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Der Orient · 1848-03-18 · Heft 12 (18.3.1848) · p. Seite 89

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 12 (18.3.1848)
Date
1848-03-18
Page
Seite 89 (sequence 1)
Language
German
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Berichte- Studien und Kritiken Neunter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Manabonnirt bes allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchbandlungen aus ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben ■ von Dr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literadurblatt mitgerechnet, zwei Bogen- und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M iS Leipzig, den 18. März 1848. Inhalt. Deutschland. München. Der politische Wechsel. Dresden. Aufruf in Sachen der Emancipation.. Frankfurt a. M. Stellung der Juden in der Bewegung. Leipzig. Rüge und Kuranda. Aus der Provinz Posen. Predigt und' Ball. Statistisches. Berlin. Harmlose Bewertungen. . Berlin. Der neue Tag. Baiern. Monatsbericht. Aus der Provinz Posen. Entgegnung. Posen. Predigtwesen. Posen. Kultus. — Oesterreich. Pra g. Bürgerliche Zöpfe. — Italien. To skana. Die Folgen der neuen Zustande. —- Personalchronik und Miscellen. Netzdistrikt. Kassel. — LB. d. Or. Deutschland. Muttchen, 6. März. So eben ist die königliche Proklamation mit einer Reihe von Zusagen an das baierische Volk erschienen, und unter diesen Zusagen ist die für uns wichtige: Verbesserung der Verhältnisse der Israeliten. Schon auf den 16. dieses Monats sind die Stände in die Hauptstadt berufen , und neben V e r a n t w o r t 1 i ch k e i t der M in i st e r, vollständige P r e ß fr e i h e i t, res o r m i rtem W a h l. g e s etz e, O e f f e n t l i ch k c i t und M i'l ll dlichkeit, Schwurgericht, soll auch diese Frage erledigt werden. Wir müssen aber offen bekennen, daß wir diesen königlichen Verheißungen, durch die stürmischennach tanger Niedcrhattuug um so stärker alle Dämme niederreißenden, Volksbewegungen erst abgetrotzt, mistrauen. Durch hunderterlei Versuche hat der König und sein Haus, hat die Negierung wohl bewiesen, daß sie, diese Zeitfrage, die wie alle Zeitftageu einer Vermittelung mit der Neuzeit erheischt mit? dringend verlangt , nicht begreifen wellte, um ja nicht das liebgewonuene alte Regiment aufgeben zu müssen; sie hat es in allen Handlungen bewieset:, sowol in der schmachvollen Herabdrückung der ständischen Thätigkeit auf ein Minimum als auch in der Heraufbeschwörung eines mittelalterlichen unseren Sitten fremden MontanismuS, daß sie auch! das Ghetto oder die Sklaverei der Juden und ihre Nechtslosigkeit zur Ausschmückung der mittelalterlichen Phantasmagorie beibehalten will. Und daß jetzt noch in der königlichen Proklamation kein gesunder normaler Sinn ist, sieht man schon aus dem deutschthümelenden Paro.rismns und in den von der erschütternden Gewalt der Gegenwart herausgepeitschten Phrasen in diesen Verheißungen. Da heißt cs: „Baiern erkenn t in diesem Gutsch lusse die angestammte Gesinnung derWitteksb ach er "(l). „Wie ich für die deutsche S a ch e den k e u n d sü h l e, d a v o u zeugt mein g anze s Leben. " „D eil tschland s Einheit dllrch wirksame Maaßregeln zu stärken, dem Mittelpunkte des vereinten Vaterlandes neue Kraft und nationale Bedents a tu k c i t mit einer Vertretung der d e u t s ch e n Nation am Bunde zu sichern u. s. w. wird Ziel meitres StrebenS bleiben." „Alles für mein Volk, Alles für Deutschland"! Baiern soll in diesen: Entschlüsse den Nachkömmlittg der Wittclsbacher erkennen; aber warum ist diese Erkenntnis; erst nach ciiter verzweifelten Lage des Volkes, nach verträumtem Jugend- und Mannesalter, nach tausendfachen nltramontonischeu Bcdrücknngcti, nach Einführung der Jesuiten, der Klöster, nach empörenden Abbitten vor einem Bilde des Königs, nach Lola-Montez'schen Verirrungen und mit den grauen Haaren gekommen? Warum wurde für das ganze Leben nicht für die deutsche Sache gefühlt,, warum wurden Redner für deutsche Einheit, für Revision der deutschen Bundes-Verfassung zu politischen Verbrechern 12

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