Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 10 (4.3.1848)
- Date
- 1848-03-04
- Page
- Spalte 145-146 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8555529-9897534-9897540--5344-3533945- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Berichte, Studie« und Kritiken für . jüdische Geschichte und Literatur. JVi 1©» Leipzig, dm 4. März 1848* 1848 Inhalt. Kritiken. Kurze Anzeigen. Die magyarische Sprache und die Luden von Rabb. Z ip ser. — Sefat Chachamim und Nachträge. Beurtheitt von LeopD uke s \6 f«* Stritten* Angez. zur Beurtheilung der Septuaginta. Von Dr. Hildesheimer. (Fortsetzuna ) — 7r @*ublcn* Materialien Schick. - Ankündigungen. Setzung.- - Literarische Miscellen. Moses Jsserles. Von Kurze Anzeige«. Die magyarische Sprache und die Juden. Elsö Magyar zsido naptäv es evkönyv 1848 — ik szoköevre. Közreboesätja a honi izraelitäk kozolt wagyar nyelvet terjesztö pesti egylet. ElsÖ ev~ folyam. Kalender und Jahrbuch für ungarische Israeliten auf das Schaltjahr 1848, herausgegeben vom Pesther Vereine zur Verbreitung der ungarischen Sprache unter den vaterländischen Israeliten. Erster Jahrgang. Pesth, 1848, 8. Was der Körper für die Seele, die äußere menschliche Erscheinung für den Geist ist, dasselbe ist die Sprache für das nationale Leben eines Volkes. Der Körper ist die Werkstätte des Geistes, der Schauplatz - auf dem er schaltend und waltend sich bewegt; was dieser schaffet und wirket, nimmt jener innerhalb seiner Mauern auf; und der Eine, wenigstens so lange beide in Verbindung stehen, kann sich nur insofern ausdehnen, als der Andere ibm Raum zur geschäftigen Thätigkeit gewährt. In, demselben Verhällniß steht die Sprache zu der geistigen Entwickelung, sowohl eines einzelnen Individuums als auch eines ganzen Volkes; das Feld, aus dem wir unsere Gekstesprodukte anbauen und einernten, das Bewahrungs-Magazin, worin wir alle auf dem Gebiete der Ideen gesammelten Schätze für die Zukunft niederlegen, ist einzig und allein die Sprache, in ihrem Raume bewegen sich unsere Gedanken, schaffen wir neue Kunstwerke. Wer daher bei Jdeenfülle Beschränktheit der Sprache hat, ist nicht mit Unrecht jenem Künstler zu vergleichen, der seine engbeschränkte Werkstatt mit Meisterstücken angefüllt, die dem besuchenden Kunstfreund überall nur im Wege stehen und ihm die freie Uebersicht verstellen. Der Körper ist ferner das Werkzeug des Gelstds, an und mit ihm produciren und wirken wir für die Außenwelt, was wir theoretisch im Geiste ersinnen, üben wir praktisch vermittelst der körperlichen Theile aus und so wie jede Praxis einen nicht geringen Einfluß auf die bessere Gestaltung der Theorie hat, ebenso erhalten unsere innerlich gehegten Ideen erst durch ihre äußere Kundgebung eine sichere Fixirung und werden nur in ihrer, durch die ausübende That geschehenen Verkörperung vor Verflüchtigung bewahrt. Auch bestimmt da nicht selten eine vollkommene, Bildung des Körpers die innere geistige Gestaltung des menschlichen Organismus, so wie der mehr oder minder verfeinerte Grad des Instrumentes mit der Vollkommenheit des damit verfertigten Werkes in engster Verbindung stehet. Dasselbe ist aber auch die Sprache für die geistige Lha'tigkeit eines Volkes; alle seine Schöpfungen werden durch die Sprache ermittelt und vermittelt, an und mit der Sprache producirt, und steigen oder fallen im selben Grade als die Sprachkenntniß in seiner Mitte sich entwickelt. So wenig also der Künstler ohne Werkzeug irgend ein Werk zu schaffen im Stande ist, eben so wenig können wir Geistesprodukte ohne Sprache erzeugen und dies um so weniger, weil jedes Denken des menschlichen Geistes überhaupt in nächster Berührung mit der Sprache stehet und weil wir selbst in der bloßen idealen Anschauung unseres Produktes, wozu doch der materiell Schaffende jedes Instrumentes entbehren kann, dennoch zur Bildung und Vorstellung der Ideen schon gewisse Zeichen also Worte und Sprache benothigen. Wir wissen oder halten uns doch wenigstens überzeuge, daß Geist und Körper zwei verschiedene getrennte Substanzen sind, können jedoch die Berührungspunkte, die Verknüpfungsfciden nicht ermitteln, wodurch beide, in einander so völlig durchgreifen, in einander so inniglich verschmelzen und in ihrer Durchdrungenheit zu einer Einheit werden. Nur insofern der Geist diesen oder jenen Körper als Hülle sich er- 10