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Der Orient · 1847-11-12 · 46 (12.11.1847) · p. Spalte 725-726

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
46 (12.11.1847)
Date
1847-11-12
Page
Spalte 725-726 (sequence 3)
Language
German
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725 genden Dogmen. - Er suchte z. B. im Geiste und' Sinne seiner Vorgänger, im Geiste eines Jsmael, Elfeser b. Jose, Simon b. Jochai, Josua b. Lewi, Josua b. Chanincr, Meir, Gamliel, Simai, Jochananu.A. für die Auferstehungslehre einen neuen Anlehnungsbeweis auf013 und hatte über die Auferstehung des Fleisches sogar eine eigenthümliche Ansicht"^. Auch das Christenthum ließ ihn nicht unberührt. Die Obsiegung des Christenchums als Staatsreligion, verbunden mit bitterer Verfolgung des Judenthums620, konnte auf einen so hochgestellten für das Unglück seiner im römischen Reiche schmachtenden Brüder tief fühlenden nur einen großen die Schulansichten modisicirenden Eindruck machen. Die vollständige Christianisirüng Armeniens, Georgiens, Gruslens zu seiner Zeit, die Ausbreitung des Christenthums in Persien unter dem schlaffen Regimente Schabür 11. und die Ausbreitung und Befestigung christlicher Gemeinden in Arabien, mußten nolhwendig die alte Sehnsucht nach der Messiaszeit, wo das Judenthum mit der Siegespalme geschmückt hervorgehen sollte, erwecken und erregen. Viele Lehrer vor ihm haben über diese Glanzzeit des Judenlhums gesprochen und gedacht, viele haben die Merkmale zu erspähen gesucht, wann der Sohn David's kommen werde und die Zeitverhä'ltniffe führten auch, ihm diesen Gedanken zu. „In der Zeit, sagte er, wenn der 'Sohn David's kommt, wird die ganze weltliche Macht sich dem Christenthume zuwenden" ,m, und da in dieser weltumgestaltcndeu Zeit, der alten Sage nach, große und furchtbare Leiden für Israel vorangehen.werden,, so wünschte ec sich die sogenannten Leiden' und Schmerzen der Messiaszcit (Cheble schel Maschiach) nicht zu erleben. Ueberhaupt hat der ahnungsvolle Drang, welcher , damals die ganze Welt durchzitterte/der große Riß, welcher die alte Welt. mit ihren Anschauungen in eine nebelhafte Ferne rückte, ohne daß eine neue Welt noch geboren war, haben die Kämpfe und 618) Sanhedrin 90 b.— 92 a. — 619) il). 91b. — 620) In demselben Jahre als Raba das Rektorat übernommen (337), bekannte sich Kaiser Konstantin öffentlich zum Christenthume (Easeb. de vita Const. IV, c. 61, 62) und hiermit war die Losung zur Verfolgung des Judenthums, die freilich -schon früher sich versucht hatte, gegeben. Die verfolgungssüchtigen Edikte Justinian's in späterer Zeit, nach welchem das Studium und die Hochachtung der Mischna, die Beizählung derselben zu den heiligen Büchern und die Annahme der Lehrer, derselben als von Gott überliefert, streng verboten wurde (Nov. 146), hatte in den letzten Jahren Konftantin's (324 — 337) bereits in kleinen Anfängen begonnen. .— 921) Sanhedrin 96 a. Er wendete darauf witzig den Vers Lev. 13, 13 an, wo er wahrscheinlich aus p6? mit dem Worte spielend machte. — 622) ib-98 b. Schon vor Raba haben Jochanan, Neh o r a i, Ne che mj a, Io sef, A bb a j i über die schrecklichen Gottesgerichte, welche der Ankunft des Sohnes David's vorangehen werden, gesprochen (ib. 97 a) z Raba adoptirte also nur den Volksglauben. -- 7s« Stürme.und die Todeszuckungen des Heidenthums jenen-Sy-- billensinn ^geweckt, m nächster Zukunft die welker losende'Endzeit zu erwarten, was die frommen jüdischen Exulanten mit:' „Tage des Messias" Gezeichneten. - Solche Erwartungen der Endzeit, der Messias-Tage , mit ihren 'vorangehenden Kriegen und Umwälzungen, wurden sogar zuweilen mit genauen sybili lischen Angaben in Schriftrollen verzeichnet, was die Allgemeinheit dieses Glaubens .beweist. .Schon zur.Zeit I osef's (320) sah, C h a.n.a-n b. Tachl ifa eine Rolle in hebräischer Sprache bei einem im persischen Heere.dienenden (jüdischen) Soldaten, der sie unter den Schätzen Persiens gefunden haben wollte^, worin die Prophezeihung -stand :. „Nach vier Tausend zwei Hundert und einundueunzig Jahren von Erschaffung der Welt (d. h. um 531 n. Ehr.), wird die Welt in einem verwaistem Zustande sein , theils. wird der Kampf der Drachen, theils wird der Krieg Gog und Magog's wüthen und. zuletzt werden die Tage des Messias kommen" Es kann demnach gar nicht auffallen, wenn Raba, im Geiste des. damaligen Volksglaubens die Leiden des Judenthums durch dieObsiegung des Christenthums als Vorzeichen der großen Zukunft angesehen. Neben dev großen Ausbreitung des Christenthums in Persien und im "Irak, welche bekanntlich den persischen Herrscher (326 n. Chr.) zu einer Christen- Verfolgung gezwungen, insofern die Christen es mit dem oströmischerr Kaiser stets gehalten, war es auch der veränderte äußere Zustand Babyloniens, überhaupt, der auf Raba tief einwirken mußte. Dasalte Babylon als Stadt war bereits verschwunden, das nahegelegene Borsip (Borsippa), im Ganzen eine mäßige und unbedeutende Stadt, führte damals den Namen Babel jta-O’ .s£o%-j]v ,625 .unb dieser winzige und traurige Nest der alten Weltstadt galt als ungünstiges Omen für das Studium des Gesetzes or«. üon t>em berühmten babylonischen Thurm, dem Sitze der alten Chaldäcrweisheit und dem Wunder der alten Zeiten, berichtete schon Jochanan (250 n. Ehr.), daß ein Drittel desselben niedergebrannt, ein Drittel herabgestürzt und nur ein Drittel noch sich erhalten«2'. Und in gleichem Maaße wie mit Babel und feiner Herrlichkeit war es mit der ganzen Landschaft, in dem dauernden Kriege Schübür's H, mit Konstantin, Julian, Jovinian und Gratian 623) Sanhedrin 97 b. Die Stelle lautet: EIN vkvl'ö tpon &ipn nnwN' hduid rtnsn^o n^iins njj pm \tdsm d-i-5 bv nil?”r6 b idn -p pJD 11 iP M D13. — 624) ib. ib. Die Stelle heißt! njniN an' d?ij?n cbiy bw tikdi D’j/cs'ni c'dnqj nio’ iwni jtjdj ju nonPo pa orj'jn;no rrtPDn. — 625) In Dokumenten galt das Wort Babel für das nahegelegene Borsip (rpDmi), weil der Sprachgebrauch sie bereits identificirt hahte (Sukka 34bz Sabbat 36a)..— 626) Sanhedrin 109 a.— 627) ib. ia. Die Stelle heißt: W'hWt c'p wbvi ybzi. — Studien. Geschichte -der jüd. Literatur in Babylonien. 46

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