Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1847)
- Date
- 1847-08-06
- Page
- Seite 250 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-250 wiederholen, was »ich schon einmal in-diesen Blättern (Nr. 2. d. I.) ausgesprochen, daß unsere. Gemeinde sich um die homiletische Literatur ein großes Verdienst erwerben wurde, wenn sie von Zeit zu Zeit eine Pl.'sche Predigt (besonders wenn sie so ausfM, wie die eben erwähnte) durch den Druck erscheinen ließe. Und neben dem literarischen Nutzen würde unsere Gemeinde auf diese Weise noch einen andern Nutzen schaffen, den Jeder, der nur im Geringsten zwischen den Zeilen zu lesen versteht, auf der Stelle crratheu muß. —- Was Hrn. Pl. selbst begrifft, so stellt cs sich immer mehr heraus, daß er hier von sehr Vielen verkannt wird. Man hält ihn für einen Zeloten, einen Finsterling, und er ist weder dieses -noch jenes, obgleich er im strengsten Sinne orthodox ist; er bekennt sich durchaus nicht zur Fghue des Zions- Wächters, er mißbilligt sogar dessen Treiben im höchsten Grade, obgleich er von Reformen nicht das Geringste wissen will. — Daß der Brüderverein Hrn. Pl. nicht cngagirt, darf Sie nicht wundern , wenn Sie erwägen, daß dieser Verein die Einführung eines Chors beabsichsichtigt. Ein Kantor ist bereits cngagirt. Herr Dr. Cr., der sich jetzt hier aufhält, soll wieder Hoffnung haben, bic' Ännjcl 311 aeqiimu'u. Das neue Betlokal wird vor »WH Wi nicht eröffnet. Morgen, als am hält Herr Dr. Gebh a r d t seine Antrittsrede in Guesen. Die Feierlichkeitcu, mit welchen G. in seiner menen Gemeinde empfattgen werden soll, werden hier für sehr großartig geschildert. Uebrigens ist G. ein Mann, der alle und jede Auszeichnung verdient. Gneseu kann sich im Besitze eines solchen Mannes glücklich schätzen. W. Stffn (Provinz Posen), im Juli. Seitdem das Schauspiel des V. R ausgespielt, seitdem namentlich die Juden-Verhandlungen auf demselben aufgehört haben, hat sich auch allmälig die politische Aufregung bei unserer jüdischen Bevölkerung gelegt; — die große Aufmerksamkeit, die während jener Zeit geherrscht, die fieberhafte Spannung, die sich auf jedem Gesichte kund gab, das mächtige Interesse, mit dem man dem Laufe der Verhandlungen folgte , ist ganz 'geschwunden und hat einer sü ßcn H 0 ff nung Platz gemacht. In der That, es ruht sich nach einer spannenden Aufregung gut in diesem süßen Hoffuuttgsschlttmmer -— und, da wir doppelt hoffen können, einmal als p r e u ß isch e, und dann als p 0sener.Juden, so ist dieser Schlummer für uns um so süßer — aber um so schrecklicher wäre es für uns, wenn wir doppelt getäuscht werden sollten! — So wie sich die Namen derjenigen Männer, die für unsere Sache, für unsere Rechte und unsere Ehre so warm das Wort geführt haben, unauslöschlich in unsere Herzen gegraben, so wie wir einst unfern Nachkommen die Namen dieser Männer mit denen unserer Vorväter einprägen werden,- so muß sich namentlich und auch ganz besonders unser Dank gegen die Männer richten, die für «ns als posener Judcnfo loatfcv fam^ftcn, und v. Boxodowski, Neumann, Schümann, v. Juraczewski nennt man hier nur mit der größten Ächtung und innigsten Freude. — Mit Trauer hingegen vernahm man hier dieAeußernngeu der Herren Minister Eichhorn und v. Thiele, und was von Elfterem in Bezug auf angestettte christliche Lehrer an jüdischen Schulen gesagt wurde, läßt sich auch von uns ans ganz gut widerlegen, da an unsrer jüdischen Gemeindeschule nicht nur ein Gesanglehrer katholischen Glaubens angestellt ist, sondern auch ein reformirter Pastor dieser Schule als Direktor vorsteht. — Die Restaurirung unserer Synagoge schreitet rüstig vorwärts und man ist der Erwartung, am nächsten Neujahrsfeste dieselbe schon vollendet zu sehen. ^— Stark spricht man auch von einer neuen Schul- und Beiordnung, von einem Chor, einem deutschen Prediger re.; in wie weit jedoch sich diese Pläne verwirklichen dürsten, kann ich Ihnen nicht mittheilen; so viel aber weiß ich, daß die Partei, deren Groll über den durchgesctzten Ban sich noch nicht gelegt hat, uns keine kleine Schwierigkeiten hierin machen wird. In Nr. 23 d. Bl. vom 4. Juni berichtete ich Ihnen über den hier bestehenden Speise-Verein, als von Hru. Dr. S chey er gegründet. Wie mir jedoch seitdem aus guter Quelle mitgetheitt wurde, sind die Hauptgründer dieses Vereins die jetzt zu Breslau und Berlin wohnenden Kausteute Herren W. Sachs und W. Ruß. Als damalige Armen- und Pflegeväter in Lissa hatten dieselben oft Gelegenheit, mit 'dem Hr. Dr. Scheycr (dem damaligen Armenarzt) über das Befinden der Kranken Rücksprache zu nehmen, und auf Anregung des Letztem unternahmen es obengeuanute beide Männer, einen Verein in der Weise, wie er jetzt besteht, zu gri'mdeu. Sie brachten, wie auch das Protokollbuch des Vereins besagt, an einem - Tage noch gegen 100 Mitglieder zusammen und gründeten einen Verein, der bis zum heutigen Tage von den besten Erfolgen gekrönt wurde. — B. Berlin, 18. Juli. Unser verflossener Landtag. ipt unter anderem die wohlthätige Folge, daß die Lumpen im Preise steigen. Sah man nicht manches winzige Blatt, das steh seit den sieben Wochen seiner Geburt stets in den sieben Jahren der Huugersuoth bestmden, dürr und abgedroschen, wie jene Aehren des'Pharao, plötzlich im Zustande der gedeihlichsten Fülle, seitdem es sich mit den inhalts langen Reden unserer Deputaten füllen konnte? Entstand nicht zum ersten Male seit Meuscheugedenken eine allgemeine Nachfrage nach der privitegirteu altgem. Zeitung? Aber diese Größen siud, wie alle anderen in diesem irdischen Jammerthale, wieder dahin geschwunden und vergessen; lassen Sie uns einen Blick auf die gegenwärtige Größer! werfen, die sich