Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1848)
- Date
- 1848-06-03
- Page
- Seite 184 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- 184 - Wahrheit", weit die römisch-katholische und reformirte Geistlichkeit sich davon' losgesagt' hätten; denn die Geistlichkeit ist nicht' die Konfession,, und selbst wenn kein katholischer oder reformirter Geistlicher thätigen Antheil nahm, so wurden dennoch Katholiken und Reformirte der Einladung-des Vereins haben folgen können. Wenn aber Mitglieder^verschiedener Konsessionen die Räume — nichts weiter eines evangelisch-lutherischen Gotteshauses erhaltet, 'um darin eine religiöse Feststier mit Rede, Gebet und Gesang vorzunehmen, und die lutherische Kirchengemeinde ' durch ihre' gegenwärtig en ge setzti-. chen Vertreter, den Stadtrath (dieser aber und nicht die Stadtverordneten, " denen man noct> jüngst bei Anstellung des Dr. Härtest dieses Recht 'ausdrücklich ab sprach, sind zeither als Vertreter der Kirchengemeinde betrachtet worden) ihre Zustimmung dazu .gibt-, -so ist das doch wahrlich kein „Eingriff-' in die Selbstständigkeit' der evangelischlutherischen 'Kirche 'keine „Ä-bäridening der Kirchenordnmrg", kein;>'>W'erkeldienst", keine Anfhebmlg 7,der Gemeinschaft ches' 'Glaubens". Die. Feier galt ja nicht d en Mitgliedern der lutherischen Kirche , denen esein Gräuel ist,'' einen deutschkatholischen Christen oder gar - einen '-Israel in einem - christlichen' Gottes- Hause ein Gebet sprechen zu hören; sondern Die nur waren eingeladen/ die im Sinne des kirchlichen Vereins sich freuen , wenn hier alte Vorurteile nach und'nach schwinden, dort die universellen Gedanken des Chnstmkhums über den alten Partikulansmus der-Konfcsfionett siegen.; In einer Zeit, wo Alte, die unsere Zeit verstehen, sich freuen, daß Glieder aller- Konfessionell' gememschaftllch an der Wiedergeburt Deutschlands ,arbeiten, werden sehr Wenige mit Herrn Dr. Groß mann den Vorschlag einer gemeuffchaftlichm religiösen Feier des gemeinsamen Werkes 'für „Misbrauch des Heiligen zu Parteizweckcn", für „Nichtachtung der GlaubenS- und Gewissensfreiheit^, ^für einen ,,Versuch des Zndifftrentiönlns, die evangelisch-lutherische Kirche zu nullificiren^, erklären wollen, sehr Viele aber bedauern , daß konfessionelle' Bedenklichkeiten sie um eineso erhebende Feier gebracht haben. - Wir beklagen das ebenfalls lebhaft, weil ohnedem die Kirche ihren Einfluß durch eigene Schuld vielfach verloren hat,'unserer Zeit aber auch eine Kräftigung des religiös-sittlichen Lebens' noth thut. Darauf allein sollte die Thätigkeit aller Kirche!: gerichtet sein, nicht aber ans Erhaltung"gleichgiltiger Dogmen, geistlicher und kirchlicher Gerechtsaine oder konfefsioneller engherziger Beschränkungen. 'Wenn die Kirchen nicht mit dem Zeitgeiste, fortgchen, werden -sie/ den verlorenen Einfluß ansden Geist der" Zeit nimmer wicdcrgewinnen! Behalte jede Konfession munerhin ihre .befonderiü Formen, ihre besondern positiv-kirchlichen Glaubenslehren';. Verlag von C. L. Fri tz seh e. ... ' möge nur keine dabei vergessen , daß a l l e für diese Erde nur E.in praktisches Ziel "haben : die' religiös - sittlichen.Ideen zu pflegen, deren die menschliche Gesellschaft zu ihrem Bestehen, zu ihrer Wohlfahrt bedarf. Wer aber den Glauben an diese Gemeinschaft des göttlichen Geistes in der Menschheit ),Unglauben" schilt, und aufrichtige-Bestrebungen, eine-solche freie Gemeinschaft des Geistes herbeizuführen, verhindert und verdammt ,. d.er -versteht weder unsere Zeit noch das Christenthum; der wird Mitschuldiger an dem bcktagenswerthen religiösen Jndifferentislnuö, an der allerdings nicht wegzulängnenden Nichtachtung der Kirche und ihrer Diener; der wird die Verantwortung-mit zu tragen haben-, wenn den Konfessidnskirchen, wie jüngst im Parlament zu Frankfurt, der zwar erklärliche, aber jedes religiöse Ge- Gemüth schmerzlich berührende Ruf entgegcnschattt: >,Wir können euch nicht brauchen; ihr habt nichts gelernt und nichts vergessen!" : ' ' Julius Ke lt. Oesterreich. TVierr, 21. Mai..-Viel Sensation erregte heute eine vondem Prediger Bnrboröky im evangelischen Bethaufe über Psalm 137 .abgehaltene Predigt, in welcher die sich namentlich m Betreff der Juden regende Intoleranz das Hanptthema bildete. Es erschien dies um so mehr an. der Zeit, als vorgestern ein Aufruf, zruu Angriff auf Leben und Eigenthum der Juden anreizend, verbreitet werden sollte, allein noch unterdrückt und dem durch einen besondern Erlaß des CentralkomM der Nationalgarde unter Anderm mitden Worten bebegegnet ward: „Die Juden sind nur das Durchhaus zu den Häusern, zu dem Besitz, zu dem EigenthuM,' zu dem Leben aller andern Bewohner der Residenz, und von den Juden geht cs nach und nach über die andern Besitzenden der Residenz.". In Ungarn hat sich dies nur Ätzu sehr bewährt, und täglich taufen Berichte von Mord- und Raubanfätlen ein, deren Reigen mit Judenverfolgungen eröffnet ward. (D. A. Z.) PersonalKroni? und Miseellen. Wien. Hr. Deutsch wurde zum Wahlmann für Frankfurt gewählt. **■ Braunschweig. Die gemischten Ehen würden hier von den- Ständen gestattet. , Hannover- Die Juden sind noch immer nicht emancipirt. _ __ Druck von I. H. Ragel/