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Der Orient · 1847-07-23 · 30 (23.7.1847) · p. Spalte 465-466

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
30 (23.7.1847)
Date
1847-07-23
Page
Spalte 465-466 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte uitii Mcratur JVs 30. im 23. Juli .1849. In halt. Literatur-Berichte. Leipzig. Historische Leistungen auf dem Gebiete des geschichtlichen Judentdums in der neuesten Seit. Leipzig. Literaturerscheimmgen in England. Brody. Demnächst erscheinende Schriften in Galizien« — Studien. Literaturhistorische Miscellen von L. Dukes: über verschiedene astrologische und astronomische Werke von Abr. Jbn Esra. — Literarische Misretten. Die hebr. Grabsteine in Wiener-Neustadt. Verbesserung von Rasib. Aipser. — Kritiken. Kurze Anzeigen. Auerbach uirdJost. Letteris. Studien und Kritiken. Kur Kenntniß der jüd. Literatur Ungarn's Von Einhorn. — Ankündigungen. Literatur - Berichte. Leipzig, 12. Juli. Der nicht unbegründete Vorwurf von Männern der Wissenschaft, welcher den Israeliten bis auf die Neuzeit herab vielfältig gemacht wurde, daß nämlich der eigentliche historische Sinn in Israel noch nicht erstanden sei, beginnt nun in den letzten - Jahren erfreulicher Weise zu Schanden zu werden. Ein reger wissenschaftlicher Trieb zur Erforschung des geschichtlichen Elements des Judentums und der Gestaltung der jüdischen Verhältnisse ist erwacht, Bausteine zu einer jüdischen Geschichte im weitesten Umfange, die religiösen Ideen, die Literatur und Kultur mit eingeschlossen, werden rüstig zusammengetragen, und zwar nicht blos in einzelnen abgerissenen theils bibliographischen theils philologischen Notizen allein, wie es durchschnittlich bis jetzt vorzüglich der Fall gewesen, sondern in geschichtlicher Gestaltung gewisser Zeiten und Länder/ Richtungen und Systeme. Der erwachte kräftige und gesunde Sinn, welcher durch die religiöse .Tagespolemik eher an Elasticität zugenommen und sich gelautert, leitet die Sehnsucht nach einem historischen Erfassen der bis jetzt chaotisch und ungeordnet dagelegenen geschichtlichen Denkmale und Begebnisse, sie mögen das Schristthum, die Kultur oder die . religiösen Ideen betreffen, leitet aus Abrundung und Gestaltung Z man greift bereits nach allen Zeiten, nach allen Abschnitten des jüdischen Lebens, um sie in ihrer ganzen Tiefe und Bedeutsamkeit zum Bewußtsein zu bringen, und jetzt erst beginnen die wissenschaftlichen Arbeiten jüdischer Gelehrten einen Zusammhang, ein Ineinandergreifm zu zeigen. Hoffentlich wird es auch nicht lange dauern und der Egoismus, der wie eine Eisrinde die Herzen so vieler achtbaren jüdischen Gelehrten umschließt, wird vor dem Frühlingshauche eines Bewußtseins der Gemeinschaftlichkeit und Gegenseitigkeit verschwinden. In der Gelehrtenrepublik wird Niemand als unnützer Arbeiter angesehen, der zum Bau des Ganzen beiträgt; der, welcher die Steine zur Grundfeste zusammenträgt, hat gleiches Verdienst mit dem, der an den Sparren des Daches zimmert, und gerade in der Achtung und Werthschätzung der Arbeiten Anderer bewährt sich das unbefleckte wissenschaftliche Bewußtsein. Die Zeit der gegenseitigen Werthschätzung, die nur die Isolirung bis jetzt zurückdrängen konnte, muß auch in Israel erstehen; denn der jüdische Forscher und Gelehrte, unbegünstigt vom Staate und von den Geldsäcken der Reichen, verkürzt in seinem Ehrensolde von Seiten des Buchhandels wegen Zersplitterung, Zerstreuung und Unempsänglichkeit seiner Leser, arbeitet mit einer uneigennützigen Hingebung, wie nur je ein gewissenhafter Gelehrter gearbeitet, und es wäre trostlos und niederschlagend, wenn ihm auch noch die Lheilnahme der Fachgenossen abgehen sollte» Diese Gedanken drängen sich mir so eben auf, indem ich die historischen Leistungen auf dem Gebiete des Judentums in der neuesten Zeit meiner Erinnerung vorführe; sind auch keine große, umfängliche historische Meisterwerke entstanden, so sind doch auf allen Hauptgebieren der jüdischen Geschichte treffliche Versuche gemacht worden, für die unsere Nachkommen einst uns dankbar sein werden. Versuchen wir hier, eine Durchmusterung 'derselben nicht nach der Zeitfolge ihres'Erscheinens, sondern nach der Zeitfolge der israelitischen Geschichte dem Leser vorzuführen, wenn auch nur um die eigentliche Bestimmung eines Literaturberichtes zu erfüllen. Von Dr. LeviHerzfeld in Braunschweig, durch einige wissenschaftliche Arbeiten bereits bekannt erschien so eben ein schönes historisches Werk: Geschichte des Volkes Iis- 1) Er schrieb als Promotionsschrift: Osironoln^ia dic.um et j>riniorum regum Hebraeorum: SStrttn, 1836, .8. Dann: npHp, bas Buch Kohelet 1 übersetzt und erläutert: Braunsch'weig, 1838, 8. 30

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