig, wo eine vierte Ausgabein-9 Theilen in die Oeffentlichkeit treten sollte, war ich es dem Fortschritte schuldig, die höhere Bildungsstufe meiner Glaubensgenossen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.