Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1848)
- Date
- 1848-01-15
- Page
- Seite 24 (sequence 15)
- Language
- German
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24 Bel der V ollstreckrrng mancher Wohlthat die nicht dazu geeigneten Hände ins Spiel kommen, ist es die Schuld des Volkes gewiß nicht. Sobald der Verstorbene in einer Familie zur Ruhe bestattet worden, kommt der Diener der N~on mit zwei Büchsen, wovon die eine verschlossen und die andere offen ist. In beiden befindet sich Geld Das in der offenen ist für die Leidtragenden bestimmt. Sind diese arm, so nehmen sie es, nachdem der Diener weggegangen, heraus. Sind sie wohlhabend, so werfen sie cs in die verschlossene Büchse und selten ohne klingende Begleitung. So ist die verschämte Armu-th vor jeder Beschämung oder boshaftem Vorwurf sicher. Unweit Preßburg liegt Bösirrg. Ein altes kleines Freistädtchen, dessen liliput-hoheitliches Magisträthchen bis zum Landtag d. I. 1840 keinen Juden innerhalb seiner alten Ringmauern dulden wollte. Dieses Städtchen mit seiner zerbrochenen Mauer mit seinem Judenhaß deutscher Unduldsamkeit und slavischer Dummheit, kam mir immer vor, wie eine alte häßliche Dame, die in dem Metnsalem-alten, vergilbten Damastkleide emherstolzirt und nicht einsehen will, daß dies schon längst aus der Mode und sie, obwohl häßlich genug, in diesem Kleide aber vollends ekelig. — Draußen hinter der Mauer hatten die Juden ihr Ghetto. — Auf einem an die Stadt stoßenden palvischen Grunde haust die bekannte bosinger Diebeskolonie, mit einer vollkommen kahalischen Einrichtung, also: Rabbiner, Synagoge, Schochet. — Es gicbt noch mehre solche Ranbuester aus herrschaftlichen Gründen in Ungarn j. B. Dina. Diese Piraten ziehen des Sonntags auf nahe und ferne Märkte, viele mit Weib und Kind, und kommen Freitags zur heiligen sabbatlichen Feier heim, beladen mit Beute oder mit blutunterlaufenen Striemen', Beulen und zerbrochenen Gliedern. Erstere prassen und schwelgen , letztere heilen ihren zerfleischten Körper oder ihre zerbrochenen Glieder und ziehen des Sonntags von Neuem ans den Steigreif. Diese Ritter von Langfinger sind aber sehr fromm; sie beten sehr ffeißig, viele sogar in Talit und Tefillm, sie waschen die Hände zum Essen, und „benschen". Welch' ein furchtbarer Hohn! Welch' ein. in die Seele schneidender Spott mit dem Atlerheiligsten getrieben! Der Dieb, der Räuber ^wäscht die Hände und spricht den Segen über dem geraubten Brodel Buchstäblich n jwj -pu yybl! Aber welch' eine gleichgültige Nachlässigkeit von Seiten der ungarischen Juden, einen solchen Schandfleck in ihrer Mitte zu dulden! Hierher, Ihr Magyarisirendcn wendet Eure Blicke, hier giebt es ein Feld von Dornen und Disteln zu reinige,: in dem Garten Gottes, im Hause Israels! — Es ist aber auch eine Freiheit, dir ein N e ch t giebt, Diebe und Mörder auf seinem Grunde zu schützen, eine wahrhaft barbarische und jedes edle Gefühl empörende. Die afrikanischen Ranbstaaten gehen allmälig durch das kräftige Entgegenwirken der europäischen Mächte zu Grunde — und ein aufgeklärter Staat mitten in Europa duldet in seiner Mitte solche öffentliche Ranbnestcr l Ja nicht nur duldet', sondern schützt sie sogar und befördert dadurch ihren Wohlstand, Vermehrung — eine Geißel der Menschheit, eine Schande der Civilifation! Indessen, wenn wir diese Klasse von Menschen, die allerdings von der bessern Gesellschaft pariaartig ausgeschlossen, gegenüber einer andern amatgainirt mit und cmmttrt aus der sogenannten vornehmen Welt— j ü d i s ch oder christlich gleichviel — betrachten; so muß uns die Frage aufstoßen: welcher Unterschied ist dam: zwischen Jenem-, der das Geld, das er haben will, durch eine gewisse Fing erg eschicklichl'eit geradezu aus der Tasche seilles Nebenmcnschen holt und demjenigen, der es auf eine Weise zu thnn versteht, wobei ihn die Gesetze unterstützen muffen, trotz dem die Vollstrecker des Gesetzes cs recht wohl einsehen, daß das Geld des zu Grunde gerichteten Familienvaters Nichts weniger als auf eine rechtmäßige Weise in des Wucherers Tasche gekommen. (Beschl. folgt.) Italien. Rom, 17. Dee. 184?. Der Felsineo von Bologna erhebt sich gegen die in mehren Provinzen des Kirchenstaats stattfindende Ausschließung der I ud en vom Diehste der Bürgergarde und spricht sich bei dieser Gelegenheit zu Gunsten ihrer Emanclpation in folgender Weist' aus: „Wird denn etwa ihr Geld in den öffentlichen Kaffen znrückgewiesen? Und wenn Allen ohne Unterschied des Glaubens das Gesetz die Verpflichtung anflegt, mit ihrenn Vermögen zu den Bedürfnissen des Staats beizutragen, warum sollte diese Unterscheidung nöthig sein, wo es sich um persönlicher: Dienst handelt. Warum nimmt man die Protestanten auf und weist die Juden zurück. Warnrn zeigt die Regierung Toleranz uild Kourtoisie gegen den Kaiser der Türken, während sie gegen die eignen i s r a e l i t i sch e n U nt er t h a n e n bei ihrer Härte verharrt? Dieser unglückliche Stamm, von Gesetzen, welche durch so viele Jahrhunderte herrschten, in dem traurigsten Zustandegehalten, mußte in nothwendigcr Reaetion gegen die Unterdrückung feindselige Gesinnungen hegen gegen die Herrschenden, die i(m’ unwürdig des Charakters voll Menschen und Bürgern wollten. Aber um sie zu bessern Gefühlen der Gerechtigkeit und Liebe zllrückznsühren, um sie zu einem vollkommnercn Glauben cinznladen, wollen wir doch bei der allgemeinen Wiedergeburt nicht für sic allein jene Sonne der Freiheit verdunkeln, die uns Aller: leuchtet und uns nmwärmt." (D. A. Z.) Verlag vpn C. L. Fritzsche, Druck von I. H. Nagel.