Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1848)
- Date
- 1848-04-08
- Page
- Seite 113 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Neunter Das Abonnement auf cm Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen lö'bl. Postämtern imb allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Wische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Mrst. IsIUMllA. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechner, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Leipzig, den 8. April 's Snljcflt. s Die Juden in Oesterreich. — Deutschland. Dresden. Predigt. Frankfurt a. M. Abgeordnete, Berlin. Die jüd. Helden. Berlin. Ein Inserat. Frankfurt a. M. Statistisches. Jastrvw. Hoffnungen. Posen. Zuruf. Aus dem Netz V ist rikt. Schluß der Revue. Leipzig. Adresse aller Konfessionen. Leipzig. Dr. Fürst. , Leipzig. Das Tageblatt. — Oesterreich. Leipzig. Kuranda. Wien. Rothschild. Listen. Lemberg. Hoffnung. Lemberg. Stadion. Preßburg. Bier Artikel über die Judenverfolgung. Brody. Neues Leben. — Italien. Mantua. Ein Testament. — Verbrüderung! — LB. d. Or. . Die Juden in Oesterreich. Der politische Umschwungs des Kaiserstaates ist in der historischen Entwickelung unserer Zeit, die nach Stun- < dm vor sich geht, bereits eine gefestete Thatsache. Die Kaiserstadt, die das alte System geknebelt und gefesselt chatte, ist erwacht, erwacht zu neuem Politischen. Leben, i. Was früher im Reich der geheimsten Wünsche geschlummert, ist in die Wirklichkeit hinausgetreten, hat sich in Thaten verkörperte ,,T H aien" ist das Losmrgswort; imfctct Zeit — und doch kann in dieser thatenreichen J Zeit die Theorie, die Reflexion nicht eiltbehrt werden. Dies gilt besonders ans dem Gebiete der Judenfrage. Viele , die blos ein Auge für die Thatsachen der Gegenwart,, aber kein Ohr für die Geschichte haben, sind ktcinmnthig und zaghaft in Betreff der Gleichstellung der Inden. Die konsequente Elltwicketullg eines Systems verkennend, chalterr sie die gerechte Sache der Juden für eine Beute der Willkür und der Pöbelherrschaft. Darum erachte ich es für nothweudig und zeitgemäß, in Betreff meiner Glaubensgenossen in Oesterreich folgende Punkte zu erörtern: 1) Warum kollute das alte System die Juden nicht emaueipireu? 2) Warum ist die Gleichstellung der Juden die nothwendige Konsequenz des neuen Systems? 3) Was ist gegenwärtig die Allfgabe der österreichischen Juden? I. Obwohl seit Joses II. der Staat über die Kirche gesetzt wurde, so hatte der Staatenkomftle.r Oesterreichs das gestürzte System zu deni Grundsätze verleitet": der Katholieisnuls sei das magische Band, welches die verschicdeneil Länder znsammellhält; der Katholieismns sei das Bolllverk Oesterreichs gegen das protestantische Deutschland im Westen uub gegen das griechische Rußland im Osterl. Die Nationalitäten, die stets kampfgerüstet sich gegenüberstandeu, feTUcn durch die Religion in eine höhere Einheit aufgeheir. Der freie Geist, der aus Deutschlands Gauen wehte, sollte in dein katholischen Prinzip einen Abteiter finden, wofür Jesuiten und Liguonauer Sorge trugen. Die eroberungssüchtige Propaganda des Panslavismus sollte sich an der höhern Propaganda des Glaubens zerschlagen. Daher konnte das alte System die Juden schlechterdings nicht gleichsteltcn. Es hatte sich gleichsam das Messer an die Kehle gesetzt, einen Selbstmord an sich begaitgeu, hätte es je die Emaneipation der Juden auch nur im Prinzipe ai,erkannt. Oesterreich — hieß es — sei ein tho lisch er Staat, das Moment der Einheit, das durch die verschiedenartigen Nationalitäten gestört sei, sinde in beut Katholieismns seinen Vereinigungspunkt. Das alte System konnte in vielen Punkten — wie dies die jüngste Vergangenheit lehrt — den Juden huma n, nicht aber gerecht werden. Zudem bedurfte das alte System, das in einem schneidenden Gegensatz Zn dem 15