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Der Orient · 1848-06-17 · Heft 25 (17.6.1848) · p. Seite 200

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 25 (17.6.1848)
Date
1848-06-17
Page
Seite 200 (sequence 15)
Language
German
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200 wie jeder Kundige zugestehen wird/ Unendlich wohlthuend für Geist und Gemüth waren, jetzt beinahe vergessen ist. Ja, das ist leider der wunde Fleck im Iudenthume, daß der Fortschritt in allgemeiner Weltbildung der religiösen Entwickelung der Israeliten so empfindlich-geschadet hat. Jeder Versuch/diesem Uebelstande abzuhelfcn, verdient daher die größte Aufmunterung, und die versprochene Sammlung von nachbiblischen Stücken aus den Neligionsschriften des Iudenthums wird sehr schätzbar fein, wobei nur zu bedauern ist, daß in sehr vielen Schulen so wenig für die Kenntniß des Hebräischen geschieht, „daß die Fülle von weisen Sprüchen und Lehren der großen Zahl denkender und fühlender Lehrer der Vergangenheit" keineswegs ganz in das geistige Eigenthum der Gemeinde übergehen kann, „da die eigentliche Weihe in der Uebersetzung verloren geht." Man vergegenwärtige sich nur einmal, welchen tiefen sittlichen Eindruck es sonst machte, wenn Sprüche wie , DDT1N p ’jnDtcr , fpb' p nnän u. dergl. m. im jüdischen Volksleben vernommen wurden, wie matt dagegen dies Alles auch in der besten Uebersctzung klingt» Ich wage darum doch nicht den Wunsch auszusprechen, daß die versprochenen nachbiblischen Stücke wenigstens teilweise in der Originalsprache gegeben werden sollten, denn die sonst so rühmenswerthe Anstalt, an welcher die Herausgeber lehren, würde dies gewiß entschieden zurückweisen, nachdem sie selbst das vortrefffiche Iohlsonische Religkonsbuch, welchem die Kultur der deutschen Israeliten so viel verdankt, wegen zu viel Hebräisch, das darin vorkomme, abgeschafft haben soll. Ich beschränke darum meinen Wunsch dahin, daß ein Register der Belegstellen angefügt ^werde, um das -Nachschlagen des Originals zu erleichtern. Den Wunsch, daß in den Schulen mehr-für die Kenntniß der hebräischen Sprache geschehen sollte, will ich aber noch durch die Worte eines Gelehrten erhärten, der den Juden gewiß den größtmöglichen Fortschritt in der Kultur des 19. Jahrhunderts nicht verkümmern wollte. Er sagt: „Es sollen gewiß nicht alle jüdische Knaben zu Orientalisten gebildet werden, aber einige Kenntniß der hebräischen Sprache sollte jeder Israelite schon deshalb besitzen, weil diese Sprache der Israeliten Eigenthum ist und bleiben soll. Sie ist für uns rüe eine tobte Sprache gewesen, denn sie hat sich nicht durch Bücher sondern durch eigentliche Tradition erhalten. Sie ist ein geistiges und religiöses Band zwischen allen Israeliten auf dem Erdenrunde, und ihr haben wir es zu verdanken, wenn sämmtliche Gemeinden eine gemeinschaftliche Literatur und eine gemeinschaftliche Liturgie besitzen. Sollten wir so thoricht sein, einen solchen Voctheil auszugeben, damit nicht ein Pamphletschreiber sage, daß wir immer noch eine Nation bilden? Wir können die Anhänglichkeit für das Vaterland durch viel schicklichere Mittel an den Tag legen, als durch die Vernachlässigung einer Sprache, deren Kenntniß uns znr höchsten Zierde gereicht. Uebrigens macht der Gottesdienst in . der Synagoge, welche noch so durchgreifende Umstaltungen erhalten, sollte, die Kenntniß der hebräischen Sprache dem Israeliten unentbehrlich. (Dr. M. Kceizenach, Schurrath Haddin S. 87). \ ' Für die Erbauung in Gottes heiligem Worte, für die Erquickung der nach Stärkung im Glauben und in der Erkenntniß Gottes dürstenden Seele haben vormals auch die Vorträge in den Brüderschastsvereinen (nrDPi) viel beigetragen. Auch das erlischt nach und nach wegen Abnahme der Kenntniß des Hebräischen. Wie viele Lehrer klagen jetzt über den Mangel eines paffenden Buches für nron Vorträge; allein sie sollen nur ihre Armuth an jüdischem Wissen beklagen, denn unsere Literatur ist reich genug an herrlichen Werken, die sich zu jenem Zwecke eignen.. Das habe ich seit 15 Jahren selbst erprobt. Die Werke Abrawanels und Aramas (»YPpy), Bechajs „Innere Pflichten" (mmn nnr&nj, Luzzattos Pfad der Gerechten n^DQ), Wesselys M o sa i d e (zur Erklärung der nrflD r°ML? bis NW) so wie seine Betrachtungen und Erläuterungen über die Mosaischen Gesetze p), Bedarschis Prüfung der Welt rüTD im Hause bei Leidtragenden anwendbar) sind unversiegbare Quellen der herrlichsten Belehrung und nicht besonders schwer zu benützen. Für den Kundigeren aber sind selbst die die Kommentare Rasch!, Alschaich und Biur, Chinuch, Kele Iekar, selbst geschichtliche Werke, wie Maffechet Taanit und Meor Enajim, vorzüglich aber die philosophischen Bücher Schemone Perakim, More und Kusark, mit verständiger Auswahl und Erläuterung vortrefflich zu gebrauchen. Schließlich möchte ich noch den israelitischen Familien das lehrreiche Buch )&£W von M. Mendelsohn in Hamburg empfehlen. Der Verfasser hat es verstanden, in diesem Werke, dessen baldige Vollendung sehr zu wünschen ist, dem schlichten Volke eine ganz zeitgemäße religiös bildende Lektüre zu bieten. Wenn es Euer Wunsch ist, Väter und Mütter in Israel! und warum sollte er es nicht sein? wenn es Euer Wunsch ist, neben der aufrichtigsten Anschließung an deutsche Kultur, dem eingerissenen Jndifferentismus in religiösen Dingen entgegen zu treten, so schaffet Euch das genannte Buch an, es ist ein kostbarer Hausschatz, es wird viel beitragen, die alte -Anhänglichkeit an den Väterglauben zu erneuern.* *) Für die Erlernung der -hebt. Sprache in der Elementarschule giebt es mehre gute Lehrbücher, wovon für den Anfang namentlich Abraham Kohns hebräisches Lesebuch, — der kleine Präparand von Arnheim in Glogau und die neuste Grammatik von Goldstein, für vorgerückte Schüler aber die Iohlsohn'sche Grammatik vorzüglich zu empfehlen ist. Druck von I. H Nagel. Vertag von C. L. Fritz sch e»

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