Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1847)
- Date
- 1847-07-23
- Page
- Seite 233 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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rfw Achter erichte, Studien und Kritiken Jahrgang. Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Manabonnirt bei allen Ml. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen Mf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M »<>. L einzig, den 23. Juli 184tf. Inhalt. Deutschland. Berlin. Die Berliner Null in der D. A. Z. .Vermischtes. Posen. -,Aa>, was haben die Herren doch für ein kurzes Gedärm!" Viel Kopfzerbrechen über den SW. Lola Montez und die Rabbinerversammlung. Adressen an die Landtagsdeputirten Naumann und Schumann. Berlin. Censorstriche. Klagelied Jeremia über den Untergang der RV. und TV. Die Juden in Nom. Stettin. Wohlthatigkeit von Seiten der Juden. Adresse an den Deputkrten v. Puttkammer und Antwort. Posen. Die Adressenwnth. Königsberg. Vaterland und kein Ende. — Frankreich. Der Corsaire-Diable und ein weimarischer Landtags-Deputirter. — ,LB. d. Or. Deutschland. Berlin, 9. Juli. Athemlos gehe ich heute an meinen Schreibtisch. Nicht etwa, weil ich so eben die erste Periode in „meinem Verhältniß zur Berliner Reformgenossenschast" in einem Athem — nn& nwwn, wie Einer, der in die Posaune stoßt, um die dosen Geister zu dann cri — ge lesen hade, sondern, weil ich, angeregt von der Frage einer Berliner Null in der D. A. Z., ob denn die Juden, emaueipirt sein wollen, von Haus zu Haus und von Hof zu Hof — nach vorhergegangenem Drry— wänderte, an alleThüren klopfte Mld alle Juden des preußischen Staates um ihre Meinung ansuchte. Die Reichen, die sonst sorgfältig die Thüren versperren, wenn ein jüdischer Schriftsteller sich meldet, warm entzückt, als sie hörten, ich sei ein Engel oder ein Apostel der Emaneipation, und kümmerten sich wenig um die Enget- und Apostellehre, als sie das fremde Wort vernahmen. Wie aus einem Mllnde, wie einst am Fuße des Sinai riefen alle preußischen Juden aus: „Rede Du mit uns, wir wollen hören", und ein einstimmiges Ja, ein Solo, wie ich es noch wie gehört, ertönte von den Lippen Orthodoxer, Gemäßigter und Reformer. Wie nun die D. -A. Z. eine Rede bringt, W gehaltlos ist, das heißt, die nicht gehalten wurde, so thellen Sie die Antwort mit, die nicht gegeben wurde. Die gntmnthigen Deutschen sind so verknöchert, daß sie nicht glauben können, Jemand wolle frei werden. Hat man uns denn gefragt, ob wir zlifri eben sind, als man Leibzvll und andere Konsequenzen christlicher Liebe von uns verlangte? Oder halt man uns für so sklavisch gesinnt, daß man glaubt, wir würden uns an der Gnadensonne christlicher Freiheit verbrennen? Oder ist der Talmud bereits so sehr tu alle Poren des christlichen Staates eingedrungen, daß man gegen den Satz: runo {nun ■‘■pS? rranb nicht verstoßen will? „Ein Kind fragt man, einein Großen giebt mau" Lalltet ein altes Sprichwort — und wahrlich wir sind keine Kinder, wenn man auch oin Spiel mit uns treibt und uns am Gängelbande der.suceessiven Emancipation leiten möchte. Gott hüte llns vor unseren Freunden, welche ängstlich besorgt sind, ob wir auch das Gnadengeschenk annehmen werden.. Oder glaubte die Berliner Null, die Inden müßten gleich' den Vertretern des preußischen Volkes die vollständige Gleichstellung verwerfen? So verwerflich sind wir wahrlich nicht! — Die französische Kammer, welche die Vermehrung des jüdischen Budget verweigerte, scheint arrch vom deutschen Elenlente durchweht zu sein. Als Vorwand schiebt man die herrschende Noth vor. Wahrhaftig es herrscht eine Noth. Mußte die französische Kammer ihre ökonomischen Studien gerade an den Nabbinen machen? Und von all' den jüdischen Deputirten erhob sich blos eine Stimme. Wer da glaubt, jüdische Deputirte müssen nur an Israel denken; wer da fürchtet, jüdische Mitglieder einer Ständeversammlung würden nur Israels Interesse vor Augen haben, der 30