Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 24 (10.6.1848)
- Date
- 1848-06-10
- Page
- Spalte 369-370 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte Md Literatur. M 24. Le ip zig, den 10. Juni 4848. Inhalt. Studien. Ueber einige seltene jüdische Ritualien. Von L. Dukes. — Kritiken. Kurze Anzeigen. Herzfeltz-s Geschichte des Volkes Israel. Angez. von Dr. Jost. — Biographische Skizzen von Dr. Frankel. Josef Kolon. (Schluß.) -- Ankündigungen. ' lieber einige seltene jüdische Ritualien im Besitzt des Herrn Dr. Albert Cohn in Paris. Mitgetheilt von Leopold Dukes. Daß die Gebete der verschiedenen Glanbensgesellschasten einen integrirenden Theil der Geschichte der Menschheit ausmachcn, wird Niemand der intelligenten Leser bezweifeln wollen. Die Betrachtung derselben, sollte man glairben, hätte bereits viele Kräfte in Anspruch genommen , dem ist aber nicht also; es ist diesem Gegenstande bis setzt noch nicht die Aufmerksamkeit gewidmet worden, die derselbe verdient. Eine solche allgemeine Betrachtung aller Gebete, die bei verschiedenen Völkern auf den ^verschiedenen Stufen ihrer Bildung üblich waren und noch sind, wäre außer den speeiellliteraturhistorischen Nutzen, den dies gewährt, auch zugleich ein nicht unbeträchtlicher Beitrag zur Geschichte der Philosophie. Eme solche Geschichte der Gebete der verschiedenen Volker, ist der Natur der Sache nach nicht die Arbeit eines einzelnen Menschen; denn außer der Mellge der Sprachen, deren nicht blos oberflächliches Verständniß hierzu erforderlich ist, ist auch eine tiefere Kenntniß des gesammten BildungSznstandes der Volker in den verschiedenen Perioden unerläßlich, so wie auch die Kenntniß der Quellcri, aus denen Ideen entnommen sind. Ein solches Werk, würde sich dann als der Schlußstein an die Geschichte der Vorstellungen und Ansichten über das Gebet selbst anschließen. Ein ..Werk über diesen Gegenstand besitzt die deutsche Literatur von Stäudlin, welches, obwohl es sehr viel zu wünschen übrig laßt, dennoch weil es das einzige in der Literatur, sehr schätzbar ist. , Die Kenntniß der Gebete selbst antangend, so ist für die der christlichen Welt die Anthologie der Kirchengesänge von Na mb ach (Hamburg) ein guter Beitrag dazu, obwohl in demselben jede Spur eines philosophischen Geistes vermißt wird. Für die Kenntniß der Gebete in der muh amm eda nischen Welt ist der Mangel fühlbar. T h o l u ck § Blüthensammlung der orientalischen Mystik darf als guter Beitrag hierhergezählt werden, obwohl sie kein Gebetbuch im eigentlichen Sinne des Wortes ist. Ueber die Gebete anderer Völker ruhet noch ein tiefes Dunkel. . Die Gebete der Juden wurden seit einigen.Jahren der Gegenstand der Forschung, und man hat von verschiedenen Seilen her manches zur Erkenntniß und Züsammeustellung der. verschiedenen Ritualien sowohl als der einzelnen Hymnologerr (Pajtanim) gethan. Rapaport, Zunz,Luzzatto, Fürst, Sachs u. Schreiber dieses haben jeder nach seiner Weise Licht über diesen Gegenstand zu verbreiten gesucht. Wenn auch über einzelne Gegenstände noch manches zu wünschen übrig bleibt, so ist doch ein allgemeiner Standpunkt gewonnen, und die Zusammenhänge mit der gesammten Geschichte der Menschheit sind erkannt, ihr Platz in der Bildnngsgeschichte der Juden überhaupt ist ihnen angewiesen, der ästhetische Werth mehrer dieser Produktionen anerkannt. Der Ausspruch eines Witzlings „Die Juden singen L o g i k u n d beten M e t a p h y s i V' ist genau betrachtet nur leerer Schall. Daß die Inden Metaphysik beten, ist allerdings wahr; aber wenn dies ein Vorwurf fein soll, so trifft derselbe nicht die Inden 24