Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1848)
- Date
- 1848-04-29
- Page
- Seite 144 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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144 htzrVm und einigen jenei Männer, die auf dem Reichstage sich besonders für die Emancipation der Juden ausgesprochen, ihre Noch- und riefen ihre Vermittelung an. In Folge dessen begab sich der Gras Pulski hierher, um sich 1 ftfecr" beit Styaifcejtanb zu unterrichten. Graf Pulski beschloß eine allgemeine Volksversammlung zu veranstalten, -dem' Volke Vorstellungen zu machen und dasselbe auf die Ungerechtigkeit in seinem Verfahren hinzuweisen; der Bürgermeister rieth dem Grafen, statt eine allgemeine Volksversammlung, bei der es an Ansregnng nicht fehlen könne, zusammen zu berufen, Lieber den Juden in aller Stille die Erlaubniß. zur Rückkehr zu ertheilcu. Graf Pulski, cm Mann der Oeffentlichkeit und beim Volke sehr beliebt, verwarf diesen Rath und berief itu Gegentheil eine allgemeine Volksversammlung. Graf Pulski redete die Versammlung an, wies sie auf das Unrecht derartiger Excesse hin und forderte zuletzt Jedermann ans, seine Beschwerden gegen die Juden vorzubringen. Ein Mamr aus dem Volk erklärte in Folge dieser Aufforderung int Namen der Versammlung, daß die gegen die Juden gerichteten Demonstrationen ursprünglich nicht den Juden, sondern dein Bürgermeister gegolten, der unbeliebt.sei und dessen Absetzung man allgemein verlange. Der Bürgermeister habe, um den gegen'ihn gerichteten Sturm zu beschwören, das Volk ängeredet, alle Schuld auf die Juden geschoben und den Pöbel" zuletzt so zu fanatisiren gewußt, daß er sich zu jenen beklagenswertheu Exeessen habe Hinreißen lassen; das Vdlk könne übrigens gegen die Rückkehr der vertriebenen Juden nichts einwenden, werde sich auch ihrer Znrückberufung nicht widersetzen. Auf Grund dieser Erklärung ist den Inden die Erlaubniß zur Rückkehr ertheilt worden, auch haben sämmttiche Israeliten bereits davon Gebrauch gemacht j . der Bürgermeister ist zur Untersuchung gezogen worden. (D. A. Z.) Frankreich. Paris. Eine zu Anfang dieses Jahres in Paris begründete neue Zeitschrift erregt, wegen ihrer eigenthümiichen Tendenzen manche Aufmerksamkeit» Die'Zeitschrift, „'Le ReveU d’Israel", wird nämlich von einem polnischen Katholiken , I o h a n n Cz y n s k i, dem Verfasser einer gelehrten Arbeit über Kopernikus, redigirt und hat sich die Ausgabe gestellt, einerseits die politischen Interessen der Juden wahrzunehmen, und zwar hauptsächlich in Polen und Rußland, weshalb sie auch als Motto die an die Juden gerichteten Worte Kasimir's des Großen gewählt hat: „Arbeitet und Lebet in Frieden. Vergesset niemals, daß, als ganz Europa euch vertrieben, Polen euch Zuflucht unb Schutz dargeboten hat." Andererseits will die Zeitschrift aber auch die religiösen Vertag von C. L. Fritzsche. Interessen der Israeliten gegen die Angriffe vertheidigen, die sie sowohl von Außen, als im Innern der jüdischen Gemeinden selbst, in neuerer Zeit erfuhren. Gleich in der ersten Nummer befindet sich ein gegen die sogenannten ,/Reformer" in Berlin gerichteter Artikel, worin Hr. Czynski auf die Absurdität hinweist, die darin liege, daß man, einer durch ihr Alter geheiligten Religionsgcsellschaft angehörend und ihr auch ferner angehören wollend, doch eben dasjenige verleugne, was die positive Grundlage dieser Religionsgesellschaft ausmache. Man brauche, meint er, um sich als Bürger der europäischen Welt zu dokumentiren, weder „A bas Jerusalem!" noch „A bas le Messie!" zu rufen; die Juden könnten überall gute Staatsbürger sein, ohne darum an den Traditionen rütteln zu müssen, mit denen sie durch ihre Religion verbunden seien, u. s. w. — Die liberale Revue Independante billigt diese Auffassung der Frage im Reveil •d’Israel; der kirchliche Semeur will jedoch darin nicht den Ausdruck der Ansichten unserer Zeit erkennenobwohl er zugiebt, daß Hr. Czynski es aufrichtig mit der Sache der Israeliten meine. PersonalchronK und Miseellerr. Mantua. Der Gouverneur, hat die reichsten Israeliten mit einer Million Lire gebrandschatzt. Baden. Angesehene Volksmänner erheben ihre Stimmen gegen die Verfolgung der Juden. * England. Die Judenbill ist nach einer Vorlesung dem Comitee übergeben worden. * * Wien. Josef Wertheimer arbeitet rüstig für die gerechte Sache der Juden. Mahren. Der gefallene Jüngling Heinrich Spitzer ist geboren den 23. August 1830. * * Frankfurt a. M. 2m Ausschüsse der Fünfziger sind bis jetzt zwei Juden. Jakoby und Kuranda. U d i n e. Der Israelit L u z z a t t i ist Mitglied der pro-! visorischen Regierung. Berlin. Hier sind viele Juden für die Sache der Freiheit thätig. Wien. L. A. Frankl wurde in eine Deputation ars , den Kaiser gewählt, deren Sprecher er war. Druck von I. H. Nagel.