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Der Orient · 1847-07-02 · Heft 27 (2.7.1847) · p. Seite 216

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 27 (2.7.1847)
Date
1847-07-02
Page
Seite 216 (sequence 15)
Language
German
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— 216 — Hier nur, hur nur ist die Stätte, Wo das Elternpaar gelebt, Hier, wo aus dem Sterbebette Ihre Seel' zum Herrn entschwebt. Hier in.Deutschlands tiefem Sande . Lieget ihr Gebein verscharrt - Hier im deutschen Vaterlande Mensch ich,, Mann und Vater ward. Lebet wohl, Ihr deutschen Lande, Stets mag Glück und Heil Euch blührr; Dieses wünscht Euch der Verbannte, Der in fernes Land muß ziehn. * Nur nehmt die, die Ihr verstießet, * Aufgeopferl einem Wahn, , Die Ihr m das Ghetto schließet, All' als Eure Kinder an." — Da erschallt das Sammelzeichen, Die Familie geht,an Bord- Alles günstig - Winde schweigen, Schon ertönt das Abfahrtswort. Und die Anker stad gelichtet, Schutm steht an des Kieles Rand, Ruft zum Strand den Blick gerichtet: Lebe wohl, mein Vaterland. Dresden. Emil Lehmann. Nenbidschow/ 25. Mai. (Inserat.) Auch über unsere socialen Zustände will ich Ihnen diesmal einiges miltheilen, und das Lobenswerthe würdigen, so wie im Gegentheite das Tadelnswerthe rügen; aber voranssetzen muß ich, daß wir gegen andere, wenn auch kleinere Gemeinden Böhmens, weit zurück sind. — Im Jahre 1838 wurde es nothwendig an unserer Synagoge eine Reparatur vorzunehmen, die Gemeinde ließ sich herbei durch milde Spenden re. ein Kapital znsammenzu bringen, daß das Bethaus umgebaut und ganz nach neuem Ritus eingerichtet werden konnte. Einige Zeit später wurde auch ein Vorbeter ausgenommen, (ein gewisser Hr. Gold st ein), der sich sehr thätig und eifrig seiner Sache annahm und die Killder im Gesänge v or t r e ffl i ch unterrichtete. Da ihm nun allerseits die gebührende Achtung gezollt wurde, suchte der Mann bei dem aftmaligeu Erkalten seines Eifers die Gemeinde dahin zu bringen, daß sein Gehalt erhöht werden mußte. — Wenn nun auch die Gemeiudeglieder sich zu dieser S teu er herbeiließen, so wardies doch mehr Gleichgiltigkeit als freier Wille. Seit dieser Zeit (bereits 5 Jahre) bezieht dieser Mann einen fixen Gehalt von 600 fl. C. M. jährlich ohne alle Nebeneinkünste (die auch ungefähr 3— 400 ft. CM. jährlich abwerfen), ohne jedoch auch nur das Erwartete zu leisten; denn die Kinder, die bis dahin keine pekuniäre Vergütung erhielten, wollten sich weder in der Singschule noch vor dem Mare im Verlag von C. L. Fritzsche. .Bethause bei den Haaren oder Ohren ziehen, ohrseigen lassen re. und haben sich von solcher Dienstbarkeit freigesprochen. Verdient eine so rohe Behandlung der Jugend keine Rüge? — Und verdient. nicht ferner gerügt zu werden: wenn man um dm Vorbeter schicken muß, er möge, ins Bethans kommen? — Oder ist es vielleicht schicklicher für einen solchen Mann, der im Namen der Gemeinde das Gebet an Gott richtet, beim Billardtisch die Zeit zu vergeuden, und die Gemeinde warten zu lassen, bis es gefällig ist? — Und trotz der Unzufriedenheit fürchtet der Vorstand ihm einen ernstlichen Verweis darüber zu geben, weil sie dadurch einen guten Sauger zu verlieren gedenkt. — Daß aber das Geld zweckmäßiger zum Umbaue des alten morschen und baufälligen Schulgebäudes verwendet werden könnte, fühlt man zwar, doch man darf es nicht wagen, sich darüber zu" äußern. — Das Geld so unnütz zu verwerfen ist ein edlerer Zweck, als für unsere Nachkommen zu sorgen, denen wir doch nichts mehr geben können, als daS, was wir sie lernen lassen. O wie sehr sind wir in dieser Hinsicht ..zu bedauern, um das Geld aus eine so schlechte Art zu kommen, und es bei diesen traurigen Zeiten unseren Kindern zu entziehen. Wir sehen es zwar ein, und helfen uns nicht, wollen uns nicht helfen weil wir uns vor Einbuße eines Gesanges fürchten. — Kann es daher verargt werden, wenn man für das allgemeine Wohl spricht? gewiß nicht. Gibt es doch kleinere Gemeinden und was thuir diese nicht für die Erziehung und Bildung der Jugend, sollte so etwas nicht zum Verbilde dienen, wie z. B. das Institut zu S ch lv arz-K o st e l etz. — Wäre es nicht zweckmäßiger, eine hebräische und deutsche Schule zu vereinen und zwei tüchtige Lehrer nur mit 200 fl. CM. zu besolden, und einen Vorbeter, der mehr thäte als der gegenwärtige? Aber so ein Antrag sindet keinen Anklang bei uns, denn der Reiche will nichts thun und zieht sich bei jeder Gelegenheit zurück und der Druck lastet also nur auf dem Armen, der gezwungen äst, das Geld herzugeben, und nicht fragen darf wozu oder für wen? Jedenfalls würde aber jeder Familienvater für d en Vorschlag sein Scherstein beitragen, ob es ihm auch noch so schwer ankäme. — Allein der Verbeter braucht das Geld beim Billardtisch 'oder am Spieltisch beim Tarok, Whist re. zum verthun, imt> die Lehrer können entbehrt werden, unsere Kinder müssen nicht lauter Gekehrte werden. Wohl sind wir noch zurück, die Finsternis', die vor 2 und 3 Jahrhunderten uns'umgeben hat, herrscht noch heute, aber wir wollen kein Licht, wir selbst sind schuld daran, denn jeder Lichtstrahl wurde unsere Gebrechen nur zu sehr der Mitwelt zum Spotte preis geben. 0 tenipora, o mores!' :rufc ich mit Cicero. Nächstens mehr über diese Angelegenheit. F. W. ' Druck von I. H. Nagel.

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