Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1848)
- Date
- 1848-07-15
- Page
- Seite 232 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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232 an der Seite stehen. Namentlich halte sein Mitkandidat. Hr. Negierung srath Prof. Dt. Kudler, welcher sich für zwei Kammern, Revidirung aber doch Belassung der Grundlasien und dergleichen zu Grabe Getragenes aussprach, eine scharfe Kritik auszuhalten, eine Kritik, die ihm das Durchfallen bei der Wahl garantirt. — Nach Iellinek trat ein Dr. Feigel auf, der halb mit dem Volke, halb mit der Regierung liebäugelte und sehr stark in den'alten Staats-Rechten drin zu stecken schien. Kein Beifall zum Schlüsse. — Hierauf meldete sich Ludwig Eckardt. Bevor er die Tribüne bestieg, sagte der Vorsitzer, er glaube ihn ob seines Alters befragen zu müssen. Eckardt erwiederte, daß er allerdings nicht volljährig sei, jedoch vom Minister die Erlaubniß erhalten habe zu kandidiren. Hierauf erhob sich ein Wablmaun und druckte auS: diese Erlaubniß sei ein Privilegium, Privilegien für den Reichstag dürsten aber nicht ertheilt werden, und habe der Minister auch das Recht nicht zu crtheilen. Die Wahlmänner waren einverstanden, und die Sache mußte-zur nähern Erörterung vertagt werden. Run fanden sich Befrager und Gegner I ellin ek's, worunter namentlich der erwähnte Dr. Feigel. Hat Jellinek früher bei Einigen nicht ganz gesiegt, so war feilt jetziger Erfolg bei ihnen gewiß ein eklatanter! Mit einer'dialektischen Schärfe, stets von unserer siegreichen Revolution ausgehend, that er das Heuchlerische des früheren Liberalismus, das jederzeit zu neuen Revolutionen Führende mancher konstitutionellen Regierungen dar, und entwickelte den gewiß vielen, und darunter auch-, wie es sich zeigte, dem Dr. Feigel bisher unbekannten Unterschied zwischen konstitutioneller un^ demokratischer Monarchie, aber so scharfgcistig, so'logisch richtig und hinreißend, daß nach seinem Beendigen ihm Älles warm die Hand schüttelte. Nur Dr. Feigel schien sehr erbost über ihn zu sein, da er mit seinem alten Staatsrechte nicht durchdrang, und trotz feiner konfusen Ein würfe den Siegenden nicht ein Haarbreit von dessen gefaßter Konsequenz bringen konnte. — Unter Anderem wollte er auch, daß für die, nächste Zusammenkunft nicht mehr Wahlmänuer eingeladen würden, als heute hier waren, damit die nächsten Kandidaten nicht von mehren gehört werden, als erl l! — O Kandidat! — Icll in ck ist höchst wahrscheinlich Dcputlrter des Alserbczirkes, und ein so umfassend gebildeter Manu ist unserem mit-so vielen b äu e rl i ch e n Elementen begabten Reichstag h ö ch st vonnöthen, derart, daß wir nachdem, waö wir von Jellinek' vernommen, Deneri die ihn sendeten, im Namen des ganzen Volkes nur zum Danke verpflichtet sein un'lß- ■ tcu. Der Redakteur der ,,Allg. Oest/" Schwarzer, war auch angcmeldet, entschuldigte sich aber, da er bereits irr einem andern Bezirke die größte Majorität für Verlag von C. 8, Fr i tz sch e. sich habe und mithin nicht zu gleicher Zeit hier kandidiren könne. Unter den nächstfolgenden Kandidaten ist auch Dr. Fischhof, unter den früheren soll Hr. Pu rischer auch so ziemlich reussirt haben. (Demokrat.) Berichtigung. In dem Gedicht „Der Abschied" in Nr. 26 d. Bl^ ist zwischen der achten und neunten Strophe folgende einzuschalten: Würd' ich dann nicht ängstlich sein Wenn's geht hin zum Ort? ' ' Wird mir dann nicht bange sein Vor des Fürsten Wort? und die zehnte Strophe ist ganz zu streichen. Anklam. Wedelt. Personalchronik und Miscellen. Wien« Minister Pittersdorf Ufr als Kandidat für die konstituirende Reichsvcrsammlung ausgetreten. In dem Glaubensbekennciriß, daß er vor seinen Wächtern abgelegt, hat. er sich für vollständige Gleichstellung aller Konfessionen ausgesprochen. * * * Frankfurt a. M. Der Senat'behält seinen Zopf. An der Bcrathung einer neuen Versagung dürfen die Juden nicht theil nehmen. Die Republik Frankfurt ist sehr groß. In der Paul skirche berathen Juden die Verfassung - Deutschlands, und der Frankfurter Senat will die Juden nicht anerkennen. Wenn Börne das wüßte! * . * ■ ■ ' ’• Berlin. Hr. Lebrecht schreibt jetzt treffliche politische Artikel im „Magazin für die Literatur des Ausland." Leipzig. Fragen: Wird dieses Jahr eine Rabbiner- Versammlung stattsindcn? Werden die emancipirten Juden eine Fakuliät für jüd. Theologie errichten? Sitzen die jüd. Deputirten nicht auch Sonnabend in der Paulskirche? Eduard Marie Oettin ger, der geistreiche Redakteur des Charivari, beantragt, daß Deutschland jetzt die Gebeine Börnes von Paris zurück nach Frankfurt bringe, nach jener Stadt, die den Edlen geboren werden sah. Gewiß hat Deutschland ein heiliges Recht auf die Asche eines Mannes, der zuerst der Freiheit die Bahn gebrochen, der zuerst mit der Fackel der Vernunft und mit dem Lichte der Wahrheit die Rächt des Wahns zerstreuete, der sein ganzes Leben dem Dienste der Menschheit gewidmet und für Freiheit und Recht gekämpft bis der letzte Hauch seines thatenreichen Lebchs entfloh. Ehre fei Börne immerdar! Druck von I. H, Nagel.