Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1848)
- Date
- 1848-04-29
- Page
- Seite 137 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berichte, Studien und Kritiken Nemrier Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Bucbhandtungen auf ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Don dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mit* gerechnet, zwei Bogen, und zwaran jedem Dienstag regelmäßig» 8 18. Leipzig, den 29; April Inhalt. Die Juden in Oesterreich.. — Deutschland. S t o l p. Gesuch. Leipzig. Freiheit für Alle. Posen. Die Verfolgungen. Gratz. Pöbelwuth. Posen. Flüchtlinge. Leipzig. Excesse. Leipzig. Die posen'schen Juden. Breslau. Bericht von Augenzeugen. Leipzig. Das Tageblatt. Leipzig. Die neue Zeit. — Oesterreich. Preßburg. Graf Berengi. Brody. Die Deputation. S t u h l w ei ß e n b u r g. Verfolgung. Pulskk. — Frankreich. Paris. Eine neue jüdische Zeitschrift. Personalchronik und Miscellen. — LB. d. Or. Die Jude« in Gesterrsich. IV. Ein schwarzes Blatt in der neuesten Geschichte Oesterreichs bilden die I u d e n v er fol gitn g cn auf einzelnen Punkten des Kaiserstaates. Ungarn scheint das gelobte Land der Pöbelwuth zu sein. Bis jetzt tratendie wohlmeinenden Gegner der bürgerlichen Gleichstellung der Juden mit der Devise auf: ,,die Juden sind nicht reif für die Emaneipation". Wir glauben, ein größeres Recht beanspruchen zu können, wenn wir behaupten: sehr viele christliche Glieder des österreichischen Staates sind durchaus nicht reif für die errungene Freiheit. Oder sind jene etwa der Freiheit würdig, die sie Andern durch Feuer und Schwert entreißen? — Einen ganz eigenthümlichen Abschnitt in der konstitutionellen Judenhetze bildet ein Faktum, das bis jetzt noch nicht durch die Presse bekannt wurde In Olmütz begann man die Konstitution dadurch einzusegnm, daß man der daselbst wohnenden jüdischen Familie Hamburger bedeutete, die Stadt binnen 24 Stunden zu verlassen und die aus den benachbarten kleinern Städten dahin kommenden . jüdischen Händler nach ihrer Heimath verwies. ' Wenn das alte Olmütz, trotz der christlichen Liebe, engherzig und egoistisch gegen die Juden handelte, so wunderte man sich nicht darüber, wenn, auch jeder Gebildete die Gesinnung dieser Stadt aufs tiefste bedauerte. Man fühlte Mitleiden, konnte sich aber nicht verwundern. Wenn aber inmitten der Frciheitshymne der Hep-Hcp-Ruf ertönt; wenn die errungene Freiheit durch "niedrigen Kn cchtöfinn, durch kleinlichen Krämergeist, durch böswillige Gesinnungen entehrt wird; wenn an dem jungen Baume der Freiheit die Früchte eines gemeinen Hasses hängen: dann möchte man den Herren in Olmütz zurufen: Ihr seid noch nicht reif für die Freiheit t Ihr bedürft der Erzieher, die Euch anleiten und führen mögen. Ein mährischer Jüngling hat mit seinem Leben den neuesten Bund der Freiheit besiegelt, Ihr habet die Freiheit als Gnadengeschenk erhalten — und Ihr quälet und peinigt und martert die mährischen Inden! Während Euch die Fesseln von den Händen gelöst wurden, schmiedet Ihr sie für Andere. . Äd. Jellinek. Deutschland. Stotp , 16. April. Der hiesige Gemcindevorstand hat im Namen der hiesigen und vieler Gemeinden des Regierungsbezirks Eöslin am 11. d. M. ..eine durch den Rabbiner Hrn. Dr. Klein in bündiger Kürze aber kräftigen Worten abgefaßte Eingabe an den Justizminister gesandt, worin sie um eine Verfügung wegen einer festen und auf den niedrigsten Satz ermäßigten Ent- 18