Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1848-01-22 · 4 (22.1.1848) · p. Spalte 49-50

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
4 (22.1.1848)
Date
1848-01-22
Page
Spalte 49-50 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8555529-9897534-9897530--5290-3533837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Literatttrblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken f ü t jüdische Geschichte und Litemtm. ■Jfyg 4» Leipzig, dm 15. Januar 1848» Inhalt. Studien. Die aramäischen Fabeln der Geonim. Von Dr. Lands b er g er. — Literarische Miscellen. Maimuni's Schrift über die Apostasie von Rabb. Oppenheim. — Kritiken. Kurze Anzeigen. Friedenthal. Salvador und Sichler v. I. M. Jost. — Ueber Parabeln und Sentenzen im Talmud. Mit Bezug auf die Parabeln und Sentenzen im neuen Testamente. Von Aipser. — Ankündigungen. Die ar am ä§ schon Fabeln : der ' Geonim. Von Dr. Äandsberger. Sie haben wohl die Güte, geehrter Herr Redakteur, einigen aramäischen Fabeln, deren Text ich dem von Goldberg edirten Chofes Matmonim entnommen, und die ich sowohl mit dem Manuskripte, das mir der Besitzer desselben , Hr. Dr. Heinemann in Berlin, zur Einsicht vorzulegen die Gefälligkeit hatte, alö auch mit den Lokman'schen und Aesop'schen Fabeln verglichen und korrigirt, jedoch in meiner Broschüre: fal)ulae aliquot aramaeae etc. nicht ausgenommen habe, die Spalten Ihres Blattes zu öffnen. . Sie gestatten mir aber wohl auch diesen Fabeln einige Worte über die Fabel überhaupt, so wie das Historische der aramäischen Fabelsammlung, das ich bereits in meinem Schriftchen in lateinischer Sprache niedergelegt, in veränderter Gestalt und mit einigen Zusätzen versehen, vorauszuschicken. Die Fabel ist ein schriftstellerisches Erzeugniß, das mehr in dem Boden der Philosophie als in dem der Poesie wurzelt und diese letztere ist hier gleichsam nur alö Dienerin zu betrachten, die von jener in Sold genommen worden, um durch sie ihre Wahrheiten feil bieten zu lassen. Denn ist auch die Fabel als solche nur ein Produkt der Phantasie zu nennen, so müssen wir doch bekennen, daß der Verfasser derselben sie nur zur Verkörperung von Ideen geschaffen, zu denen sie mittels philosophischen Nachdenkens, oder besser, mittels der Moral und Politik, also des praktischen Theiles der Philosophie, gelangt find. Durch die Fabel sollen dem Volke nämlich gewisse gemeinnützige praktisch-philosophische Sentenzen ztlr anschauenden Erkcnntm'ß gebracht werden, die auf dem Wege philosophischer Demonstration zu erklären theils unmöglich, theils zu ermüdend wäre. Die Verbreitung moralischer und politischer Gedanken oder Lehrsätze ist demnach der Hauptzweck der Fabel, während das ihr nmgehängte poetische Gewand blos zur Lockspeise für den Hörer oder Leser dienen, und daher als etwas ganz Nebensächliches betrachtet werden soll. Unsere Alten, die den Werth der Fabel wohl erkannter! und schätzten, sprachen dies in den bekannten, sinnreichen Worten aus: ’H' by xb irraa nmü n^.nD in-sht -{hüb bm nmN Naib nid “iDwn n^ns , wo sie die der Fabel untergebreitete Idee mit einem Goldstücke oder einer wcrthvollen Perle, die poetische Ausstattung derselben aber mit einem für geringes Geld zu erkaufenden Lichtchen vergleichen. Welches Volk die Fabel erfurrden, dürfte wohl schwer zu ermitteln sein, kemesweges aber sind wir im Jrrthume, wenn wir den Orient, diese Wiege alles menschlichen Wissens, als die Duelle betrachten, aus der sie zuerst geflossen.' Einige* Schriftsteller wollen in Indien das Vaterland der Fabel erblicken, weil dort der Glauben an Seelcnwandcrung geherrscht, nu^den Thieren eine der menschlichen ähnliche Seele zugeschrieben worden, weshalb es da ein Leichtes war, ihnen auch Ideen, Leidenschaften und die Gewalt der Sprache an- *) So besonders Loiseleur Deslongchamps in seinem Essai sur les fables indiennes. 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.