Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1848)
- Date
- 1848-02-26
- Page
- Seite 72 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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72 Korporationsverm'ögeu ümznwandelu? DicseFrage mögen fftc^t6cjc(cC)rte ^cantmorten Noch stärker werden die Gemächer von der drückenden Abgabe bei Geburten, Trauungen nv aufgeregt und eö ist allerdings befremdend, daß die Negistrirungen von Civilakten zu einer Vermögenssteuer benutzt werden. <Siti Mitglied belnerkte jüngst darüber, daß wohl deshalb die Gebühren nach dem Vermögen bestimmt sind, weit die Armen mehr Kinder haben , also den Mangel an Qualität durch die Quantität ersetzen. Es ist auch in diesem Blatte schon genug darüber geschrieben worden, geschrieben wird noch mehr, aber gethan — nichts. I Möchte Hr. Dr. Klein in Stolpe, welcher wie verlautet dieserhalb eine Beschwerde. bei den höchsten Behörden cinreicheu will, dies bald thun, und die sämmtlichen 'Gemeinden des Cöstiner Regierungsbezirk zum Beitritt ausfordern. Er würde sich damit, wenn auch vielleicht sein Schritt ohne Erfolg bleibt den Dank der Pommerschen./Gemeinden erwerben. Es ist schon ein großer Gewinn , bei der Jsolirthcit und gänzlicher Abgeschlossenheit. in welcher die israel. Gemeinden Pornmernö gegenseitig gristiren, irgend eine gemeinsame Maßregel zu veranlassen und so einen Anknüpfungspunkt zu begründen, zu einer dauernden Vereinigung, wie sie von allen Besseren, Vehufs Kräftigung des religiösen Gerneinsinncs ersehnt wird. Ueber die innern Verhältnisse der pommerschen Gemeinden nächstens. Aus der Provinz Poserr, Ende Januar. Ihr Korrespondent hat Ihnen in seinem Berichte vom 26. v/M. (s. Nr. 2 d. Bl.) bereits mitgetheilt, mit welchem Beifall der RK. Dr. Löwe n t h a l am Sabbat Wa-Jechi (25. Decbr.) in der dortigen Synagoge gepredigt hat. Wir freuen uns, jener Mittheilung nun hinzufügen zu können, daß' Dr. L. am. darausiolgenden Sabbat (Schemel) in der Synagoge zu Lissa eine zweite Predigt gehalten, welche die erste an Gediegenheit und Ausstattung fast noch übertroffen und dem Redner eiiren noch höhern Grad von Beifall als diese eingeärntet hat. Es sollen sich die Lissaer über Dr. L. um so mehr gefreut haben, als sie in demselben ein Kind des Landes, einen Herzogthümer (L. stammt aus Jareczcwo im Kreise Schrim) hatten sprechen hören. Wie groß würde aber erst die Freude der guten Lissaer gewesen sein, wenn sie im Sommer v. I. die Talente eines Kindes aus ihren eigenen Mauern, die Talente des Dr. Kämpf (Pred. in Prag), zu bewnltdem das Gluck gehabt hätten! Dr. K. hat sich nn letzten Sommer 6 Wochen lang bei seinen Eltern und Verwandten in L. aufgehalten, und wäre zur selbigen' Zeit nicht gerade die Synagoge rcstanrirt worden, so würde dieser tüchtige Redner aus seiner Verlag von C. L. Fritzsche. Vaterstadt gewiß nicht wieder abgereist sein, ohne zuvor milldcstens 2 oder 3 Mal das Wort Gottes von heiliger Stätte aus verkündigt zu haben. — Die Lissaer sind jetzt für eine gute Predigt eben so sehr eingenommen, als sie es ehedem für einen schönen Nignn waren. Es hat eine Zeit gegeben (und sie ist noch nicht gar zu lange verstrichen), wo kein fremder Chasau durch L. reisen durfte, f ohne wenigstens zweimal (Freifag Abend und Sabbat Vornrittag) in der großen Synagoge seine Stimme hören zu lassen. Aber: „lemporu mutantur el nos miilanuir in illis“. Man läßt jetzt die fahrenden Sänger ruhig passtren, inan hat keinen Sinn mehr für die alten groß- oder kleinpolnischen Ntelodieen, man verschließt ihnen Ohr, Herz und Hand — und wie in L., so fast in allen größer» Gemeinden de§ Großherzogthums. Sie finden nur noch wenige derselben, wo, mit Reb Henoch's Eidam, so ein zugereister kleinpotnischer oder lithauischer ,,Chasau mit M'schorenm" für das größte „O'neg Sch a b b es" gehalten wird. Und selbst da, wo schon seit lauge her solche ans dem Osten hergekommene und nur zu voreilig ansgegriffene Jekum- Pur kau-V irtu o seu , als Vorbeter snngiren, würde, mau es weit lieber sehen, wenn sie am Sonntage (oder an irgend einem Werkeltage) als am Sabbat der Gemeinde den Rn cken kehrten, das heißt zu deutsch man würde cs lieber sehen, wenn sie sich gänzlich empfehlen wollten. —■ Und wie den alten Chasanim, so und nicht besser geht es den alten Nabanim. Wo nicht gerade Einer durch irgend Etwas, sei eS durch uugehe uch elten frommen Lebenswandel, sei es durch Klugheit und Umsichtigkeit re. sich auszeichuet, da hat er seinen Werth verloren, wie ein Kalender vom vorigen Jahre , wie ein Kleid, das ans der Mode gekommen, wie ein Buch, das von Niemand mehr gelesen wird u. s. w.; die Gemeinde sieht bann in ihrem geistlichen Oberhaupte Nichts weiter als ein überflüssiges Subjekt, als eine Last, von der man sich gewiß befreien würde, wenn nicht zwei Himmelstöchter: P i e t ä t und H u m anität, tu Israel jo. einheimisch wären. — Nicht taub gebliebert sind unsere Gemeinden gegen den mächtigen Flügelschlag des mächtigen Zeitgeistes, nicht blind gegen die Wunder der letzten Deeennien unseres Jahrhunderts und nicht ganz empfindungslos gegen die Lockungen jener edeln, unbedingt dem Eden entwichenen Schlange, welche bei uns mit dem Namen „Aufklärung" getauft worden. (Beschluß folgt.) Druck von I. H. Nagel.-