Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 34 (20.8.1848)
- Date
- 1848-08-20
- Page
- Spalte 539-540 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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539 540 Kritiken. Schriften vyn Holdheim. in hen Protokollen der 2. R.-B. Von Pp.' S. Holdf heim. Schwerin, 1846, 8. Was Nr. 38, die Predigt anlangt, so hat sie das polemische Gepräge, wie alle Schriften Holdheim's, und darin Mag auch wohl der Grund der Veröffentlichung liegen. Der glühendste Haß gegen das gläubige Judenthum, der brennendste Fanatismus und die Intoleranz gegen die calmudischen Institutionen Israels und gegen die Festhalter derselben, ist der GrundZug, der sich durch diese Rede zieht. Der Grundgedanke dieser Predigt ist,, daß eine politische Gleichstellung, eine wirkliche EiMncipation der gläubigen Juden nicht möglich,, nicht rathsani, ja sogar ein Fluch für den Staat selbst sei, und daß nur das Aufgeben der gesetzlichen Gebundenheit des Mosaismuö, d. h. des Iudenthums, zur äußern Freiheit berechtige, und zu diesem Aufgeben räth sie die Gemeinde, ganz Israel in begeisterten Worten, wie sie die Aeberzeugung, daß das mosaische Gesetz ein Grundübel sei, nur eingeben kann. Holdheim ist der Einzige', unter den jetzigen Rabdinen, der aufrichtig den starren Nabbinismus haßt, der ausHerzensgrund die jüd.rabv. Institutionen auf den Scheiterhaufen bringen möchte; er ist durchdrungen von der Schädlichkeit des Talmudismus, von der lebensvergiftenden Eigenschaft mancher Satzungen, und in dieser glühenden Ueberzeugung könnte er, ein zweiter Lorquemada, für Verbrennung der Orthodoxen, für Sendung des Talmuds auf den Scheiterhaufen stimmen. Dieses innere Durchdrungensein prägt sich auch in seinem Style aus. Dir Sprache ist hinreißend, in die Falten, des Herzens einschlcichend.; wie ein Wehschrei des Herzens dringt sein Wort in das innerste Mark und nur der Starkgerüstete oder Indifferente mag dafür, taub sein. Es ist grauenhaft, und schmerzlich, einen Rasenden gegen sein eigen Fleisch wüthen zu sehen! 'Ein andir' Bild! In Nr. 39 führt uns derselbe Fanatismus in eine und sagt uns da einen halsbrecherischen pi'pn j ber Haß ist ebenso mannigfaltig, wie die Liehe, er kann in hinreißenden Dythira.mben sich einherwälzsn, wie in tändelnden, spitzigen Sophismen, in beiden Fällen ist er entfernt von der geraden Wahrheitslinie, in beiden ist er Extrem, in beiden waltet der Geist der Lüge, der das Herz des Sprechenden gefangen genommen. Der Gegenstand ist: „die religiöse Stellung des Weibes nach dem talmudischen Judenthume", vorzüglich gerichtet gegen eine Abhandlung von S. Adler in den Protokollen der 2. R.-V. S. 334—347, und über diesen Gegenstand wird nun das Netz der Sophistik ausgebreitet. Was der große Adler ausgeboren und in den Protokollen niedergelegt, weiß ich nicht,, dg ich die Protokolle — welche die R.-V. aus eigene Kosten gedruckt und daher nur den Vergünstigten zugesandt, zu welchen „der Orient" natürlich nicht gehöre, — nicht Habe; indeß .sehr groß wird die .Weisheit nicht gewesen sein, und nach den Eitaten bei Holdheim zu schließen, muß jene Abhandlung sogar eine überreiche Quantität von Albernheit besitzen. Doch dem sei wie ihm wolle, wir hleiben bei Holdheim, dem großen Ritter für das zarte Geschlecht gegen die morgenländische Barbarei des Talmuds, wir wollen das große Turnier anschauen, wo der 'große talmudische Bachur, um mit dem Goi des 19. Jahrhunderts zu reden,, zu Ehren des Iudenweibes talmudisch eine Lanze bricht. — „Die Stellung des weiblichen Geschlechts", welche eine ritterliche, schimmernde, das weibliche Geschlecht auf die Gallecien der R.-V. lockende Phraft! Fast möchte man einen verlornen, nachzüglerischen Ton des jungen Deutschland, zu l hören vermeinen, oder das Stichwort einer neuromantischen Streifschaar, welche die Emancipation des Weibes zu prokla- J miren im Begriffe, steht; aber nicht einmal dies ist wahr J darin, sondern - das Ganze ist nichts weiter als sophistische;; Schwätzerci. Die christlichen Rationalisten der vorigen Jahrzehnte haben, irregeleitet von der Stellung der Weiber im j; heutigen Morgenland, Die falsche Ansicht ausgebrütet, daß; bei den Hebräern, die doch ebenfalls aus dem Morgenlande,; die Stellung des Weibes eben so sei, und diese Lüge wurde in ihren Lehrbüchern so oft und so kühn verbreitet, daß er stc-;; reotyp geworden. Unsere Neu-Rabbiner und Links-Prediger,; die in Bezug auf wissenschaftliche Studien immer einige Jahrzehnte zurück sind, glauben in ihrer Einfalt dieses Mähr-; chen, das die jetzigen Rationalisten schon selbst nicht glauben, und in diesem Irrglauben griffen sie diese Dummheitauf, um zu reformiren, siiv das praktische Leben zu wirken, für die Stellung des Weibes neue Reformatoren zu werden.- Als man zur Sache kam, da stellte es sich heraus, daß die sociale i Stellung des jüdischen Weibes nicht anders als des christlichen sei, nämlich naturgemäß und wahr, und um die Reformatorenkrone nicht ganz zu verlieren erfand man das lügneri- > sche Stichwort „die religiöse Stellung". Unsere Weiber, so; sing man an zu argumentiren, leben bereits seit zwei Tausen d Jahren ohne Religion, wie die wahren Heidinnen, der Talmud und seine Bannerträger, die Rabbiner, haben es ausdrücklich verboten., den Weibern die Religion zu lehren, und für sie gab es und giebt es noch jetzt kerne religiöse Vorschriften, der ganze Pentateuch, womit die Männer sich schon J Jahrtausende plagen, ist für sie gar nicht da, ergo muß ihre; religiöse Stellung reftrmirt werden. Wie, fragt hier Esther und dort Rachel, wir hätten keine Religion? Unsere religiöse Stellung wäre so tief, daß Ihr erst reformiren müsset? Haben wir^ nicht seit Jahrtausenden, das sittliche Leben in der; Familie geschirmt, haben wir nicht mit Zucht und Sitte unser . Familienglück so geziert, daß sogar euere und unsere Feinde uns darum beneiden, und das alles sollte ohne Religion möglich sein? Zählt die Leidensgeschichte Israels nicht auch unsere Thronen, erzählen die'Zeitbücher des Mittelalters von keiner Heldin des Glaubens und die Flammen der Scheiterhaufen hätten wirklich nie eia glaubensmuthiges Judenweib verzehrt? Wann war, es Brauch und Sitte unter Israels Frauen, nicht - an einen einig - einzigen Gott zu glauben, nicht auf die ver- ■ heißene Erlösung zu harren, die Auferstehung, die Unsterblich-; keit, die Offenbarung, die Göttlichkeit des Gesetzes u. s. w. I zu bezweifeln? Oder haltet ihr als Rabbiner dies alles nicht \