Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1848)
- Date
- 1848-01-22
- Page
- Seite 32 (sequence 15)
- Language
- German
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32 teri. Dieser Vortrag hatte übrigens daß Verdienste daß die Gedankenfülle nicht znm Nachtheile des Gefühls überwiegend war; denn der mit natürlicher Rednergabe beglückte Prediger wußte bei dem zahlreichen Auditorium erbauliche Sympathien zu erwecken, die gewiß langen Nachhall finden werden. Mag es sein, daß die glühenden Gefühle der Kindesliebe, welche sich hier zu offenbaren Gelegenheit hatten, dem talentvollen Redner zu Hilfe kamen, in Entgegenhaltung des Jmpromtü, kann dieser überraschende Effekt dann doch nur bei vorhandenen vielseitigen Studien, und gewandter Beredsamkeit möglich sein, da Ausdruck und Inhalt den Typus der Vollkommenheit nicht verkennen ließen. Dieser junge Rabbiner, Herr Hermann Hamburger ausBohmifch- Leippa, der bei der ihn ehrenden Versammlung, wie ich vernahm, längst als beliebter Prediger in.Achtung steht, hat allerdings den Verlust einer Mutter Zu beklagen, jedoch erneu großen Gewinn an allgemeiner Verehrung sich zu erfreuen. — In einer größeren Genwinde würden die Talente dieses ausgezeichneten Kanzelreduers größere Würdigung erlangen, und derselbe in nicht gar langer Zeit als eine Celebrität gefeiert werden. Diese gefällige Erscheinung beruhigte zum Theil meine Befürchtungen wegen der hier in allen Verhältnissen ausgesprochenen Gleichgiltigkeit gegen religiöse Interessen, und habe ich das talmudisch verödete Prag ob seiner verschwundenen Blüthe bedauert: so gelangte ich hier zur Ueberzeugung, daß die Gelegenheit zur Bildung trefflicher Rabbiner und Kanzelredner denn doch nicht so gar ferne Liegen kann. Meine weiteren Forschungen brachten mir die gewiß nicht unmerkwürdige Kunde, daß die Landgemeinden in Böhmen, der Förderung religiöser und selbst kommunaler Interessen, bei weitem mehr Aufmerksamkeit zuwmden, als die. der Hauptstadt. Auch sollen die Religionövorstände der Landgemeinden viel mehr Energie entfalten als die"in Prag, welche letztere weder kontilinirliche Talmud-Vorträge halten, noch für die Kanzel überhaupt geeignet sind; ihre ganze Wirksamkeit beschränkt sich auf Ertheilung von Bescheiden in religiös-kasuistischen Anfragen, und auf Hemmung jeder einem höheren Bitdungsstande und einer gnnstigern Stellung entsprechenderen, wenn auch religiös, ganz unwesentlichen Reform. Für diese über 10,000 Seelen starke, in 9 Synagogen gcthcilte Gemeinde,.ist nur eine Predigerkanzel vorhanden, welche von dem trefflichen Dr. Kämpf vertreten wird, Alles übrige erwartet eine bessere Zukunft von einer erst im Entstehen befindlichen besseren Gesinnung. — Bezüglich eines Handwerks-, Kunst- und Ackerbau-Unterstützungsvereines, von welcher hier viel gesprochen und wenig gethan wird, muß man einstweilen das Wort für That annehmen. Großbritannien. London,, 6. Jan. Die jetzt veröffentlichte Bill wegen Emancipation der Juden verfügt in der Hauptsache nur die nöthige Abänderung in der Formel des von Parlamentsmitgliedern, Beamten re. zu lcistendcu Eides. Zugleich aber schließt siedie Juden von der Regentschaft des Reichs, von allen kirchlichen und Universttätsämtern und von den Aemtern des Lordkanzlers, des geheimen Siegelbewahrers, des Lordlieutenants von Irland und des Lordkominissars bei der schottischen Kirchcnveesammlnng ans, sowie sie denn auch weder direkt noch indirekt die Krone in kirchlichen Angelegenheiten sollen bcrathen dürfen und die Ausübung ihrer kirchlichen Patronatsrechte dem Erzbischöfe von Ccmterbnry überlasseu müssen. (D.A.Z.) London, 8. Jan. Nach Lord I. Ruffels Bill sollen Juden, wenn sie ins Unterhaus eintreteu, folgenden Eid leisten: ,,Jch N. N. gelobe und schwöre feierlich, daß ich ihre Maj. der Königin Victoria treu sein und rechte Vasallenpsticht ballen und sie nach meinen besten Kräften gegen alle Verschwörungen und Anschläge jedweder Art, die gegen ihre Person, Krone itnt> Würde angestiftct werden mögen, vertheidigen will; und ich will Alles anfbieteu um zu entdecken und Ihr. Maj., ihren Erben und Nachfolgern kund zu machen alle Verräthereicn und verrätherischen Verschwörungen, welche gegen dieselbe oder dieselben angcstistet werden mögen, und ich gelobe getreulich, nach meinen besten Kräften die Thronfolge zu behaupten, zu unterstützen und zu vertheidigen, welche Thronfolge durch eine Akte unter dem Titel „Eine Akte zur weiteren Einschränkung der Krone und zur bessern Sicherstellung der Rechte und Freiheiten des Unterthanen beschränkt ist und bleiti, auf die Prinzessin Sophie, Kursürstin von Hannover und deren Leibesecben von protestantischem Glauben, und ich verläugne und beschwöre hiermit durchaus jeden Gehorsam und Vasallenpflicht gegen jedwede andere Person, welche ein Recht auf die Krone dieses Landes prätmdiren oder in Anspruch nehmen sollte; und erkläre nicht zu glauben, daß irgend ein fremder Fürst, Prälat, Person, Staat oder Potentat irgend welche weltliche oder bürgerliche Gerichtsbarkeit, Macht, Hoheit oder Vorrang, mittelbar oder unmittelbar in diesem Reiche besitzt oder besitzen sollte. Ich schwöre daß ich, nach meinem besten Kräften den Bestand des Eigcntbnms in ^diesem Reiche, wie er durch das Gesetz fcstgestellt ist, verth-eidigcn will, und ich verläugne und verschwöre hiermit fei erlich jedwede Absicht, das gegenwärtige Kirchen in stitut, wie cs durch das Gesetz in diesem Reiche Bestand hat, umzustoßen; und ich schwöre feierlich, daß ich nie irgend ein Privilegium, zu welchem ich berechtigt bin oder werden kann, dazu auwenden will, um die protestantische Religion oder die protestantische Regierung in dem Vereinigten Kömgreiche zu stören oder zu schwächen; und ich betheure, bezeuge und erkläre, feierlich vor Gott, dnß ich diese Erklärung und jeden Theil derselben abgebe in dem ckisfachen und üblichen Sinne der Worte dieses Eides ohne irgend welche Ausflucht, Zweideutigkeit oder mucru Vorbehalt. So helfe mir Gott. (D. A. ZZ Verlag von C. L. Fritzsche» Druck von I. H. Nagel.