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Der Orient · 1847-12-10 · 50 (10.12.1847) · p. Spalte 797-798

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
50 (10.12.1847)
Date
1847-12-10
Page
Spalte 797-798 (sequence 7)
Language
German
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797 Studien. Parabeln und Sentenzen in der Haggada. dieses daß die' erste LesearL die richtige ist. Das erwähnte Sprüchwort lautet im Talmud Berach. 55, Baba Mezia 3. wie folgt — — Matthäus 20, wird das Himmelreich einem Hausvater verglichen, der zu verschiedenen Stunden des Tages ausging und Arbeiter!zur Bebauung seines Weingartens miethete. Am Abend erhielten. alle einen gleichen Lohn; dagegen. murrtW Hev jentz, .di? ppn, Frühmorgens gearbeitet haben und sie sprachen: diese Letztern haben nur eine Stunde gearbeitet und Du hast sie'uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen. Der ELgenthümer, aber antwortete: Mein Freund, ich ä thue Dir nicht unrecht, bist Du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? nimm was Dein ist und gehe hin, ich will aber diesem Letztern geben gleich Dir. Da dem christlichen Religionsftifter daran gelegen sein mußte, viele Anhänger auch außerhalb des Judenthumes sich zu verschaffen und unter die ihm ergebenen, sowohl jüdischen als heidnischen Nachfolger völlige Gleichheit Herzustetten, damit Neid und Eifersucht, die sehr oft, selbst unter seinen jüdischen Schülern, statt gefunden, aus ihrer Mitte verbannt werde, so ist es leicht abzusehen, wohin der Sinn dieser Parabel eigentlich zielet „also werden die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten sein" ist der Schluß dieses GleichniffeS, welches sogar dm später Angenommenen, also den heidnischen Nachfolgern einen Vorzug einräumt. Warum aber diese' pcrrthei'sche Vorliebe für die Letztern? Darüber erfahren wir nichts in der Parabel. Dieselbe Parabel, und zwar in ganz anderer Beziehung, als Rechtfertigung nämlich über den frühzeitigen Tod dev Frommen, findet sich in Talmud Jerusalmi Berachot Ende des zweiten Abschnitts Fol 6 und Midrasch Kohelet 10. 5, „Es ist der Schlaf des Arbeiters süß, viel oder wenigals R. Buri, Sohn des Chijja, starb, hielt N. Se'lra folgende Tauerrede über ihn: Wem glich R. Bun? Ein König hatte einst einen Weingarten, den er durch vre.le Arb eit er bebauen ließ; unter ihnen gab es einen, der mehr als genügend, mehr als alle anderen arbeitete. Als es der König bemerkte nahm er' ihn von der Arbeit weg und ging mit ihm spazieren. Abends erschienen alle Arbeiter um ihren Lohn zu empfangen, unter ihnen auch jener Letzte, dem der König §nicht minder einen vollständigen Lohn auszahlte. Da es die Andern sahen, murrten sie darüber und sprachen: wir haben uns den ganzen Tag abgemühet und dieser blos zwei Stunden und doch erhält er soviel Lohn als wir. Der König jedoch sprach: Dieser hat wohl in zwei Stunden mehr geleistet, als ihr im ganzen Tage; ebenso hat sich R. Bun, obwohl nur 28 Jahre alt, mit der göttlichen Lehr mehr befaßt, als ein Anderer bei einem hundertjährigen Alter. — Die Parabel ist eine und dieselbe; hingegen was die Anwendung und die moralische Tendenz derselben betrifft, wird jeder unparteiisch dem talmudischen Gleichnisse den Vorzug geben. Welche herrliche Idee liegt nicht schon in dem Gedanken, das frühzeitige Sterben eines Frommen, dem fleißigen Arbeiter zu vergleichen, den der König aus Erkenntlichkeit früher als die Uebrigen von der W8 Arbeit abruft, um demselben Erholung zu gewähren! Zugleich aber wird, da das Verfahren des Königs mit den'Worten: dieser hat in den zwei Stunden mehr geleistet, als ihr im ganzen Tage, auf das Schönste gerechtfertigt und jeder Parteilichkeit enthoben. — — Matthäus 22, wird wieder das Himmelreich einer königlichen Hochzeit verglichen, zu der, da die ge- Sflfte-W.t -Wimen wollten, das Mahlaber schon bereit stand, allerlei'Leute von der Straße gerufen werden, die auch ganz unvorbereitet in ihren schmutzigen Arbeitskleidern erschienen; da es der König gewahrte, ließ er sie züchtigen. Eben so. Kapitel 25, wo das Himmelreich zehn Jungfrauen verglichen wird, die den Bräutigam erwarten. Die Klugen füllten ihre Lampen mit Oel und harrten auf den Kommenden, die Thörichten aber schliefen ein. Da kam plötzlich der Bräutigam, die Ersteren begleiteten ihn zur Hochzeit, die Letztern aber mußten erst ihre Lampen füllen gehen, während daß die Thüre versperrt wurde. Ebenso Lukas.12, 36. Seid gleich den Menschen, die auf itjren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf daß, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald ausrhun. Selig sind die Knechte, die der, Herr, so er kömmt, wachend findet. Alle diese Stellen geben den einen Sinn, daß die Schüler auf die große Erscheinung der eintretenden, messianischenErlösung sich bereit hallen sollen, weil diese zu jedem Augenblick da sein kann. „Denn der Menschensohn wird koznnM/ da ihr es nicht meinet. Luk. 12, 40. Aber auch hier ist die talmudische Auffassung dieser Parabel, sowohl in der äußern, prägnanten, zierlichen Ausschmückung, als an innerem Werth und Gehalt weit überragender. Sabbat, 153 und Midrasch Schocher Tob zu den Sprüchen Salomonis K. 16 heißt es wie folgt: R. Elieser sagt: Bekehre Dich einen Tag vor Deinem Sterben. Als seine Schüler ihn fragten, wie so weiß der Mensch, wann er sterben wird? antwortete er, eben deshalb müssen wir uns jeden Tag bekehren; schon König Salomo sagte: Zu jeder Zeit sollen deine Kleider rein sein und das Salböl zu deinem Haupte nicht fehlen. R. Iochanan, Sohn Sakkai sagt: Ein König lud einst seine Diener zu Mahlzeit ein, ohne ihnen jedoch die Zeit zu bestimmen; die Klugen legten ihre Festkleider an und harrten bei der Pforte des Königs; denn sie sprachen; kann wohl etwas zur Anbereitung des Mahles im königlichen Hause ermangeln? Die Thörichten liefen ihrer Arbeit nach, „giebt es ja ein Mahl" dachten sie bei sich, „ohne vorhergehende Arbeit und Mühe"? Plötzlich ließ der König alle seine Diener rufen. Die Klugen erschienen in zierlicher Reinheit vor ihm; die Thörichten aber in ihren schmutzigen Kleidern. Jenen freute sich der König entgegen, diesen wurde sein Zorn zu Theil. Jene ließ er zum Mahle zu, diese mußten stehend zusehem (Fortsetzung folgt.)

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