Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1848)
- Date
- 1848-07-01
- Page
- Seite 209 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berichte, Studien und Neuvier Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 LHLr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für ' jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Leipzig, den 1. Juli Inhalt. Die Juden in Oefterrreich. XL und XIL — Deutschland. He i selber a.. Ueber Erziehung. Aus dem Großherzogthum Posen. -Ueker Reform. Leipzig. Ueber die Emancipatjon der sächsischen Juden. Darmstadt. Ein kirchlicher Verein. Leipzig. Vermischtes. — Oesterreich. Brody. Wahlen. Krakau. Wahlen. Juden und Polen. Brody. Krawall. <— Des Juden Vaterland. Gedicht. — Personal chron ik u. Miscelken. Franks, a. M. LB. d. Or. Die Juden in Oesterreich. XI. So haben, denn die Czechomanen die Maske gelüftet, unter welcher die btntdürstenden Zuge, die rottenden Augen, der fluchende Mund, die fletschenden Zähne i sich perborgen hielten. Die weiß-rothe Fahne hat der I blutigrothen Platz gemacht. Ans dem Versteck der Na- ’ tionalität sind sie hinausgetrcten, begleitet von Haß, Rohheit und Barbarei/ Als man den Deutschen und den Juden zurief: Hütet euch vor den glatten Worten .der Czechomanei?, vor den Mordwaffen der Swornost, deren Name eine Satyre ans die Eintracht, seid deutsch, offen und muthig — da lächelten sie, Menschen ohne Kenntnis? der Geschichte und ohne tiefes Vcrständniß der Zeit gingen gar so weit, den Inden das Czc- - chcnthum ä Icut prix. zu predigen. ,,Laßt eure Kin-! der nur ezechisch lernen ruld sprechen" riefen sie in ihrer Verblendung den Inden zu. Die blutige Swornost mit ihrem Apostel Fastcr in Prag haben uns gezeigt, was wir von der Rohheit der Ezechomaneu zu erwarten haben. Die Juden sind in Sitte, Bildung und Anschauung deutsch, und hätten auch ohne die Prager Blutseeneu dem Deutschthnm sich ganz hingebeu müssen. Die Geschichte unserer Tage wird sie aber vetterlds überzeugt haben, daß mau mit der Barbarei und dem Fanatismus keiil Bündnis? schließen dürfe. Ueberhaupt treiben manche Mische Schriststetler in Oesterreich ein sonderbares Spiel Nlit der Nationalität. Sprache, Anschauung und Bildungselemente sind die Faktoren einer Nationalität, und daher sind die Juden in Böhmen, Mähren und Ungarn Deutsche. Nicht die Abstammung und nicht die Sprache allein bedingt das Wesen einer Nationalität, sondern die Gesinnung, die eigenthümliche Kultur, die bestimmt ausgeprägte Individualität, welche durch einen Zusammenstoß von historischen und lokalen Verhältnissen sich herausbildet. Was soll mm die Juden in Böhmen zu Czechen machen? Die Czechcn haben blos eine Sprache als Aushängeschild ihrer nationalen Gelüste; ihre Bildung ist deutsch; ihre Kultur ist deutsch; ihre Ansprüche, in die Reihe der Nationalitäten cintreten zu können, sind durch das Deutschthum vermittelt. Die Sprache allein ist aber eine bloße Form, wenn das Hauptorgan des Volksthums, die Kultur, sich nicht von Innen heraus entfaltet, hat. Vielleicht wird es setzt den Juden in Böhmen klar werden, ob sie Czechen oder Deutsche sind. Die deutschen Christen in Böhmen müssen steh aber den jüdischen Deutschen eng anschließen, um vereint das Deutschthmn zu kräftigen. Cüiicordki res parxae creseunl. Leider ist dies aber nicht der Fall überall m Böhmen. Von den Czechomaucn wollen sich die deutschen Christen nicht te/rorisireu lassen ■; die Juden wollen sie selbst aber tvrannisiren. Wer frei sein will, m ache auch frei. Nur wenn Inden und Deutsche vereint handeln, wird das deutsche Clement in Böhrnen wachsen, wir wir doch in Posen ein Meiches gesehen haben.-