Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 32 (6.8.1847)
- Date
- 1847-08-06
- Page
- Spalte 499-500 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Meräturberichte. Riga. 500 D u uni» n i cht s e C t e n ein b es s er er, al s v i cl e D «i- 4G9 mit Kissen Kopf und M sind zu bedecken, damit er sich weniger quäle, wie sie meinen (!!!!)"♦ Armes jüdisches Wölkchen, was Du. nicht Alles schon von Dir hören mußtest, was, Dir nicht - Alles schon aüfgebürdet und verläumderisch zu Last gelegt wurde; Brunnenvergift läng, Hostienschändung, ChristxnLindermord, Alles, Alles, ist schon gegen Dich im Schilde geführt werden, um Dich in den Äu-; gen der Welt ^zu entehren, zu entmenschen, um unter dem Scheine der Gerechtigkeit Gottes Strafe auf Dich hcrabrufen zukönnen; o die Weltgeschichte ist reich an selchen Belegen!. Daß Du aber auch Deinen eignen leiblichen Bruder mordetest, auf seinem siechen, hilflosen Sterbelager unbarmherzig chinmordetest, nein, besten hat während Deines achtzehnhundertjährLgen Exils Dich noch Niemand bezüchtigt. Denn man weiß, (alle Welt weiß es ja, nur der Herr Arzt zu Tonjemen , Kreis Ljutzin, Gouv. Witebsk, A. Brandt weiß es leider nicht, oder will.es nicht wissen;) wie gerade die israelitische Religion die Erhaltung irgend eines Menschenlebens, selbst das eines Sterbenden möglichst zu schonen, auf das schärfste befiehlt (vergl., Trakte Ebel Raba., Kap. 1, Trakt. Sabbat fol. 151 b; Tur Iore De^a, Kap. 339. §. 1 ff.) und daß gerade beim Israeliten diese Pietät am Sterbelager bis ins kleinste Detail beobachtet wird,- So werden nicht einmal die Gliedmaßen eines Sterbenden, wie seine Füße, Hände u. f. w. eher, als bis nach wirklich erfolgtem Tode zurechtgelegt, ja nicht einmal ein Kiffen, worauf der Sterbende ruht, darf ihm entzogen werden, aus Furcht, es könnte nämlich dadurch vielleicht eine Beschleunigung des Todes herbeigeführt werden.— Glücklicherweise leben wir' in einem Zeitalter, wo auch die christlichen Gelehrten mehr als je gediegenere Kenntnisse von den jüdischen Gebräuchen besitzen, als daß sie von dem Gewäsche eines unberufnen, unwissenden Scribenten Notiz nehmen sollten. — Wenden wir uns zu etwas Besserem, das als würdiges Gegenstück zu dem eben erwähnten Artikel betrachtet werden dürfte. 12) Erstes Schulbuch für die Deuts che Jugend, von Professor Ph. Gust. Evers. Mitau in mehren Auflagen in 8. 168-Seiten. — Enthält S. 101 eine charakteristische Anekdote von Moses Mendelssohn, welche die stoische Geduld und die seltene Herzensgüte dieses Philosophen hervorzuhebeu sucht und sie der christlichen Jugend (für welche dieses Buch zunächst verfaßt est) als Muster aufstellt. — 13) Elementar buch für die Jugend, von Gottfried George Mylich. Ebendaselbst in 8. im Verlag bei Steffenhagen und Sohn. Dieses Buch, welches bereits jüngst die achte Auflage erlebt hat, und m den öffentlichen christlichen Schulen Kurlands eingeführt worden ist, athmet gleichfalls die schönste -Toleranz, und S. 158 ff. enthält es eine Reihe von Anekdoten und Erzählungen, welche mehre rechtschaffene und tugendhafte Juden charakten'siren und weiche deb christlichen Jugendzugleich als Muster vorgeführt werden, v „93erachte keine n Zuden" beginnt daselbst die Lehre, „noch v ietw ensger hasse u nd verso lge ihn, gewiß, er ist eben so ein Mensch, wie ner G laub ens br üder"; und am Schlüsse dieser Rubrik heißt cs daselbst:; ,-,Laß, Gott der Liebe, laß, wie Du, mich alle Menschen lieben, „Und Keinen, er fct, wer er sei, mit Willen je betrüben. „Wir. sind ja alle Dein Geschöpf, all' DeinesReiches Glieder z „Sind Deine Kinder insgcsamm t, und insgesammt nur Brüder. „Dir gilt kein Ansehn, kein Geschlecht; „Wen Du befindest fromm und recht, „Den"liebst, dem lohnst Du, Vater! — Wer cs weiß , welchen Einfluß solche tolerante Schulschri'ften auf das Herz des ziu bildenden Kindes üben, der wird dieselben auch in ihrem ganzen Werkhe zu würdigen wissen. Denn nur solche Schulschriften allein sind im Stande das scheußliche Unkraut des Haffes und das unchristliche Worurtheil gegen die Juden radikal zu tilgen und an deren Stelle die Saat der Versöhnung und Liebe zu verpflanzen, und wenn der Erfolg derselben noch so geräuschlos als langsam, von sich! zu gehen scheint, desto fester aber wurzelt die eble Pflanze, desto sicherergedeiht sie und desto üppiger wird zu seiner Zeit die Frucht derselben hervorreifen. Daß kindliche Herz, sagt ein bewährter Pädagoge, ist ein unbeschriebenes Blatt, worauf man nach;Belieben sowohl jedes Gute als Bose für Zeit und Ewigkeit hineinschreiben kann, und gewiß er hat Recht. Denn was der Lehrer d e m Kinde in -der Schule mit Nachdruck gelehrt, daran schmiegt der Mann sich gern noch, und die trefflichste Philosophie , die reinste Logik vermag oft in den spatesten Jahren nicht so leicht eine Chimäre, die man in der Kindheit liebgewonnen hatte, wegzuzanbern.— Es müssen deshalb solche Erscheinungenvon uns freudig begrüßt werden,, und ist es unsre Pflicht den Abfassern solcher Schulschiriften den wärmsten. Dank im .Namen der Menschheit überhaupt, wie im Namen desJudenthums insbesondere, öffentlich auszusprechen, um so mehr , da dergleichen tolerante Gesinnungen in christlichen Schul- und Volksbüchern in der Regel nur sehr spärlich an zu treffen sind. —- R. I. Wu nd erb a r. Geschichte der jüdischen Literatttr in Babylonien. Eine Skizze von Dr. Julius Für^. (Fortsetzung.) Neuntes Kapitel 3. Nach dem Hinscheiden Ioses's um 322 n.. Ehr. füibct man vier der befahiZsten und vorzüglichsten Jünger der p um-