Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1848)
- Date
- 1848-06-24
- Page
- Seite 208 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Würd ich jetzt zum Fürst gebracht, Wenn'sgeht hin zum Ort'? Würd mir dann nicht bange sein Vor des Fürsten Wort? — Jetzt nun werd' ich Hingebracht, Hin zum Herrn der Welt Vor den König groß an Macht, Zum Gericht gestellt. Giebt es ja zwei Wege nur, Die man findet dort, Einer führt in's Höllenthor Einer hin zu Gott! Sollt ich nun nicht traurig sein? -- Weiß ich ja doch nicht, Wartet meiner Höllenpein Oder Edens Licht. — Spricht nun jedes Schülers Mund: „Rabbi, frömmster du, Wenn du zag'st in dieser Stund', Hin ist unsre Ruh'. Wenn man einst am Lebensend', Wann wir gehn von hier, Uns so rein wie dich nur fand', Glücklich wären wir. Doch nun eh' du geh'st zur Ruh', Hin zum lieben Gott, Segne noch einmal uns du Lehr' uns noch ein Wort!" Und der Rabbi hebt sogleich Segnend seine Hand': „Er da droben schütze euch Bis an's Lebensend'! Einem ird'schen Kön'ge gleich Fürchtet nur stets Gott, Dann wird euch das Himmelreich Glaubet, meinem Wort! — " „Fürchten nur dem Kön'ge gleich, Sollen wir den Herrn? Der da schuf das Weltenreich Sonne, Mond und Stern!" „Nicht mehr, sagt nun Jochanan, Fürchtet, ehret Ihn, Und ihr geht die Lugendbahn Lebt mit frommen Sinn. Verlag von C. L» Fr i tz sch e. 208 - Stets dem Fürsten ihr beweist Ehrfurcht, Achtung ja, So er durch das Land nur reist, So er euch ist nah. So er auf euch nur hinblickt So er schaut eu'r Lhun, Findet ihr euch schon beglückt, Findet ihr schon Lohn. — Auch, Gott, dann nur fürchtet Ihn, Dann nur auf Ihn baust, Wann Er merkt eu'r Lhun und Sinn, Wann Er auf euch schaut. — Aber Gott euch immer sieht Und euch stets ist nah', Was auch insgeheim geschieht, Weiß und merkt Er ja. — Lieben und ehrfürchten Ihn Bis eu'r Auge bricht — Dies ist meiner Worte Sinn — ' Ist stets eure Pflicht!" Scheidend senkte seinen Blick Nun der fromme Mann, _ Und sein Geist zu Gott zurück Schwebte himmelan. — Jakob Wedell. Persvualchronik und Miseellen: Leipzig. Liest man den Bericht aus Italien in dieser Nummer des „Orient" und nimmt man dazu die häßlichen und haßathmenden Worte des Superintenden G r o ß m a n u: so fragt man sich, ob Protestanten wirklich die Aufklärung auf dem religiösen Gebiete repra'sentiren? Lernt von den Katholiken in Livorno, was es hieß, religiös aufgeklärt fein. Pesth. Hier hat sich ein Reformverein gebildet, der die Speisegesetze — die er längst nicht hält — abschaffen will. Der Sonnabend soll auf den Sonntag verlegt werden , und im Falle Jemand nach Konstantinopel reist, tritt der Freitag an dessen Stelle ein. ' . * Wien. Dr. Goldeythal ist hier Docenr der rabbinischen Sprache u. Literatur geworden. Er liest bereits in der Aula. Druck von I. H Nagel.