Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1848)
- Date
- 1848-06-10
- Page
- Seite 192 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 2× ep/1000834
- Riga 1× ep/1000826
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- 192 — Verzicht leistete und sich blos dem Privat-Unterrichte widmete. Sein plötzlicher Tod versetzte-nicht nur seine sämmttichen hiesigen Glaubensgenossen, sondern auch viele christliche Mitbürger, die demselben ihre Bildung zu .verdanken hatten, und die ihn aufrichtig hochschätzten und liebten, in 'die tiefste Trauer. Friede seiner Asche! — Nun habe ich Ihnen auch etwas Erfreuliches in Betreff unseres Schulwesens zu berichten. Es sind nämlich zum Schluffe des v. I. nachstehende israelitische Lehranstalten ins Leben gerufen worden: 1) zwei in. Mi n s k bestandene Privatschulen sind zu Krenschulen erhoben, gehörig reorganisirt und unter direkte Leitung der Schulbehörde gestellt worden. 2) In Wilna ist eine Rabbiner- und Lehrer -Vorbcreitmlgsschule von der Krone gegründet, an welcher bereits die Lehrer Fün n und Sal.kind im Amte bestätigt worden sind. Eine Elementarschule wird außerdem auch noch daselbst ehestens errichtet werden. 3) In Odessa wurde die daselbst neu gegründete Ka r a i ti sch e S ch u l c eröffnet. Im Beisein des Kurators des Odessa'schen Lehrbezirks, des Hm. wirklichen Staatsraths und Ritters M. N. BngaiSky, sowie der. Lehrer und Schüler der neuen Anstalt und der ganzen Gemeinde wurde vom Chasan und Schriftgelehrten Abraham Reim im Schullokale ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, wobei eigends zu dieser Gelegenheit von ihm selbst in rein hebräischer Sprache gedichtete Verse abgesungen wurden. Darauf verlas der>Secretär des LyecnmS die vom Herrn Minister der Volksaufklärung ausgestellte BewitligungS-Urknude, und Herr Finket, Lehrer der russischst Sprache, hielt eine passende Rede, zu deren Text er die Worte des'8. Psalms genommen hatte: „Aus dem Munde der Kinder und Unmündigen hört Er sein Lob! " — Dann verfügte sich der Herr Kurator in das Gebäude der Anstalt, besichtigte die Klassen und prüfte die Zöglinge in einigen Zweigen der seit Eröffnung der Schul/daselbst vcrgetragenen Gegenstände. Auf diese Art ist nun der Anfang gemacht, der ganzen Heranwachsenden Generation, die merkwürdig in ihrer Art ist, und selbst dm ärmsten Kindern einer zahlreichen Bürgerklasse Odessa's eine regelrechte Schulerzichung zu geben, während bis hierzu nur die Söhne der reichern K a r a i t e n zu Hause eine oft gar mangelhafte Bildung erhalten konnten. , Die Fächer, in welchen in der neuen Anstalt, die jetzt schon schon 53 Schüler zählt, Unterricht ertheilt wird, sind: 1) Religio ns lehre mit Einschluß der Karaitischeu Liturgie/ 2) Kenntniß der hebräischen, russischen und französischen Sprache. 3) Arithmetik, Buchhaltcrei, Gesetz- und Aktenkunde, soweit sie den Kanfmannsstand berühren, und endlich 4> Kalligraphie. — Von Hrn. R. I. Wunderbar in Riga, den Lesern des geschätzten LB. dcS Orients bereits bekannt, circulirt hier eine Einladung zur Subskription ans ein von demselben in Lieferungen herauszugebendes Werk, welches derselbe mit Unterstützung mehrer gelehrten Aerzte bereits zum Drucke vorbereitet. Es führt den Titel : on-qy nnyb, riNiDin! Verlag von C» L. Fritzsche» TOtan npm- B ib l is ch - t a lm üd iss ch' e M e d i c t n, oder: Pragmati siche D a r st eit u ng d e r Ar zu e iknnde der alte n Israeliten; sowohl tu theoretischer als praktrfcher Hinsicht. * Von Abraham bis zum Abschlüsse des babylonischen Talmuds (2000 v. Ehr. 500 u. Ehr.). Mit Einschluss der Staats-Arzneikunde und mit besonderer Berücksichilgmtg der Theologie, nach den Quellen bearbeitet^ und wird derselbe Ihnen wahrscheinlich zu seiner Zeit das Nähere darüber selbst berichten. Es wäre sehr zu wünschen, daß daS Publikum ihm seine Theilnahmo zu diesem löblichen Vorhaben nicht versagen möchte; um so. mehr, da die höhere jüdische Literatur in Rußland nur wenige Jünger zählt, und dieselbe dort auch mit weit größeren Schwierigkeiten als im Anslande zu kämpfen hat. — Schließlich bemerke ich noch/ daß mir die jüngsten Nummern der zu Venedig erscheilrenden (merkwürdigerweise noch in keinen: jüdischen Organe besprochenen), jüdisch-italienischen Zeitschrift „Uevista israeliüca“ vorliegen j worin manches Treffliche in Bezug auf Juden und Jildenthnm enthalten ist. Dieselbe hat die Tendenz, Reform des Judenthums zu erzielen und der Redaktetlr heißt Cäsar Pro mig h i. — . * Zum Wochenfeste. Hell und freundlich strahlt die (Soitme auf das Freudenfest herab, Dran uns einst am Berge Sinai Gott die Zehngebote gab; Und in festlicher Versammlung tönet tmser Freudensang „Dem der uns den Tag gegeben, ihm erschalle Preis und Dank." Und wir freuen uns des Herrn, dem mit ganzer Seel' wir Lieben, Seiner Lehre, der "in Glück und Unglück treu wir stets verblieben; ' Jenes alten reinen Glaubens, unsre Zierde, unser Schmuck, Den man nie uns konnte rauben — trotz Verfolgung, Hohn und Druck. Und wir freuen uns des Lenzes und des bunten Blüthenflor; Und es steigt zum Weltenschöpfer der vereinte Sang empor. „Dank dir, Herr , für deine Lehre, Dank dir für des Lenzes : Blüh'n, Beides hast du uns zur Wonne, Beides uns zur Lust verliehn. Wie das starre Eis sich löset bei der Frühlingssonne Strahl, Also löst im Lenz vom Menschen alles Weh sich, alle Qual; Also löst das Gottvertrauen, löst der Glaube jeden Schmerz, Und. erfreuet, und erquicket und erhellet unser Herz. Wie des Winters starre Kalte uns des Sommers Glut entrückt, Doch bald drauf uns neuverjüngt des Lenzes Blüthenschmuck erquickt — So ward oft verdränget unser Glauben in der Zeiten Lauf — Doch stieg stets mit neuer Stärke, stets mit frischer Kraft er auf. Darum laßt dem Herrn uns danken, uns ihn preisen für und für, Für den heil'gen Väterglauben, für des Lenzes Zier'; Diesen Tag, den Gott gegeben, laßt in Jubel uns begehen, Laßt uns froh und freudig feiern unsrer Religion Bestehn." — Lehmann. Druck von I. H Nagel.