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Der Orient · 1847-06-18 · Heft 25 (18.6.1847) · p. Seite 193

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 25 (18.6.1847)
Date
1847-06-18
Page
Seite 193 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken Mer Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Manabonnirt bei allen!öbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen aus ein Iahe. für Jahrgang. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnct, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßige von Dr. Julius Fürst» 184V. eipzig, dm 18. Juni I n h a l t. Ablösung der separaten Judensteuern in Böhmen, ein finanzielles Nachtstück. — De« tschla n d. Berlin. Gerächt von der Zurücknahme des Entwurfs. Königsberg. Der jüdische Sonntagsgottesdienst. Hamburg. Altonaer Petition um Gleichstellung der Juden. Rede des Dr. Magnusson. Gratisvertbeilung einer Rede von Dr. Baumeister. ,,Jugendschaar". Die Gesellschaft für sociale rrnd politische Interessen der Juden. Ed. Michaelis. Berlin. Widerruf. Altona. Ein Sendschreiben an Dr. Stern und die Reformgemeinde in Berlin. — Italien. Kommission Zur Berathung der bürgerlichen Stellung der Juden. — Polen und Rußland. Petersburg. Die Juden müssen für den Kaiser beten. — Personalchronik und Miscellen. Leipzig Die D. A. Z. über den Entwurf. — LB. d. Or. Ablösung der separaten Judensteneru in Böhmen. Ein finanzielles Nachtstück» Vernunft wird Unsinn, Wohlthat Plage. Goethe. Wir hören oft von Erpressungen, die sich Mehemed Ali's große und kleine Defterdare oder türkische Würdenträger über ihre Paschaliks erlauben. Wir lächeln dann und stärken uns mit dem Tröste, daß derlei Landplagen, derlei Gewalttaten bei uns nicht mehr: möglich seien. Allem auch in Europa, in dem christlich germanischen Europa giebt es hin und wieder ähnliche Scenen. Finanzoperationen sind überhaupt die dunkeln Centratpunkte, um welche sich hin und wieder auch bei uns, bald zum Vortheile einer armseligen Jagd nach Ordensbändern, bald aus Sucht, vom Namen ohne Beisatz bis zum Namen, dem ein Von präludirt, oder von da noch etwas höher aufzusteigen, oder aus anderen niederen Motiven, Gewalt und List, Bosheit und Narrheit, kriechender Diensteifer, kleinere und größere Spekulationen im tollen Wirbeltanze herumdrehen. Iss doch die Finanz das große Schachbrett der modernen Weltgeschichte, wo die Partien stets wichtig sind, mögen mm Millionen oder blos Lausende auf dem Spiele stehen. Wir wollen hier.ein Beispiel anführen, ein Beispiel, das unter andern den Beweis liefert, wie leicht bei dem Mangel einer nur etwas freieren Presse wohlthätige Finanzmaßregeln der Regierung von kleinen Seelen entkräftet, wie leicht selbst Das, was zum Segen bestimmt ist, durch ihre Umtriebe zerr Landplage werden kann. Die östreichische Regierung hatte in neuester Zeit den Entschluß gefaßt, die besonderen auf der böhmischen Judmschaft. lastenden Steuern, welche ein dunkles Stück Mittelalter in die moderne Finanzvenvaltung setzen, nach und nach aufzulassen. Es ist bekannt, daß die Juden in Oestreich nebst den Abgaben, welche alle Staatsbürger treffen, noch besondere Lasten tragen müssen, die noch drückender sind, als die alten Leibzölle, welche die kaiserlichen Kammerknechte (wie man einst die Juden in Deutschland nannte) in den Säckel des Reichsoberhauptes zahlen mußten. Eine besondere Nachtseite dieser Abgaben lag darin, daß eine große Anzahl von Juden, um z. B. die Bewilligung zu einer Ehe zu erhalten, ein steuerbares Vermögen einbekennen mußten, von dem sie, wie notorisch bekannt, keinen Heller besaßen. Es fand also hier gerade das Gegentheil Dessen statt, wozu man in andern Staaten flüchtet, um sich allzuhoch bemessenen Abgaben oder Lasten, deren Zweck oder Nochwendigkeit man nicht cinsieht, mit Erfolg zu entziehen. Wahrend nämlich die Steuerpflichtigen zu Listen und Ränken flüchten, um ihr Vermögen, um ihr Einkommen der Einsicht der Steuerbehörden zu entziehen, mußte ein großer Lheil der böhmischen Juden auf Mittel und Wege bedacht fein, um der Steuerbehörde ihre Arnntth zu verbergen, um ihr Proletariat in die'Maske eines steuerbaren Besitzstandes zu hüllen. Um diesen traurigen, höchst gefährlichen 25

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