Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1847)
- Date
- 1847-11-05
- Page
- Seite 360 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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360 „er der Deputirten von seinen Komittenten Michtvollkommenhcit hierzu crhcilicn und dürste das Letztere so ohne Weiteres vorausgesetzt werden? Was soll man Hiervon halten?.' Der Dr. PH. schli'ihfte. zwar Uer diesen Puicit sehr schnell hinweg, indem er zu den drei Punkte» diesen unschuldigen Zusatz, mit den Worten hinzüsiigte: „und hierzu dürste noch viertens ein Entwmf zur Petition kommen". (Beschluß folgt.) KranVr eich. Paris, im Dktbr. Auch wir stehen mrr Vorabende großer Ereignisse für das Judenthnm. Paris, die Hauptstadt der civilisirten Welt, hat' bereits vor einem. Jahre seine Meinung kundgcthan durch die Wahl des hochw. Herrn Marchand Ennery zum 'Kranci- Hal3hiik du Consistoire central—der obersten geistlichelr Behörde der französischen Juden. Durch diese Wahl ist die Stelle eines Oberrabbiners der Stadt Paris frei, geworden, und seit jener Zeit ist das Ccntral- Konsisterium beschäftigt, den Kandidaten Heiner Farbe, Herrn E h ar l e v ill c, Rabbiner in Dijon zu dem Sprengel von Paris gehörig, an das Pariser Rabbinat zu befördern. Doch Dank sei es dm weism Gesetzen der französischen Staaten, daß es. damit mchi, wie an so vielen Orten Deutschlands von demWitl-m der betreffenden jüdischen Behörden abhängt, sondern! die Wahl eines Rabbiners einzig und allein nach der Stimmenmehrheit der durch das Staatsgesetz dazu geeigneten Wähler. ausgesprochen wird. — Bis jetzt haben sich vier Kandidaten zu der hiesigen Stelle/einschreiben taffen: nämlich Hr. Ch arl ev i lle ans Dijon, Hr. Isid ore aus Phalsburg, Hr. Klein aus Durmenach und Hr. D r e y f o u s aus Mn h l hau sin. S ämmtlich c Kandidaten haben bereits einige Male im Tempel so wie auch in der portugiesischen Synagoge gepredigt und bei tieferer Prüfung der verschiedenem Vorträge hat jedesmal Hr. Isidore den Vorrang in der öffentlichen Meinung davongetragen. Hr. Isidore ist ein junger Mann, der' bereits 10 Jahre in Phalsburg (Fatzburg) das Amt versieht und daselbst allgemeine Achtung gcrueßt , er war es, welcher s. Z. für die Abschaffung des Judeneides (Lernenl. more J11clajca^ gearbeitet und durch Unterstützung des berühmten Advokaten (Sremieiix dieselbe auch dnrchgeführt hat. — Hr. Charleville hat erst vor etwa 3 Jahren die Leole Rabbinique verlassen, ist ein Mann von gründlich err. Kenntnissen und soll mehr geneigt sein, demFortschntt zu huldigen. Hr. Klein dagegen mit bedeutender Wissenschaft in talmudifcher Hinsicht sowohl wie auch in literarischer versehen, kämpft für das stren.g orthodoxe Judeuthum, während Hr. Dreyfous sich smgefähr in Verlag von C. L. Fritz sch e. dm Tendenzen des Hm. Charleville bewegt. Die beiden letztem Kandidaten werden, nach der allgemeinen Uebersicht, nur eme kleine Anzahl von Stimmen für sich haben, während die Mehrzahl sich zwischen Hrn» Charleville und Hm. Isidore theilt. — Wie man in Erfahrung gebracht hat, wird' am 26. d. M. eine vorbereitende? Sitzung sämmtlicher Wähler stattfinden, um die Stärke der Parteien zu ermessen und nachdem sich die Schale auf der einen oder andern Seite zu neigen scheint, wird man der Stimmen der Kandidaten Klein mid Drcifous als Hilfstruppen aufnehmen , um sie auf dm Kampfplatz , zu führen und so den Sieg entscheiden lassen. Die wirkliche Wahl soll am 9. Novbr. im Mlvl de Ville vor sich gehen und mcm sieht mit vieler Spannung einem Resultat entgegen, das in der Jetztzeit von großer Wichtigkeit für die Sache des Juden thums in Europa ist. Denn verhehlen wir es uns nicht, die Stelle' nwyb ny ist jetzt zur Wahrheit geworden und rroy n!p DN)? Das Treiben der deutschen Rabbiner nach den verschiedenen Tendenzen. ist etwas Abgesondertes und wird sich nie der Zustimmung der Allgemeinheit zu erfreuen haben, weil die Hauptabstcht der deutschen Geistlichen im Judenthum dahin geht, die politische Emaneipation ihrer verschiedenen Gemeinden auf Kosten der Religion zu erlangen, während hier die Emaneipation v o l l ständig ist, also die Religion kein Mittel zur Erreichung des Zweckes zu sein braucht. — Sämmtliche europäische Juden scheu in gespannter Erwartung aus Frankreich, hoffen wir, daß sie in ihren Erwartungen nicht getäuscht werden! N—-m. Polen und Rußland. Odessa, im Aug. Der ,,Odeffaer Bote" enthält einep rührenden Zug der Menschlichkeit von einigen! Gliedern der dortigen hebräischen Gemeinde. Ms nämlich am 9. August die Cholera sich im Stadtgebiete zeigte, wurde es bald schwer, den unmittelbaren Kranken, die weder eigene Häuser noch Familie hatten, die erforderliche Pflege airgedeihen zu lassen , aus Mangel an Personen, die dieses Geschäft zu übernehmen bereit gewe-! sen wären. Da vereinigten sich 24 Hebräer, verließen Alles, schossen eine kleine Summe zur Anschaffung der erforderlichen ärztlichen Materialien zusammen, und sind von dem Augenblicke an bereit, auf den ersten Ruf zu * jeder Nacht- oder Tagesstunde bei jeglichem Kranken zu erscheinen, ihn aufs Beste zu verpflegen, und ohne .Ansehen des Namens, der Person oder des Gtaubens^getreulich bis zu seiner Genesung oder seinem Tode bei ihm auszuhalten, Nie nehmen sie weder für ihre Dienste, noch für die von ihnen verwendeten Materialien den geringsten Lohn an. (G. A.) Druck von I. H. Nagel. "