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Der Orient · 1847-07-23 · Heft 30 (23.7.1847) · p. Seite 240

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 30 (23.7.1847)
Date
1847-07-23
Page
Seite 240 (sequence 15)
Language
German
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240 ringische Weisheit herab l *) Vierzig Jahrhunderte sind es fast, seit sich meine kunstvollen und arbeitsamen Vorfahren des Verbrechens schuldig gemacht-,' welches Sie mit strenger Gerechtigkeitsliebe an ihren Enkeln bestrafen wollen. Ihre Vorfahren, mein Herr, konnten daninls freilich, ans Mangel an -historischer Existenz, noch nich.s der Art thun, denn sie hatten wahrscheinlich noch feine~ Ahnung vom Gebrauche und dem Werthe solcher silbernen und goldenen Geräthsehaften, wie sie nleine Vorfahren aus dem Lande der Pyramiden entführten.' Erst zweitausend Jahre später treten Ihre Ur-Ahncn an der Ilm auf den Grund und Boden der Weltgeschichte; erst JulinS Cäsar entdeckt sie, und man weiß, welches glänzende Zengniß er ihrer Ehrlichkeit ertheilt! Aber seien Sie versichert, Sie können'doch stolzer auf Ihre zur Zeit des Auözugs der Israeliten aus Egypten noch nicht vorhandenen Ahnen sein , als diese auf die Logik ihres gegenwärtigen Sprößlings. Denn, sehen Sie, Sie haben es unterlassen, die einfachsten Materialien des gesunden .Menschenverstandes zum Aufbau Ihrer Behauptung anzuwcndm; hätten Sie sich an der Seite regelmäßiger Logik gehalten, so wurden Sie aus dein angeführten Faktum das größte Lob für den Charakter der Israeliten herausgelesen haben, statt, wie Sic gethan, einen Vorwurf für deren Nachkommen daraus zu machen. Ganz Egypten leiht den abziehcndcn Israeliten alle vorhandene Kostbarkeiten; müssen sie also nicht in ganz Egypten als die ehrlichsten Leute bekannt gewesen sein, als Männer, denen man ohne Bedenken sein ganzes Vermögen anvertraut? Wenn aber das Geliehene nicht zurückgegebcn wurde, so lag der Grund, wie Sie, alö bibelfester. Mann wissen sollten, darin, daß kein einziger Egypter übrig geblieben, der das egyptische Eigenthum zurücknehmen konnte, da sie ja Alle im rothen Meere ertrunken sind. In der That haben sich die Weisen Israelis seit dem Auszug aus Egypten bemüht, einen legitimirten ' Nachkommen der Pharaonen aufzufinden, dem der Werth der entliehenen Kostbarkeiten überantwortet werden konnte, und sie haben sich stets betrübt, keinen solchen zu finden. Vielleicht aber wird ihre Mühe eben jetzt mit Erfolg gekrönt, vielleicht ihre Betrübniß eben jetzt in Freude verwandelt l Denn es find alle Wahrscheinlichkeiten da, daß der echte Erbe gefunden ist. Sie, mein Herr, nämlich bekunden durch' Ihren nicht leicht übcrtroffenen Judenhaß eine so außerordentliche Verwandtschaft mit Pharao, daß man Sie auch als den alleinigen Erben dieses ältesten Feindes der Israeliten betrachten darf; ich kündige Ihnen daher im Namen der Juden an, daß Sie den ungeheuren Werth jener Kost¬ *) Man wird sich hierbei bn bekannten Worte Boriaparte's in seiner Proklamation vor der Schlachr bei den Pyramiden erinnern. Verlag von C. L. Fritz sch e. barkeiten in guten Wechseln, oder nn unbeschnittenenDnckaten, oder auch in. Bankscheinen, die bisher noch in allen. Kassen für voll angenommen werden, erhalten können. LepsiuS oder Seyffahrt werden anzngeben wissen, wie viel Geld und Silber damals in Egypten war, und nach ihrem Ausspruche wollen wir uns berechnen. Die Summe ist ungeheuer, imb die Kinder sind hoch erfreut, die Schuld der Väter zu bezahlen. Allein eine kleine. Gegenrechnung werden Sie sich schon gefallen lassen müssen; wir haben nämlich den Arbeitslohn von 000,000 Menschen und von 430 Jahren von .Ihrem Ahnherrn Pharao 31t fordern! LepsiuS oder Seyffahrt werden Ihnen die damalige Höhe des Arbeitslohnes berechnen./^ Wir bemerken hierzu, daß die Gegenforderung des Elsässers nicht ein bloßer Witz eigener Erfindung ist, sondern einem der schönsten Geschichtchen des Talmud angehört. Wir wollen dieses Geschichtchen hier aus dem Original (Babylonischer Talmud, Traktat Synhednu i. 91a) rnittheilen. ‘ Es heißt dort: Vor Alexander dein Macedouier erschtcncit die Egypter, um wider die Israeliten zu klagen. Sie sprachen: „ES heißt in der heiligen Schrift: Gott ließ das Volk Gunst finden in den klugen der Egypter, und sic liehen ihnen (silberin unt» goldene Gefäße u\). Gebt un§ also zurück das Silber und Geld, welches ihr von uns genommen hakt." Dagegen trat der jüdische Advokat Gahiba ben Pesisa auf und sagte: ,,Jhr führt euren Beweis aus der heiligen Schrift, ich werde auch nur ans demselben Buche entgegnen. Es heißt:- .Und der Aufenthalt der Kinder Israels in Egypten war 430 Jahre. Gebt uns also den Lohn für 600,000 Arbeiter, die ihr 430 Jahre zu Knechtdienst gezwungen habt". Da befahl Alexander der Macedonier den Egyptern, sich zu verantworten. Diese erbaten sich drei Tage Bedenkzeit, welche ihnen der König auch bewilligte; allein sie fanden keine Widerlegung, flöhen von dannen und ließen ihre Felder und Weinberge in voller Blüthe den Juden, denen diese Beute um so willkommener war, da gerade selbiges Jahr ein Schemitajahr gelvesen (d. h. ein solches, in welchem nach mosaischem Gesetze der Boden brach liegen muß). Der Herr Weimarer möge sich in Acht nehmen, daß ihm bei seiner künftigen Philippika nicht das Gespenst des jüdischen Advokaten erscheine und zuruse: Ihr habt uns 430 Jahre und noch länger geknechtet, wir mußten unter Mißhandlungen für euch arbeiten, die schwersten Lasten allein tragen; gebt nnö jetzt den Lohn heraus, d. h. stellt jetzt, um das viethllndertjährigeMißverhältniß auszugteichen, alle Inden in Sinekuren an, gebt allen Juden den Schutzzoll zurück, den sie als Reichskammerknechte aufznbringen hatten re. :c.! F. L t. (Mag. f. d. Lit. d. Ausl.) .. Druck von-I. H. Nagel.

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