Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1847)
- Date
- 1847-11-26
- Page
- Seite 380 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabbiner fungirt (seit 2 Jahren) Hr. M. M. H a ffe7,! ein Mann aus der alten Schule, aber nicht ganz intoj lerant. Es muß zu seinem Ruhme gesagt werden, daß er sich den Rittern für Nacht und Finstcrniß im Norden unserer Provinz nich L angeschlossen hat. Die .Emissäre des Altonaer Ordens haben bei ihm kein Gehör gesunden, was sie gewiß nicht wenig verdrossen hat. Hr.J. ist in seiner Gemeinde allgemein geliebt und geachtet. Anfangs hatte er zwar einige Gegner; aber es dauerte nicht lange , so waren auch diese seine Freunde geworden. Wollteer, so könnte er in F. so Manches — ausrichten. Doch vielleicht später. — Links von Vromberg staden Sie die jüngst durch' ihre Adresse an Pius IX. berühmt gewordene Gemeinde von Naket. Die Mitgliederdieser (wohl an 180 Familien zählenden) Gemeinde sind ebenfalls wie in Bromberg großentheils reich begüterte Leute und giebt es, wie man hört, nicht, wenige unter ihnen, die da Sinn Haben für das Edlere und Bessere und gegen den alten Schlendrian eingenommen sind. Unter solchen Umständen würde sich wohl in N. so manches Gute und Nützliche schaffen lassen, wenn nicht die dortige Gemeinde das Unglück hätte, einen Rabbiner zu besitzen, der mit seinen (an Geld, Zahl und Einfluß leider schon reichen) Verwandten gegen Alles opponirte, was nicht aussieht wie egyptische Nacht, was nicht riecht nach mittelalterlichem Moder, was nicht den Stempel trägt wenigstens des fünfzehnten JahrhundertsDer Rabbiner von N. ist ein Glied der N o rd i sch e n S i eben^, und wenn Du das weißt, lieber Leser, so wirst Du Dich-ob seines verkehrten und finstern Treibens nicht mehr so sehr wundern^. Wirst Du aber die Na- 7) Vorher Rabbiner in Schmiegel, wo jetzt Herr Lehrer Feldblum aus Filehne paskent und predigt. 8) Selbst gegen die Bildung eines Kranken-Verpflegungs- Vercins, die scic lange schon in N. beabsichtigt wurde, hat der Rabbi mir. seinem ganzen Hofe gewaltig opponirt. Dessen ungeachtet ist ein solcher Verein (natürlich erst nach langen und heftigen Kämpfen) vor einiger Zeit ins Leben gerufen worden, und mag Ihnen der dortige Lehrer Herr B. aus den bereits gedruckten Statuten desselben das Wichtigste mitzutheilen nicht unterlassen. 9) Fleißige und aufmerksame Leser des Orients werden sich diesen Ausdruck selber zu kommenliren wissen. 10) Du wirst Dich nicht mehr so sehr wundern, wenn wir Dir erzählen, daß der R. von N. die Gründer des in Anm. 8 erwähnten Kr.V.Vereins zu nennen beliebt, oder wenn wir Dir erzählen, daß der R. von N. vor einigen Jahren bei der Einweihung eines neuerbauten Bet ha-Midrasch auf diejenigen ein herabschteuderte, welche sich unterfangen sollten, ein EN mit dem 1JDE/N Dinn ilDlH WdS mit in dieses Haus zu bringen z oder wenn wir Dir erzählen, daß. der R. von N. (sammt seinem Gefolge) gegen die seit 5 Jahren organift'rte Gemeindeschule zu opponiren, zu protestiren (und deren Lehrer zuchikaniren) heute noch nicht aufhört z oder wenn wir Dir — doch genug für heute, theuree Leser. Du weißt vorläufig genug. — 380 - kelenser bedauern? O ja. Doch Du wirst sie, des sind wir gewiß, eben so sehr tadeln und ihnen (so wie allen Gemeinden des Netzdistrikts, die an demselben Uebel leiden) mit uns zurufen : ,,Wie lange werdet ihr euch noch einhüllen lassen in den dichten Nebel längstverflossener Jahrhiulderte? Werfel von euch das Joch, das euch i drücket und werdet freie, freie Männer, wie es euch zukommt". Etwas-nördlicher hinauf liegt die Gemeinde Lobsen s, deren Rabbiner seit einiger Zeit sich Mühe giebt, seine Deraschot zu germanisiren, wähnend, mit dem Idiom sei Alles gewonnen. Herr Kn ttn er ", erster Lehrer an der dortigen Schule, hat schon mehrere Mal ^mt Beifall gepredigt. Das Gemeindewesen ist durch Dr. L i t t a u e r (pr. Arzt), der mehrere Jahre hindurch am Ruder stand, sehr gehoben worden. Aber Undank ist der Welt Lohn. Schade daß der wackere Dr. L« nun auch diese Erfahrung machen muß! 12 — < Wir werden nächstens diese Mittheilungen fortsetzen. W. Königsberg, 7. Novbr. So eben ist der ,,J oh«nn Jacoby^ vom Stapel gelaufen. Der berühmte Publicist hatte den Wunsch der Rheder, ihrem Schiffe'seinen Namen zu geben, gern gewährt, und auch eine Einladung zu einem ihm gestern Abend von denselben gegebenen Festmahle angenommen. Es ist dies das dritte hier erbaute Schiff in diesem Jahre, welches den Namen eines berühmten Königvbergers erhielt. Die beiden früheren heißen I m a n u e l K a n t und B r a n d t, Na nie eines hier einst hochgefeicrten Rechtsgelehrten. Während so ein Schiff den Namen eines berühmten In d e n erhält und die soeiale Gleichstellung der Juden und Christen so vollendet ist, wie wohl in keiner andern Stadt, erregen Plakate / welche neulich die Polizei von Speichern und Zäunen hier abriß, mehr Verwunderung als Indignation; ste drohen den Juden und ihremVerftckster auf dem Landtage, Bürgermeister Sperling in sehr unorthographischer Schreibart den Tod an; letzterer wird in ihnen der Judenkönig genannt. Dies die letzten thörichten Reste des einst so verbreiteten ganz und gar albernen Judenhasses. (G. A.) Schwerin, im Novbr. Aus eine Vorstellung von Seiten des i s r a e l i t i sch e n Vorstandes in Schwerin au den Magistrat um die Verwendung des Letztem für die b ü r g e r l i ch e E m a n c i p a t i o n der Meklenburger mosaischen Glaubens auf dem bevorstehenden Landtage ist nachstehende Antwort erfolgt: . „Auf Ihre Vorstellung vom 2. d., betreffend die 1!) Vom Rheine dorthin verpflanzt. 12) Uebrigens kann er sich mit den eben so wackcrrr Herren Lion Levy in Lissa und Raph. Rosen thal in Posen trösten, welche ebenfalls ihre Gemeinden (als sie deren Vorsteher waren) sehr gehoben haben , ohne dafür mit demjenigen Danke belohnt worden zu sein, deren sie sich durch ihre Mühen und Opfer verdient gemacht hatten.