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Der Orient · 1848-01-01 · Heft 1 (1.1.1848) · p. Seite 8

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 1 (1.1.1848)
Date
1848-01-01
Page
Seite 8 (sequence 15)
Language
German
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8 und schweren.- Gründe geltend machen kann, welche kn Betracht kamen, als es sich um Beseitigung der bürgerlichen und politischen Beschränkungen handelte, denen Dissidenten und Katholiken noch unterworfen waren, so betrifft doch die dem Hause vorgetegte Frage die bürgerlichen und politischen Rechte von 40,000 britischen Unterthanen. Die Frage über Zulassung von Juden ins Parlament ist mehr eine Principienftage als eine politische. Von dem Gesichtspunkte ausgehend, daß jeder Engländer ein Recht auf die Ehren und Vortheite besitzt, welche die britische Verfassung gewährt, und daß religiöse Meinungen niemals ein Hinderniß des Genusses dieser Vortheile abgeben sollten, behaupte ich , so Lange nicht nachgewiesen wird, daß die Juden schlechte Bürger sind, daß sie auch gleiche Rechte wie die Christen genießen müssen. Ohne bei den Ansprüchen verweilen zu wollen, welche die Jude,: auf unsere Achtung als gute und loyale Unterthanen etwa besitzen, und da ich gar nicht komme, eine Gunst für meine israelitischen Brüder von Ihnen zu verlangen, will ich nur. kurz die gegen ihre Zulassung ins Parlament erhobenen Einwendungen betrachten» ES ist gesagt worden, daß man durch die Zulassung der Inden das Land cntchristlichen, ihm seinen christlichen Charakter entziehen und zu dein öffentlichen Funktionen Ungläubigen aller Art Zutritt geben wolle. Allein ich verneine, daß über die religiöse Gesinnung eines Menschen irgend eine Gewißheit dadurch erhalten werde, daß man ihn ein Bekenntniß deshalb unterschreiben läßt. England wird ein christliches Land genannt, obgleich seine Beivohner eine Gesellschaft von Individuen verschiedener Glaubensbekenntnisse bilden. In gleicher Weise wird auch eine gesetzgebende Versammlung eine christliche heißen tonnen, wenngleich Mitglieder davon die jüdische Religion bekennen. Was die Verfolgungen anlangt, welche die Juden ttt den Jahrhunderten der Barbarei zu erleiden hatteil, so wurden diese hauptsächlich von den Katholiken über sie verhängt. Das zur Zeit der Reformation ausgestellte Bckenntniß war weniger gegen die Juden als gegen die Katholiken gerichtet. Andere haben behauptet, die Zulassung der Juden zu parlamenlischeu Funktionen sei uukoustitutioiiliel, indem das Christenthnm die verfassungsmäßig proklamirte Landesreligion sei. Ich kailn diese Auslegung nicht zugebeu. Es ist nichts in der Gesetzgebung zu finden, was die Juden des Rechts beraubte, im Parlamente zu sitzen. Mau hat ferner gesagt, die Juden bildeten eine Bevölkerung für sich. Die Juden verneinen das. Und in der That bilden sie kein verschiedenes Volk, sondern sind in aller Weise mit der Gesellschaft verschmolzen, von der sie einen Theil ansmachen. Ein Jude und französischer Unterthau hangt an Frankreich ebenso, wie der englische Jude an England hängt. Allem wenn es wahr wäre, daß die Juden für ihr Vaterland dieselbe Anhänglichkeit nicht empfänden wie die Christen, würde das nicht den Verfolgungen zugeschriebm werden müssen, deren Opfer sie" waren? Von eifrigen Orthodoxen ist angeführt worden, daß Weissagungen über die Hebräer ihre Zerstreuung vorher verkündet hätten. Dürfte das aber als Grund gelten, wo sollte man da aufhören? In Frankreich werden die Inden geachtet und zu öffentlichen und höchsten Funktionell zugelasftn. In England übertragen wir ihnen bürgerliche Befugnisse, und vor wenig Tagen erst ist ein Bekenner der jüdischen Religion als Aldermann der City von London vereidet worden. Ich wiederhole, wer wagte bcn angeführten Weissagungen eine'Grenze zu setzen? wer möchte behaupten, der Allmächtige habe/ einen Juden wohl zum Schöffen, aber niemals ein Parlamentsmitglied werden lassen wollen? Die Bezeichnung als Jude ist stets eine Geringschätzung gewesen. Mit Vergnügen aber sehe ich, daß dieses Vorurtheil fast vollständig verschwunden ist, zumal in dieser Hauptstadt, indem 7000 Wähler zu ihrem Vertreter in diesem Hause einen Abkömmling jenes vor kurzem noch verfolgten Volkes ernannt haben. Fragt man nach dem Hauptbeweggrunde, der mich zu dem vorliegenden Anträge treibt, so berufe ich mich zuerst auf Grundgesetze des britischen Reiches, die jedem Menscherl den Lohn, die Ehren, die öffentliche Achtung zu sichern bezwecken, auf welche. Talent und Leistungen ihn: ein Recht geben. Ich verweise auf diese Verfassung, die ein Feind der Beschränkmlgcn und Ausschließung ist. Im Namen dieser allen Britten theuren Verfassung fordere ich das Hans auf, diese letzte Spur religiöser Verfolgungen und Vorurtheile finsterer unb barbarischer Jahrhunderte verschwinden zu machen. Ich verlange von ihm im Namen der Verfassung, die Juden zuzulassen zu allen- Privilegien , zu allen Rechten, auf die alle andern nicht davon ausgeschlossenen Bürger stolz sind. Ich beschwöre das Haus im Namen der Freiheit und heiligen Gerechtigkeit, ich beschwöre es im Namen des Christeuthnmö, das eine Religion des Friedens, der' Milde und des Wohlwollens ist gegen alle Menschen und das vorschreibt, Andern nicht zu thun, was wir nicht wünschen , das uns gethan werde, meinen Antrag anzunehmen und seine Aufmerksamkeit den bürgerlichen und politischen Beschränkungen zuzuwenden, von welchen die israelitischen Unterthanen Ihr. Maj. betroffen werden/' Unter langem Beifall von einem großen Theile des Hauses beendete der Premierminister seine Rede. Perlag von G. L. Fr i tz sch e. Druck von I. H. Nagel.

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