Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1847)
- Date
- 1847-06-25
- Page
- Seite 202 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Konfirmaiio ns fei er, die in der Synagoge zu Nosenberg, am 1,. Mai . d. I. begangen wurde. An dem bezeichneten Tage, einem Sabbat, wurde die Gemeinde zu einem außerordentlichen Gottesdienst auf Nachmittags 2 Uhr in das Bethaus geladen, wo die nöchigen Anordnungen für eine würdige Feier schon getroffen waren. Die Gallerie sonst zum Stand der Frauen dienend, war dies^ Mal für den Chor eingeräumt, während im Parterre die Sitze so eingerichtet wurden, daß sie auch zur Aufnahme des weiblichen Theits der' Zuhörer dienen konnten. Nicht nur hatte sich geraume Zeit vorher die ganze Gemeinde eingefunden, auch die Elite der christlichen Bevölkerung, insbesondere die dazu eingeladenen Mitglieder des Magistrats wohnten einer Feierlichkeit bei, die man bis jetzt als die erste und einzige der Art in Oberschlesien bezeichnen kann. Zur Introduktion wurde vom Chor, der von einem katholischen Lehrer geleitet wurde — welchem wir anbei für seine erfreuliche und von wahrhaft humanem Sinne zeugende Theilnahme den gebührenden Dank sagen-— der Psalm 27. angestimmt, welcher Gesang von den anderen Lehrern der katholischen Elementarschule unterstützt und mit Instrumentalmusik begleitet wurde. Mit den Schlußvortrag des gesungenen Psalmen: VEPpSB'WGnrt “in Hl rbö Dpjr -pQ'1 begann die Predigt, welche, reich an Geist und Gefühl, eine Betrachtung über Lehre und Leben und deren Wechselwirkung, gab, und recht geeignet war, die Jugend aus die kommenden Kämpft vorzubereiten und ihnen die Stütze zu zeigen, deren sie auf der weiten Wauderbahn bedürfen, die Stütze, welche die geheiligte Religion der Väter ihnen bietet und welche in Glück und Unglück, in Jahrtausenden von Trauer und Trübsal, von Leiden und Thräncn sich bewährt hat. Mit dem Feuer, seiner Worte beschwor der Rabbiner die Jugend, an ihr, der ältesten Religion, die durch Nichts, selbst nicht durch Feuer und Schwert, hat erschüttet werden können, festzuhalten, indem er ihnen die biblischen Worte rp D'p'ino1? nvi D*n p an's Herz legte. Den Schluß der Predigt bildete eine ernste und würdige Anrede an die Konfirmanden zu dem Zwecke, sie noch einmal auf die Bedeutung dieses Tages für ihre ganze Lebenszeit aufmerkstrm zu machen und sie um Antwort anfzufordcn auf die Fragen über die Grundwahrheiten und Glaubensartikel der ihnen gelehrten Religion. Während dieser Worte waren die Konfirmanden, 11 an Zahl — 6 Knaben und 5 Mädchen — von beiden Seiten aus die Stufen der Kanzel getreten und die Fragen des Rabbiners wie die Antworten der Kinder zeigten deutlich, daß es hier nicht um eine leere Förmlichkeit zu thun war. Diese Prüfung bestand nicht ans eingelernten Fragen und bestellten Antworten, sondern die Kinder zeigten sämmtlich, daß sie von ihrem Rabbiner mit Ernst und Gründlichkeit unterrichtet worden und zwar nicht nach Leitfaden und Lehrbüchern, sondern ganz nach eigener Anschauung, welche in dem Boden historischer Gestaltung des Judenthumsihre Wurzel hat. Die Kinder haben sämmtlich fest und bestimmt geantwortet und waren ebenso vertraut mit den allgemeinen Religionslehren über die Pflichten gegen Gott und die Menschen, als mit den besonderen Glaubenssätzen des Judenthums. Nach Beendigung dieser Prüfung wendeten sich die Konfirmanden von der Kanzel zur Gemeinde, dankten in herzlichen Worten ihren Eltern und Lehrern, erklärten feierlichst ihren heiligen Willen, an ihrecReligion, dem Erbtheil der Väter, festzuhalten, baten daun um Aufnahme iü die Gemeinde Israels, und legten zu diesem Behuf aus eigenen freien Stücken ihr Gtaubensbekenntniß in deutschen und hebräischen Worten ab. Die letzten von den Sprechenden wendeten sich noch mitDank an den Rabbinen, seinen liebevollen Unterricht rühmend. Diese Anreden waren ohne sein Zllthuu von dem jüdischen Lehrer der Gemeinde, Herrn Wachs mann, dessen Bemühungen und Leistungen ein öffentliches Lob verdienen, dm Konfirmanden an die Hand gegeben worden, und die kindliche Naivetät, mit der sie gesprochen wurden, machte einen erhebenden Eindruck. Vor der Aufnahme in den Bund der Gemeinde wies der Rabbiner die Kinder noch an ihre Eltern, um deren Segen für die Zukunft zu erbitten, und das war ein ergreifender Akt, rührend durch seinen Ernst und seine Wahrheit, der dem kindlichen Gemüthe wohl das ganze Leben hindurch eingeprägt bleiben muß. Dann endlich erfolgte seinerseits die feierliche Einsegnung, begleitet von herzlichen Worten an die Konfirmanden selbst, das Chor stimmte den Psalm 67 an und damit schloß die bedeutungsvolle Feier, die auf die Herzen der Vetheiligten wie der Zuhörer einen tiefen Eindruck gemacht und kein Auge thränenleer gelassen hat. 14. Emden, Ende Mar. Und nach meines Herzens höchstem Sinn Werde Hirten ich euch geben, Die nach wahrem Lebens-Ziele hin Euch zu leiten sich bestreben. Jerem. 3, 15. Am 15. Mai hielt Herr Landrabbmer Hirsch seinen Abschieds-Vortrag vor einem zahlreichen Publikum, dem sich die ersten Personen der wohllöblichen städtischen Behörde, verschiedene Geistliche, mehrere hiesige christliche Bürger anschlossen, in der Synagoge Hierselbst. Herzergreifend war der Akt, in welchem der tiefgerührte . Geistliche die geweihbte Stätte zum letzten Male betrat, um die Abschiedsworte an seine ihm zur Leitung anvertrante Gemeinde zu richten, und ihr, mit der ffanzeir Fülle seiner allbekannten Beredsamkeit, die letzte väterliche Ermahnung ans Herz zu legen. Und wenn auch anfänglich das kräftigste Wort, aus bewegter Seele geschöpft, im Thränen-Ansbrnche erstickt, so wußte sich der geistreiche Redner dennoch der schwierigen Lage, in die er sich in den scheidenden Augenblicken versetzt fühlte,?