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Der Orient · 1847-06-11 · Heft 24 (11.6.1847) · p. Seite 189

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 24 (11.6.1847)
Date
1847-06-11
Page
Seite 189 (sequence 9)
Language
German
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189 Juden viele bürgerliche und alle politischen Rechte darin abgesprochen sind; daher werden die bestehenden Rechte der Rheinprinz gefährdet und der Entwurf kann nicht angenommen werden, weil er mit der Bundesakie nicht in Einklang steht. (N. C.) HMe, Mitte Mai. Ein jüdischer Lehrer aus Rodmberg in Hessen fragte bei Wislicenus an, „er habe gehört, Wislicenus „mache" ungetanfte Judelt zu Christen; ob er dieses auch thäte, wenn sie noch streng am jüdischen Rituälgesetz Hielten? " Die Antwort lanlete natürlich: die freie Gemeinde fei keine christliche, aber die Erfüllung von Gebräuchen sei kein Hinderniß des Eintrittes , falls der Mann sich sonst dem Wesen und Treiben der Gemeinde vertraut machen könne. (T. Z.) KrotöschM, 4. Juni. So wie die Geschehnisse in hiesiger Gemeinde vom vorigen Jahre den Reiz und Stempel der Neuheit an sich trügen, so sind sie nun doch von den Wellen der Zeit überflutet und unter ihnen begraben worden. An eine Rabbinerwahl denkt Niemand mehr, das Unwetter der. Gereiztheit hat sich ziemlich gelegt, keine Partei hat etwas erzielt, und man fürgt schon an sich gegenseitig über den mit Erbitterung geführten Streit nicht allein auözugleichcn, sondern auch schon lustig zu machen. Mehr als dieses ist nicht zu verlangen. Hingegen ist von einer andern Seite durch den Bundesgenossen der Nabbinerwahl nämlich, derKcmtorwaht, ein unerquicklicher Streit entstanden. Ein großer Theil der Gemeinde ist für einen musikalisch gebildeten Kantor, der ein Chor zu leiten im Stande wäre, imd ein geringerer Theil für einen alt herkömmlichen Chasan. Jene Partei, alö die machthabende oder administrative hat es bereits dahin gebracht, daß der sehr musikalische, im Konservatorium zu Wien gebildete Ri tierman aus Krakau einstweilen. interimistisch als Kantor fnngirt; dieser hat sich schon seit Monaten ein Chor gebildet, und der größte Theil der hiesigen Gemeinde ist bereits für's Bestehen desselben gewonmrt. Die Strengorthodoren haben sich aus der Synagoge cntftrnt und in ihr Bet ha-Midrasch, daS seiner Dunkelheit und Unbequemlichkeit wegen einem Ghetto gleicht, zurnckgezogen. Wer sich zurückzieht, hat verloren, was Lei dieser Affäre besotidcrs sichtbar ist. — Sonst gicbt es nichts, was geeignet wäre der Oeffmtlichkeit übergeben zu werden, außer daß der hiesige besoldete Dajan zur protcstirenden Partei sich sowohl heimlich als offen bekannt und auch daS Gutachten des berliner Rabbitiats m Hinsicht der Einführnng eines Chores, da er zum Wahlspruch hat: NN2 nro nichts giebt. ferner verdient cs öffentlich anerkannt und nachgeahmt zu werden, daß in Rücksicht auf die hier wie überall tut Hcrzogthum herrschende Thcnerung die hiesige Repräsentantenversauunlung für die drei Monate Juni, Juli, August 300 Thlr., außer dorn etatsmäßigen Arnrenfond, znnr Ankauf voir Lebensmitteln, die au die Armen allwöchentlich vertheilt werden , bestimmt haben,, was auch von der Regierung unverzüglich genehmigt wurde, ck. Berlin, 3. Juni. Wenn Ihre Leser meine Verwunderung über mein langes Stillschweigen theilen, so bin ich mit denselben zum ersten einverstanden, und ich lege aus diese eulente eoräiale nicht minder Gewicht als. Hr. Guizot. Warum ich geschwiegen? Weil so Viele reden, die eigentlich schweigen sollten; weil so Viele schreiben, die eigentlich lesen sollten; weil so Viele lesen, die eigentlich schreiben sollten. Die Kunst de§ Schweigens ist noch lange nicht genug gewürdigt; es fehlt ihm noch die systematische Fassung wie der jüdischen Theologie. Mancher schweigt, damit man davon rede; Mancher spricht, damit man von ihm schweige. Schweigen ist bekanntlich ein Aushängeschild der.Weisheit; Viele glauben daher schon im Besitze der Weisheit zu sein, wenn sie nur das Aushängeschild mit sich hcrumtragen. Die Schüler des Pythagoras mußten schweigen, wie die Mitarbeiter der jüdischen Journale; darum hält sich mancher Rabbiner für einen Pythagoras, der seine Gemeinde zum Schweigen bringt, und mancher Schweigende hält, sich selbstgefällig für einen Pythagoräer. Mancher jüdische Schriftsteller schweigt, mit, wenn auch nicht ein Cieero, doch mindestens ein Taeitus zu sein. Mancher schreibt wieder so viel, daß man ihm zurufen möchte: 8i tacuisses, Tacitus mansisses Ucber miSliebige Personen schweigt man, wie ein Vater über das Lob seiner Kinder. ‘ Dieser Vergleich ist unpassend; es ist aber so manches unpassend, daß ich von der Freiheit des Unpassenden einen paffenden Gebrauch mache. Schweigen ist männlich, da — zur Beruhigung de§ ZW. nach dem Talmud — die Frauen die Knust des Schweigens nicht verstehen; und Viele sehen sich im Geiste als große Männer, weil sie ein teslimoniuin silenlii ausweiscn können. , Nur das hat das Schweigen mit dem Wort gemein, daß beide gebrochen werden können. Die Wahlverwandtschaft zwischen dem Schweigen und dem Worte zeigt sich nur in der Negation.; nicht selten sind daher die Wortmacher und die Schweigsamen negativ. Der ZW. negirt daher nach uiciuetn Dafürhalten daö Judenthum, weil er zu viel Worte darüber macht. Allerdings ist auch Zeit zum Reden; er redet aber zur Unzeit. Eine merkwürdige Eigenschaft des Schtveigens hat noch Niemand entdeckt: eS hat wie die Rede ein Echo! Dieser schweigtum das Echo jenes Schweigenden zu sein, sowie dieser bejaht, weil ein Anderer früher Ja gesagt. Ein alter Talmudist sagte, das: Schweigen für den Körper das Beste sei. Ob dies auch für das corpus theologonim et retladorum das Reichlichste sei, weiß ich in meiner NathlosigkUt nicht zu entscheiden. Das Schweigen ist vieldeutig, während das Wort manches Journals ganz bedeutungslos ist. Ich schweige nun von: Schweigen und gehe zum Reden über. Bald werden unsere Redner mit unserer Gleichstellung sich.be-

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