Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1847)
- Date
- 1847-09-03
- Page
- Seite 288 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- 288 - Wien, 10.'-Äug.-Die MeuumK, daß die Regierung dm politischen uyd. .socialen Forlschritt der -Juden begünstigt, gewinnt immer großem Raum in den Herzen der Einsichtsvollen. Das Volk, besonders wo es aus slawischen Bestandtheilen zusammengesetzt ist, ist nichts weniger als tolerant, während die Regierung allmälig die Lage der Juden zu erleichtern sucht. So Hort mau hier von einer neuen Maßregel sprechen, welche zu Guustrn der hiesigen Juden ausgesiihrt werden soll. — Ein hiesiges Winkelblatt ereiferte sich gegen die Barbarei der Juden — die Thiere zu schlachten! Der Vers, gehört zu dem Menschenquälerei- und denAntithierquälereiverein. —- In unseren literarischen Regionen herrscht seit Kurzen eine neue Regsamkeit. Von dem fleißigen S. Deutsch ist die Beschreibung der hebr. Handschriften der hiesigen Bibliothek erschienen und zu demselben Zwecke hat derselbe einen Ruf nach München erhalten. Hr. Deutsch hat überhaupt das Verdienst, die literarischen Interessen der Juden der Negierung naher gebracht zu haben, da durch seine Veranlassung werthvolle hebräische Handschriften augekaust wurden und die k. k. Stantö- Buchdruckerei den Druck, des Katalogs besorgte. — Hr. Stern will seine Zeitschrift durch dm Abdruck werthvoller Manuskripte bereichern, was derselben auch den Weg nach Deutschland bahnen würde. — Hr. B u s ch hat den Plan zur Herausgabe des jemsalemischeu Talmuds wärmer erfaßt und ist auch entschlossen kleinere Schriften aus der'altern Literatur zu Überdrucken. Natürlich .werden die Editionen von tüchtigen Kräften geleitet werden. Das Jahrbuch des Hrn. Busch fmfcct jedes Jahr eine günstige Aufnahme und ist im Kaiserstaate sehr verbreitet. — Dr. L. A. Frankl und der würdige Josef W e r t h e im e r sind auch im jüdischliterarischen Interesse thatig. Pesth, 8. Aug. Die Regsamkeit in unserem Gemeindcleben steht nicht mehr vereinzelt; sie hat eine Rivalin in der englischen Missionsgesetlschaft, die inmitten unserer Stadt ihre Seligkeitszwecke verfolgt, erhalten, und will man wahr sein, so muß man sagen, daß sie in einem sehr großen Maßstabe ihre Thätigkeit entwickelt. Sie macht ihre Erwerbungen um sehr hohe Preise, bezahlt Alles baar, obwohl die Maaren oft sehr schofel sind. Ein neuer Zweig der Missiousthätigkeit ist die Errichtung einer Schule, worin der Unterricht ünentgeldlich erthoilt wird. Daß mehre jüdische Kinder diese Schule besuchen, ist ein sehr niederschlagendes Faktum für unsere Gemeinde. Trotz dem, daß unsere jüdische Hauptschule tüchtige Lehrer hat, wird die Missionsschule besucht. Gewiß ist der Gratisunterricht der Missionäre die Ursache hiervon. — Ein erfreulicher politischer Fortschritt ist es, daß bereits mehren Juden der Erwerb von Verlag von C. L. Fritz sche. Häusern, von Seite der Regierung gestattet wurde. Es herrscht darum auch eine große Baulust unter den hiesigen Juden. Man fragt aber allgemein , warum der neue Tempel noch immer in das Reich derschönenHoff- .nnngen gehöre. Allerdings macht uns der Jndifferentismus der hiesigen Inden um die Antwort nicht verlegen. — Das magyarische Element gewinnt immer größeres Terrain unter der gebildetem Klasse. Die Magyaren kommen auch denjenigen Juden, die,sich dem Magyarismus nähern, freundlich entgegen. So ist der Schriftsteller Diosy — ein Jude — Mitglied mehrer ungarischer Gesellschaften und ein fleißiger Mitarbeiter ckm ,,Pesti Hirlap". Derselbe Schriftsteller giebt auch jetzt ein ungarisches Jahrbuch für Juden heraus. Italien. Leipzig, 15. Aug. Auf einer Reise ward es mir vergönnt, in den Besitz eines interessanten Sonetts zu kommen, das die Hoffnungen der römischen Juden in den ersten Tagen der Thrcnbesteidung Pins IX. schildert. Bei der Theilnahme, welche dieser denkwürdige Kirchensürst allgemein studet, scheint das genannte Sonett der Mittheilung nicht unwürdig, wenn auch manche RomaniSmen darin verkommen. Die Überschrift lautet in wörtlicher Uebersetzmig: ,,Abraham und Moses, römische Juden, trösten sich in den ersten Tagen des Pontificats von Pius IX. durch folgendes", was in einem Zwiegespräch , das in Sonettform gekleidet ist, dargestcllt wird. Ahr. Che yan dicenno li Goi Messer Moise? Mos. Che passo lo" lempo d’ammassar zagie. Al)r. Ma lo gran Rotscild, forse plii non c5e? Ei ii soyerchia e li fa star giu! Mos. Pio IX Momleyxi noyello Re ' Debili cogli Ehrei non li yuol piü E lo sciamanno in pegno della fe Rimetlerem per forza o per yirtü Con ringiuslo torra lo jus gazagä Di schiayilii risorgeranno i di E denlro lo Ghetto ognun ritornera Rüden li GoU pereKe per noi fini Morseyü Mordeyü che ci ayyerra Se l’esordi del Regno son cessi. Wir bemerken hierzu, daß „yan dicenno“ gleich „Yiin dicendo“ imb „Goi“ gleich „Gojim"' ist. Wir kennen nicht die Zeit der Abfassung; aber es ist des Fortschrittes genug, wenn man sich mit den Juden überhaupt beschäftigt und sie in dm: großen römischen Drama eine Rolle spielen läßt. -- I. Druck von I. H. Nagel.