Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1847)
- Date
- 1847-12-17
- Page
- Seite 408 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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408 Das Gewölbe geöffnet, Der Käufer hineingefill)rt. Während dessen steht die eine Ehehälfte, Winter mit dem wärmenden Feuertopf und Sommer/ mit dem Schweißtuch in der Hand auf der Wache. ,,Zumachen, zumachen! der Kommissär!" erschallt es von Laden-zu Laden. In einem Nu sind alle Läden abgesperrt. 'Glücklich, wenn der draußen wachhabende Gemahl oder die Gemahlin keine Ursache hat auf die Eingesperrten eifersüchtig zu sein; denn finster ist es in diesen Gewölben, wie in einem Sackel Aber noch glücklicher, weun Die Gefahr vorüber, d. h. wenn der ,,Stadtguarde" seine Paar Groschen oder ,,Boles" Zigarren eingesteckt, oder der Kommissär Einen beim offenen Gewölbe erwischt und zum Strafezählen aufgeschrieben und der - Käufer befriedigt oder unbefriedigt fortgeht, man alsdann keine Lücken beim Wegräumen der Waare bemerkt. Saget Ihr christlichen Herren von Preß bürg, seid Ihr mehr 'christlich' als seine geheiligte apostolische Majestät unser allgeliebter Kaiser, der.seinen Juden in Prag in der Judcngasse alle ihre Geschäfte an christlichen Feiertagen erlaubt? O über Euch Ihr Preßburger Spießbürger! Wie lange Ihr Krähwinkler, wollet Ihr noch Preß— bürg er bleiben l Schweden und Norwegen. Stockholm, 1. Novemb. (Schluß.) Dann skizzirte der Redner das gegenwärtige Judeuthum in 3 sich gegeni'rberstehende Klassen. Die Altgläubigen, welche das Gesetz und alle Gebräuche als steinernes Götzenbild göttlich verehren, diese sind nur zu frommen Maschinen zu vergleichen; dann die leichtsinnigen Vernünftler, bei denen Religion und Glauben nur in Hirngespinnsten und zufälligem Empfindet» bestehen; und endlichEdie vernünftig-gläubige Schaar des Judenthums, die zwar schwach an Zahl aber stark in der Wahrheit ihrer guten Sache sich die Wotte des Kohelet (7, 18) ju ihrem Wahlspruch erkoren: „Gut ist'S, daß man am Geiste der Lehre festhätt, aber auch von der vorgeschriebenen Form darf man nicht leichtsinnig (affen; aber der wahrhaft Gottesfürchtige erreicht den Zweck Der Lehre durch Alles, durch alle Mittel, die ihm Zeit mrd Umstände an die Hand bieten." Sehr schön war die Anspielung auf dm Namen Israel von bei dem das Göttliche und Geistliche vorherrschend sein muß. Als ewig bestehende Grundlage des Gesetzes bezeichuete derselbe den Boden der Heiligkeit, auf dem der Israelit feststehen soll (2M. 3, 5). Die Exegese dieses, wie sie der Redner zu seinem Zwecke meisterhaft benutzte, daß man nämlich (-ph.n b])ü bw) die Hemmschuhe der 'äußern Formen, Gott in einem brennenden Dornbüsche oder in irgend einer andern gläu- Berlag von C. L- Fritz schc. zenden Erscheinung und Form / ab werfen müsse, um auf Dem Boden - der Heiligkeit zu stehen, iss zu kühn und ist | vom orthodoxen Standpunkte verfänglich. jj Im zweiten Haupttheile suchte der Redner msbesondere die ewige Bedeutung des Sukkotsestes darzuthun, wobei der 118 Psalm B. 5—20 als Textworte exegetisch dahin erläutert wurde, daß der Mensch seine Leiden, Freuden und Hoffnung nur Gott allein unter ordnen soll. Das Hüttenfest soll demnach den Israeliten erinnern, 1) daß Gott es ist, der. von Leiden befreit; 2) daß Gott es ist, der Freuden verleiht; und 3) Gott iffs auch, der das Leben erneut durch Unsterblichkeit. Das erstere wird durch die Erinnerung an die Befreiung von den Leiden Egyptens, das zweite durch die Freude vor Gott mit den schönsten Landesfr achten,. und das dritte durch das Wohnen in der gebrechlichen Hütte angedeutet. Schön und wahr ist die Erklärung von dem schwierigen „jml? DDD" und [n-6 rrriyD von nb verbinden und vereinigen. Wir hoffen nämlich , daß wir einst weilen werden in der Hütte der Vereinigung mit Gott und genießen Der Wonne, daß unser Geist zu seinem Ursprünge zurnckkehrcnd sich mit Gott vereinigen werde. Auch die räthselhaften Verheißungen von und iDn hat der Redner rhetorisch und passend erklärt. . Dieses ist der flüchtige Inhalt der ernsten und mit einer lehrreiche!! Exegese -— worin der Redner hauptsächlich eine bewundernswürdige eigentbümliche Meisterschaft erlangt hat — gewürzten Predigt, welche gewiß nicht ohne heilsamen Einfluß bleiben wird. Indem ich schließlich hierdurch dem talentvollen Redner im. Namen der Gemeinde den innigsten und ehrerbietigsten Dank für die reiche Belehrung abstatte, wünsche ich demselben bald einen seiner außerordentlichen Fähigkeiten angemessenen Wirkungskreis zu erreichen, wo er gewiß zur Ehre- Gottes und zum Segen der Gemeinde wirken werde. Was die politische Stellung der Juden in Schweden betrifft, so haben sie jetzt schon fast dieselben Rechte wie die Juden Preußens nach dem neuen Gesetze. Uebrigens haben hier die Inden dieselbe Freiheit, welche den Katholiken zu Theil wird; denn auch diese dürfen keine öffentlichen Aemter bekleiden. Und da jetzt überhaupt alle geachteten Journale des Landes die gute Sache der Emancipation eifrigst vertheidigeu, so 'läßt sich vom bevorstehenden Reichstag ein guter Erfolg erwarten; wenn nur nicht der allzustrenge pietistische Pnesterstaud — in Schweden der wichtigste — noch gar zu sehr von den. mittelalterlichen Vormlheiten gegen das Judenthum bcsessen wäre. Daß hier das Monument des beliebten Volksdichters Wergoland, der für die gute Sache der Juden gleichsam seinen Geist ausgehancht, indem er noch auf dem Sterbebette das Buch verfertigte, welches scmächtig für die Emancipation spricht, bereits fertig ist, uud nach der feierlichen Enthüllung nach Christiania. abgeführt werden wird, um das Grab Kes Verewigten zu schmücken, ist Ihren Lesern aus andern Blättern gewiß schon bekannt. Merkwürdig ist die Sache nur, daß Juden nach einem Lande ein Monument schicken, wohin sie, gleich ihrem Lehrer Moses in das Land Kanaan, nur sehnsuchtsvoll hinüberschauen und nicht hineinkommen dürfen. Magister H... Druck von I. H. Nagel.