Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 5 (29.1.1848)
- Date
- 1848-01-29
- Page
- Spalte 65-66 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Orients. Berichte, Studien und Kritiken f ü r jüdische Geschichte «nd Literatur. JV? 5. Leipzig, den 29. Januar 1848. Inhalt. Studien. Die aramäischen Fabeln der Geonim. Von Dr. L a n ds b er g e r. lFortsetzung.) Einblicke in die talmudischen Fabeln. Das Pantscha-tantro, Aesop, Syntipas. Proben — Literarische Miscellen. Etymologisches. Ueber Schriftgattungen. Von H. L. Schick. — Kritiken. Kurze Anzeigen. Salvador und Sichler v. J.M. Jost. — Ankündigungen. Die aramäischen Fabeln der Geonim. Von Dr. Landsberger. (Fortsetzung.) Der Typus zur äsop'schen Fabel von einem Manne, der eine vor Frost erstarrte Schlange in seinem Busen erwärmte und von dieser dann getödtet wurde, scheint mir folgende von der Pantscha-tantra erzählte zu sein: ,,Vier Brahmanen", heißt es dort, „wohnten in einem und' demselben Dorfe; sie waren alle sehr befreundet miteinander. Drei davon hatten sich bedeutende Kenntnisse erworben; doch fehlte es ihnen an natürlichem Verstände. Der vierte hingegen war sehr verständig, hatte aber nichts gelernt. . Da sie arm waren, setzten sie bei einer ihrer Zusammenkünfte fest, nach irgend einem Lande zu reisen, in welchem die Wissenschaft beschützt, und dessen König sie bald mit Geschenken überhäufen würde. Als sie die Reise bereits angetreten hatten, bemerkte der älteste von ihnen , der ungelehrte Brahmane müsse zurückkehren, weil er doch keine Kenntnisse besitze, um die Aufmerksamkeit des Königs auf sich zu ziehen und Geschenke von ihm zu erhalten. Da jedoch der jüngste von den gelehrter: Brahmanen für ihn bat, durste dieser sie weiter begleiten. Auf ihrer Reise kamen sie durch einen Wald, in welchem sie die zerstreuten Gebeine eines (todten) Löwen (Lire scaUereä bones of a d ea d iion) erblickten. Da sagte der eine: Ich habe eine gewisse Methode ausfindig gemacht, mittels welcher die Wesen wieder belebt werden können; was meint ihr, sollen wir dm Versuch machen und die Kräfte der Wissenschaft anwenden, um dieser: Gebeinen Leben und Gestalt zu geben? Sie willigten ein. Der Eine unternahm es, die Gebeine zusammcnzusetzen, der zweite die Haut und das Fleisch und Blut zu verschaffen und der dritte, der Figur Leben einzuhauchen. Als die zwei ersten ihr Werk beendigt hatten, wellte der dritte beginnen, doch der vierte hinderte ihn daran, indem er ansrief: Bedenke doch, was du zu machen im Begriffe bist; wenn du den Lower: wiederbclebest, so wird dieFvlge davon sein, daß er uns zerreist^. „Hinweg Dummkopf", erwiedcrte aber der'Weise, ich entwerfe meine Pläne nicht vergebens". „So warte wenigstens einen Augenblick^, erwiederte der mit natürlichem Verstände begabte Mann, „warte bis ich diesen Bann: werde bestiegen haben^. Dies sprechend kletterte er auf den nächsten Baum, und seine gelehrten Freunde führten dann ihr Unternehmen zu Ende. Ein wirklicher lebendiger Löwe war gebildet, siel aber über die drei Philosophen her und todtete sie. Als der Löwe dann abgezogen war, stieg der mit natürlichem Verstände begabte Mann (the man of common sense) von seinem Versteck herab, und erreichte wieder seine Heimat in Frieden". Diese Fabel wird in der Pantscha-tantra vor der Erzählung derselben durch die Worte erklärt: Es wird mit Recht behauptet: Besser Verstand als Wissenschaft (Beiter sense llian Science). Diejenigen, welchen es an gesunder Vernunft fehlt, werden sicherlich so zu Grunde gehen wie die, welche den Löwen wieder belebten". Die äsop'sche Fabel kürzte die Erzählung ab, wandelte den Löwen in eine Schlange um und setzte als Affabulation die Worte: 5