Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 1 (1.1.1848)
- Date
- 1848-01-01
- Page
- Spalte 1-2 (sequence 1)
- Language
- German
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Literaturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M JL Leipzig, dm 1. Januar 1848. In halt. Kritiken. Kurze Anzeigen. Jakobson. Arnold. Beer. — Studien. Literarische Analekten. Antworten auf wissenschaftliche Anfragen von Jul. Fürst — Jacotot und das Unterrichtsverfahren bei den alten Israeliten. Von L. Weil. — Literarische Miscellen. Die Stadt Beuthen von Dr. Wiener. — Vier Fragen von Dr. Fränkel. — Ankündigungen. Kurze Anzeigen. 1) Katechetischer Leitfaden beim Unterricht in-der isr. Religion mit einem Anhänge, enthaltend: Bibelkunde. Von Dr. I. H. Jacobson. Zweite und vermehrte Auflage. Leipzig 1847. Bei C. L. Fritzsche. Bei der Masse jüdischer Religionsbücher für die Jugend blieb ein Büchlein, das in gedrängter Kürze die wesentlichsten Lehren der Religion umfaßt, immer noch sehr wünschenswerth für Lehrer und Schüler. Für Erstere, um von Zeit zu Zeit leicht eine Rekapitulation vornehmen und für den Schüler, um aus der Masse des Unterrichts Anhaltspunkte fürs Leben daraus gewinnen zu können. Denn nachgerade zeigt es sich, wie durch das ewige Katechisiren und Sokratisiren wohl für den formellen Schulzweck, wenig aber fürMeligionskenntniß, fürs Leben gewonnen wird. Ein Versuch diesem durch ein Büchlein, dem Lutherischen Katechismus nachgebildet, zu genügen, ist als ein ziemlicher mißlungner zu bezeichnen. Das obengenannte Merkchen aber zeichnet sich vortheilhaft durch reichen Inhalt auf nur wenigen Blättern und durch billigen Preis aus, so daß es eine zweite Auflage in kurzer Zeit erlebt, ist eine seltne Erscheinungbei einem Merkchen für die jüdische Welt, die gewiß für seine Brauchbarkeit zeugt. Kann auch an rin solches Merkchen der Maaßstab strenger Katechetik nicht gelegt werden, und so manche vage unvorbereitete Fragen passiren lassen, so hatte doch Manches vermieden werden können. Gleich die erste Frage: „Was ist Gott?" fallt mit der Thür ins Haus hinein.» Frage 17 „Und wenn uns Gott straft?" ist gar keine katecherische Frage. „Woher wissen wir dies Alles von und über Gott? (Fr. 35) ist zu komponirt. „Was lehrt uns die israel. Religion (Fr. 50) zu vag u. dgl. Fragen mehr. Die „ Bibelkunde" ist zu ärmlich ausgefallen. — Bei allen diesen Ausstellungen enthalt das Werkchen ein reiches Material, und Referent ist so sehr von seiner Brauchbarkeit überzeugt, daß er amtliche Schritte thun wird, die Einführung desselben in den israel. -baierischen Schulen zu ermöglichen. Ems aber möchten wir bei dieser Gelegenheit noch aussprechen. Herr Jacobson, welcher sich durch eine Reihe guter Schulschristen in kurzer Zeit hervorgcthan hat, ist Lehrer. Wenn wir ihm die auch in der Lehrerwelt allmälig einreißende Doktor-Sucht zu gute halten wollen, so müssen wir's beklagen, daß ers meidet seinem Namen die Bezeichnung seines Amts beizusetzen. Es will uns bedünken, dies würde feinen Werken einen höhern Werth geben, weil sie sogleich das Zeugnis des Praktischen und Bewährten in sich schlösse. Hr.Dr. Jacobson nehme diese Bemerkung einem Kollegen nicht übel, der von dem Lehrerstand jede Schwäche ferne und die Männer in der literarischen Welt seinem Stande erhalten wissen will, die sich auszeichnend' in ihm hervorthun. Darum ja „keinen Zorn nicht!" —m— 2) Die Beschneidung und ihre Reform, mit besondrer Rücksicht auf die Verhandlungen der dritten Rabbinerversammlung von Dr. A. Arnold, prakt. Arzt in Dessau. Leipzig, Verlag von Heinrich Hunger. 1847, 8. Zu den Werken von Collin, Bergson, Friedreich und A. über die Beschneidung kommt noch das obige, ein Beweis, daß diese Frage noch nicht erschöpft und erledigt, aber auch, eben weil sie noch einen Verleger und ein Lesepublikum findet, daß sie tief im Volksbewußtsein wurzelnd, eine friedliche Lösung finden wird. Aber ohne Bcschneidung kein Judenthum und wenn auch in Hamburg wie in Frankfurt der weltliche Arm sie fallen läßt. Hr. Dr. Arnold spricht als Vater und Jude und es gebührt sich, daß man ihn höre. Was er von 1