Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 8 (19.2.1848)
- Date
- 1848-02-19
- Page
- Spalte 113-114 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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des Orients. Berichts Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. M 8. Leipzig, den 19. Februar 1848. Inhalt. Kritiken. Kurze Anzeigen. Friedenthal. (Fortsetzung.) Dogmatisch-philosophiscke Forschungen und Apologetik. — Studien. Erklärung der Offenbarung Johannis. Vou H. PH. Ree. (Fortsetzung.) — Mendelssohn's und Wessely's Seit. Bon M. Mendelson. (Fortsetzung.) — Literarische Miscellen. Berichtigungen. — Ankündigungen. Kurze Anzeigen. 5) rplONH npjn nin oder theologisch-philosophische Abhandlungen über die Grundlehren der mosaischen Religion. Zur richtigeren Erkenntniß des Iudenthums nach seinen Beziehungen zu Staat und Menschheit, wie zum Privatleben, in einem neuen System der Dogmatik dargestellt. In hebräischer Sprache verfaßt von M. B. Frieden thal. Im Auszuge übersetzt von R.I. Fürste nt ha l. Erster Band in 4 Heften. Breslau, 18'2 — 43, 8. . (Fortsetzung.) Von dem Fragmente über die Wunder kommt Hr. F. im 3. Abschnitte zur Apologetik, die Hauptangriffe auf den altbiblischen Standpunkt durchmusternd. Diese Angriffe sind: 1) Der jüdische G ot t sei b los ein Na ti o na l go tt, der nach biblischer Ansicht um andere Völker sich nicht bekümmern solle. Dieser uralte Vorwurf, den schon die Minim der ersten Jahrhunderte den Talmudisten gegenüber mit derselben Absichtlichkeit, durch Ignorirung biblischer Stellen, mit derselben judenfeindlichen Sprache, wie ihre rationalistischen Nachkommen (Röhr, de Wette) im 19. Iahrh. gemacht, ist auch schon uralt widerlegt, und zwar so gründlich aus dem natürlichen Wortlaute der Schrift, daß man über jenes zähe Vorurtheil.staunen muß. Hr. F. widerlegt diesen Angriff auf die ersonnene Nationalisirung Gottes dadurch, daß er nachweist a) wie die Schilderungen der Vergangenheit und der Zukunft, die wesentlichen Merkmale der Göttlichkeit der Schrift, von allen Völkern und allen Zungen sprechen, ohne eine einzige Nationalität vorzuziehen oder herabzusetzen, und da das Iudenthum selbst ohne jene Verheißungen und jene Einblicke in die Vergangenheit nicht gedacht werden kann, so muß auch das Iudenthum den allgemeinen Gott haben, b) Hat der Kanon Bücher ausgenommen, die lediglich den Bezug Gottes zu den Menschen, aber nicht zu Israel darstellen, wie Hiol^ Sprüche, Kohelet u. s. w. und man sieht daraus, daß der Geist der Schrift kein national beschränkter sein soll, wie doch auch die Talmudisten das mosaische Sittengesetz als für alle Welt gehörend bezeichneten. c) Waren selbst die Sendungen der Propheten nicht blos an die Juden, sondern auch an heimische Völker gerichtet; Jona ging nach Assyrien, Jesaxa, Iirmijja und Ezechiel haben heidnische Völker in den Kreis ihrer Weissagungen gezogen und als Salomo den Tempe^ ein geweiht, da fiehete er zu Gott, auch das Gebet der Heiden zu erhören. Die Haggada hat die Erhabenheit Gottes über alle nationalen Schranken noch überdies durch biblische Legenden verherrlicht. 2) Den zweiten Vorwurf, der dem W. gemacht wird, giebt den Feinden des Iudenthums das Opferin sti tut, das sie als etwas ganz Heidnisches betrachten. Ohne auf eine antiquarische Untersuchung über die Opfer einzugehen und selbst zugegeben, daß die jüdische Opferinflrtution dem heidnischen Opferwesen in seiner Aeußerlichkeit nachgeahmt sei, so ist es doch eben so gewiß, daß der Zweck der biblischen Opfer ein ganz anderer als der der heidnischen war. Schon daß dem Opfer blos der Rang des Gebets angewiesen, wird, daß die Propheten später selbst gegen das Opferwesen protestirten, zeigt die große Verschiedenheit. Die heidnischen Opfer hatten den Zweck, die erzürnten Götter durch Blut zu versöhnen, und es war natürlich, daß je erzürnter man sich bei Kalamitäten die Götter dachte, um so größer mußte das Opfer sein und als Hekatomben nicht mehr besänftigt, suchte man durch Menschenopfer zu versöhnen. War im Heidenthum das Opfer für die erzürnte Gottheit, so war es im Mosaismus für den Menschen; es war wie das Gebet (Spr. 15, 8), das wo Herz und Gesinnung fehlt, keinen Werth hatte (Ies. 29, 13), aber wo Gesinnung und Herz ist 8