Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1847)
- Date
- 1847-11-12
- Page
- Seite 361 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien ttnfc Kritiken Achter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen Löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegrben von vr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an , jedem Dienstag regelmäßig. .M 46. Leipzig, den 12. November 1849. Inhalt. Deutschland. Aus der Provinz P osen. Stoff für den Berliner * Korrespondenten. Ha lb erftadt. Bera- Ihung in der Provinz Sachsen. Kritik von Dr. Hildesheimer. Aus Würtemberg. Eine RabbinerversamnilunK Aus ilBurj fernher g.1 Misstände. Sckulverorduung. Bayern. Monatsbericht. — Oesterreich. Eperies. Abdankung des Dr. Schiller. Kasch arr. Deputation'an Erzherzog Stephan. Ackerban- und Handwerkerverein. Leo Holländer. Eine neue Synagoge. — Personalchronik und Miscellen. Berlin. Leipzig. Berlin. — LB. d. Or. Deutschland. Aus der Provinz Posen, 24. Oktbr. An den Berliner Korrespondenten mit dem Sternchen (*)♦ Mein lieber Kollege! Du weißt Bieles, was im Schooße des alten und neuen Judenthums vorgeht, zu erzählen — aber Alles weißt Du doch nicht. Und Du kannst auch nicht Alles wissen; denn Du bist doch nicht überall, , ebensowenig wie der ZW. oder der Jsr. überall ist. Wärst Du z. B. am letzten Jom Kippur in einer gewissen Gemeinde meiner Provinz und daselbst in einer gewissen Schule gewesen, so würdest Du einen Spaß erlebt haben, der wirklich einzig in seiner Art war und aus dem Du ohne Zweifel für die Leser des Orients ein recht pikantes Ragout zubereitet hättest. Mir geht Dein Witz und Deine Satyrs ab; sonst würde ich gewiß jenes Kuriosum zu einem langen und breiten Artikel für diese Blätter benutzt haben. So aber will ich Dir den Vorfall nur in meiner Weise, mit trocknen, einfachen Worten erzählendes Dir überlassend, daraus zu machen, was Dir nur irgend belieben sollte. — Denke Dir ein ziemlich geräumiges Zimmer, gefüllt von Betenden männlichen, mit dicht daran stoßendem etwas kleinerem Zimmer, gefüllt von Betenden weiblichen Geschlechts. Beter und Beterinnen sind ein buntes Gemisch aus allen Ständen, Klassen und Richtungen. Wo Du heutzutage 10 Juden zusammen siehst, wirst Du immer mindestens Einen modernen Theologen unter ihnen wahrnehmen; kein Wunder also, wenn unser judengefülltes Betlokal zwei solcher Exemplare, aufznweisen hat. Leichte Körperchen schwimmen in der Regel obenauf, und darum darf es Dich auch nicht befremden, wenn Du unsere beiden Heiligen ganz oben, dicht neben dem Chasan, stehen stehst. — Ja, ganz oben, dicht neben dem Chasan stehen sie, die beiden Gotteögelahrlen, der eine langen Wuchses, der andere klein von Statur — ein Pfaff und ein Pfäsflein. Letzteres steht wie angenagelt und läßt keinen Laut von sich vernehmen, während Ersterer fortwährend Kopf und Hände bewegt, die Gebetstücke (auch die Pijutim) und besonders dereK Schlnßverse ganz laut recitirt und mit seinem Tenor ganz Kahal übertönt. — Schach'rith ist zu Ende, K'riath Ha-Tora hat auch schon stattgefunden, und eben sott die Todtenfeier (Haskarat Neschamot) beginnen.—: Was geschieht aber? -— Der lange Pfaffe verläßt plötzlich seine Stelle, pfeilschnell durchschneidet er die dichtgedrängten Reihen der frommen Beter und auf Einmal ist er aus dem Saale verschwunden. Feierliche Grabesstille herrscht ringsum, keine Lippe bewegt sich, kein Laut wird gehört, Alles harret ängstlich schweigend der Dinge, so da kommen sollen. Auf einmal öffnen sich wieder die breiten Flügclthüren, und vor unfern Blicken steht der Heilige, maskirt, aber doch erkenntlich; über das weiße Sterbekleid hat er einen pechschwarzen Predigermautel geworfen, und so metamorphosirt, durchfliegt er wieder die Menge und steht mit Einem Satze 46