Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1847)
- Date
- 1847-07-09
- Page
- Seite 217 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Mer Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Th!r. Man abonnirt bei allen!öbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herapsgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Litecaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig.' MS8. Lecpzig, den 9. Juli 1$4V. -=■ ■ ~:s V?: — SS: ’ .^ZS-£^5.S=== . ^^=^-^^7=7=^ Inhalt. Deutschland. B e rl i n^. Auf groben Klotz ein grober Keil. Zwei Tropfen Wasser und deren Wunderkraft. Ronge der Große. Die Allgemeine. Eine Anrede an den vereinigten Landtag. Was ist des Juden Vaterland? Stadtrath Benda. Lübeck. Große Emancipationsprojekte des Senats, .und „der Zopf, der hängt ihm hinten"''. Berlin. Der Judenartikelschreiber in der D. A. Z. Die Reformgenossen. LiLeraturerscheiii ungen. — Oesterreich. Eperies. Konfirmation. Aus Oberungarn. Der neue Elias. Aus Mahren. Ein Wort an meine Kollegen, von Rabb. Schmied!. — Personalchronik und Miscellen. Aus Mahren. Berlin. Türkei. — LB. d. Or. Deutschland. Berlin, 27. Juni. Ms ich gestern Sonnabends zionswächterlichen Gemütheö in unsere alte Synagoge trat, erinnerte ich mich an Friedrich den Großen. Wie? Friedrich der Große mit seinem klaren Geiste rmd unsere alte Synagoge? Welche Jdeenassociation? Haben' etwa die Inserate des kleinlichen Friedrich v. Bnlow die Brücke zu dem großen Friedrich gebildet? Oder hat das Gebet-Heer, mit bcm seit langer Zeit ein hartnäckiger Krieg geführt wird, das Alldenken des großen. Feld- Herrn in mir hervorgerufen? Oder hat der einseitige Vergleich Herodot's mit Benjamin von Tndela mich zu einer Mesalliance der Ideen verlockt? Nichts von alte dem! Ich dachte au. ,,Se. .Majestät den Zufall", wie der große König zu sagen pflegte. Und dieser zufällige Zufall? Daß man an diesen Sabbat gerade den Abschnitt Bakak verlas. Ihre Leser kennen die Geschichte Balak's. Der- König von Moab schickt eine Deputation an Bileam, damit er Israel fluche. Ehe man jitui Ziele kommt, redet ein Esel, undstatt des Fluches ertheitt Bileam den Segen. Da entbrannte Bal-at'ö Zern — und er schickte den Redner nach. Hanse. Da kam ich auf gar wunderliche Gedanken, die man blos denken oder durch , Gedankenstriche andeuten darf. — — Aber bcr Esel erinnerte mich an Saadja Gaen, der von einem redenden Esel, nichts wissen wollte. Ein Glück für Saadja, daß der ZW. zu seiner Zeit eine bloße platonische Idee war; sonst wäre er gewiß zum Schüler Epiknrs gestempelt worden und der Preßburger Rabbiner hätte ihm, Saadja nämlich, den Zutritt zum Schiur versagt, da Letzterer in seinem Rationalismus nicht glauben konnte, daß ein Esel rede. — — Ich mache den Uebergang zu Hm. Bülow, der in der Vossischen Zeitung Inseraten-Guerilla's gegen die Juden erhoben hat. Hr. v. Bülow fragt, ob denn die Inden Christen cmancipiren möchten? Ich habe lange über diese Frage im Stillen nachgedacht, habe Gründe und/Gegengründe genau geprüft, und bin auch zu einem Resultate über die Bülow'sche Proposi'tiou gekommen. „Soll ich die Christen cmancipiren oder nicht?" begann mein Monolog. Mit Hilfe einer ministriellen Phantasie versetzte ich mich nach Zion, meinem Rittergntc, sammelte alle Vorurtheile, den Neid, den Haß, die Misgunst, die BekehrnngSftlcht nm dm Thron meines Geistes,'und die Debatte über die Emancipation der Christen begann. Das Vorurtheil ergriff das Wort: ,,Jch stimme meinem geehrten Freunde, dem Haß, vollkommen bei, daß die. Christen nie aushören werden, Christen zu sein. Sie erklären die Erde für ein Jammerthal und können sich daher für diese Welt wenig interesstren, können unmöglich gute'Patrioten' sein". Der Neid in seinem Neide bat um das Wort. „Nie" — rief der Neid aus —- „werde ich es zngebm, daß ein Christ als Oberhaupt über die-Juden fnngire. > Sie wissen — rief der Neid im Tone der D.. A. Z. aus und schüttelte den Zopf, ' 28 : -' ' ■